Am Flughafen

«Ich fühlte mich beobachtet» – Zürcherin erhält Foto eines Fremden via AirDrop

Maarit Hapuoja, 12. September 2022, 07:40 Uhr
AirDrop ermöglicht Apple-Nutzenden, Bilder rasch und in hoher Auflösung zu versenden. Fremde können dadurch aber unangefragt Fotos schicken – auch Nacktbilder. Ein Schweizer Verein will, dass solche Fälle als sexuelle Belästigung geahndet werden.
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«Mir hat eine fremde Person am Flughafen Zürich ein Bild via AirDrop geschickt», erzählt Samira. Die Zürcherin reiste kürzlich in die Ferien und wartete am Gate auf ihren Abflug. «Diese Person wollte das Bild mehreren meiner Freundinnen senden.» Aus Neugier nahm Samira das Bild an. «Zuerst fand ich es auch ein bisschen lustig, aber dann fühlte ich mich beobachtet». Die 29-Jährige hatte keine Ahnung, von wem aus der grossen Menschenmenge das Bild stammt.

Schnell und einfach, aber gefährlich

Ein Foto mit Freunden machen, Handys in die Nähe voneinander bringen und über AirDrop teilen. Den meisten Apple-Nutzerinnen und -Nutzern ist dieses Szenario bekannt. Die Funktion öffnet aber auch die Möglichkeit, dass Personen ohne Nummern voneinander Daten austauschen können. So missbrauchen nun Fremde diese Funktion, um andere zu belästigen, zu erschrecken oder zu schockieren.

Bei Samira ging es glimpflich aus. Im Bild der fremden Person war der Username eines Snapchatprofils fotografiert. Kein schockierendes Foto, keine sexuelle Belästigung – doch wer weiss schon, was auf Snapchat für Bilder hätten folgen können. Samira fügte die Person auf Snapchat nicht hinzu.

Dick Pics versendet

In diesem Sommer wurde schon über andere Fälle berichtet. So postete die deutsche Journalistin Anne Dittmann auf Instagram, sie habe ein Penisbild via AirDrop erhalten. Auch sie hatte das Bild aus Neugier geöffnet. Auf TikTok ging zudem eine Story viral, als eine US-Amerikanerin von einem Dick Pic via AirDrop während eines Fluges berichtete.

Das unerwünschte Versenden von Penisbildern ist in der Schweiz verboten. Wer dagegen verstösst, wird mit einer Busse bestraft.

In 60 Sekunden zur Anzeige

Auf der Website netzpigcock.ch können Betroffene Fälle von unerwünschtem Erhalt von Dick Pics melden und direkt einen Strafantrag stellen. Mit einem Screenshot, Angaben zu Ort und Datum sowie persönlichen Kontaktinformationen wird automatisch eine Anzeige generiert. Die Webseite erstellt hat #NetzCourage, ein Schweizer Verein, der sich aktiv gegen digitale Gewalt stellt und Betroffene unterstützt.

#NetzCourage glaubt, dass eine konsequente Verfolgung ein Bewusstsein für diese Problematik schafft. Der Verein will nun die Gesetzeslage ändern und erreichen, dass das Versenden von unerwünschten Penisbildern als sexuelle Belästigung gilt. Darauf haben sie eine Anwältin angesetzt.

Samira hat einen Tipp, um sich zu schützen: «Nehmt keine Fotos von Fremden via AirDrop an. Man sieht immer, wer das Foto senden möchte.» Selbst habe sie seit diesem Erlebnis am Flughafen nie mehr ein fremdes Bild akzeptiert. Die AirDrop-Funktion kann zudem ausgeschaltet bleiben und nur dann eingeschaltet werden, wenn man von einer bekannten Person ein Bild erwartet. Oder nur für Kontakte verfügbar gemacht werden.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 12. September 2022 07:46
aktualisiert: 12. September 2022 07:46