Stich mit Nadel

«‹Needle-Spiker› scheinen vor allem Angst verbreiten zu wollen»

Bettina Zanni, 15. August 2022, 11:28 Uhr
Raverinnen und Raver liessen sich an der Street Parade wegen «Needle Spiking»-Attacken behandeln. Urs Eberle, Mediensprecher bei Schutz & Rettung Zürich, gibt weitere Details dazu bekannt.

Herr Eberle*, an der Street Parade suchten acht Personen beim Sanitätsposten Hilfe, weil sie offensichtlich von einer «Needle Spiking»-Attacke betroffen waren. In welchem Zustand waren diese Personen?

Diese Personen kamen nicht in einem Dämmerzustand oder Ähnlichem. Auch war ihnen nicht übel. Das heisst also: Sie hatten keine körperlichen Beschwerden. Die Betroffenen suchten Hilfe, weil sie das Gefühl hatten, von einer Nadel gestochen worden zu sein und sich Sorgen machten.

An welchen Körperstellen wurden die Raverinnen und Raver gestochen?

Betroffen waren vor allem Frauen. Sie hatten an freigelegten Hautstellen einen Einstich. Meist betraf es den Arm oder den Körper seitlich.

Wie gingen die Rettungskräfte vor?

Zuerst reinigten und desinfizierten wir die Injektionsstelle. Nachher ging es darum, die Leute zu beruhigen. Wir empfahlen ihnen, ins Spital zu gehen, um eine Blut- oder Urinprobe zu nehmen. Auf diese Weise kann festgestellt werden, ob sie durch eine Substanz infiziert wurden.

Wissen Sie inzwischen, ob jemandem eine Substanz gespritzt wurde?

Nein. Aus Datenschutzgründen erfahren wir die Resultate der Analysen nicht. Wir rechnen aber auch nicht damit, dass jemandem tatsächlich etwas gespritzt wurde.

Warum nicht?

Um etwas mit einer Nadel zu spritzen, braucht es mehr Zeit. Mittels eines solch kurzen Stichs ist dies kaum möglich. Beim «Needle Spiking» scheint es vor allem darum zu gehen, Angst zu verbreiten und den Leuten das Gefühl zu geben, von etwas Gefährlichem gestochen worden zu sein – offenbar steckt aber nicht mehr als ein harmloser Pieks dahinter.

Haben sich die Raver unnötig Sorgen gemacht?

Nein. Wir empfehlen, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten, hat man das Gefühl, Opfer einer solchen Attacke geworden zu sein. Dadurch haben die Betroffenen auch eine rechtliche Grundlage für die Analyse im Spital. Es kann aber auch Personen gegeben haben, die aufgrund der bekannten Fälle aus dem Ausland aufgeschreckt waren. Sie befürchteten dann vielleicht, Opfer einer solchen Nadel-Attacke geworden zu sein, obwohl sie möglicherweise nur ein harmloser spitzer Gegenstand getroffen hatte.

Gingen alle Patienten ins Spital?

Einige begleiteten wir ins Spital. Es gab aber auch eine Betroffene, die den Sanitätsposten gleich wieder verliess und in der Menge weiter feierte.

*Urs Eberle ist Mediensprecher bei Schutz & Rettung Zürich.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 14. August 2022 16:49
aktualisiert: 15. August 2022 11:28
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