«Als wäre der Kopf ein Fussball»

Aargauer Geschwister sollen brutal auf Zürcher Polizisten eingetreten haben

4. Mai 2022, 12:02 Uhr
Die Silvesternacht 2021 hat für zwei junge Aargauer, Bruder und Schwester, im Gefängnis geendet. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie beim Feiern in Zürich Polizisten angegriffen hätten. Auslöser war, dass der Bruder Feuerwerk in der Innenstadt abgefeuert hatte. Am Mittwoch stehen die Geschwister vor dem Bezirksgericht Zürich.
Eine Silvesterparty in Zürich eskalierte: Am Schluss waren drei Mitarbeitende der Kantonspolizei verletzt. (Archivbild)
© KEYSTONE/WALTER BIERI

Die 22-jährige Schwester fand das Abfeuern von Feuerwerk inmitten von Autos und Häusern zwar eine schlechte Idee, aber ihr zwei Jahre jüngerer Bruder liess sich von ihren Bedenken nicht abhalten. Direkt aus seiner Hand liess er mehrere Raketen in die Luft.

Um das zu sehen, war die Gruppe von Feiernden extra von der feuchtfröhlichen Party in einer Wohnung ins Freie getreten. Als vier zivile Polizisten der Kantonspolizei das gefährliche Privat-Feuerwerk stoppen wollten, eskalierte die Situation.

Der Bruder rannte weg und wurde von einer Polizistin auf den Boden gedrückt. Als seine grosse Schwester dies sah, soll sie - mit pinkfarbenem Paillettenkleid und Badelatschen bekleidet - die Polizistin brutal angegriffen haben.

Als wäre der Kopf ein Fussball

«Wie auf einen Fussball» habe die Aargauer Pflegefachfrau und ehemalige Fussballerin auf den Kopf der Polizistin eingetreten, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. «Die Polizistin war den Tritten hilflos ausgeliefert.»

Zwei weiteren Polizisten ging es nicht besser: Sie wurden von der sich solidarisierenden Gruppe aus etwa zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Schlägen und Tritten traktiert. Die Anklageschrift listet eine ganze Reihe von Schürfwunden und Prellungen auf.

Irgendwann konnte die Polizei die Geschwister und einen weiteren Beteiligten schliesslich festnehmen. Ein Alkoholtest ergab, dass die beschuldigte Frau im Paillettenkleid mehr Alkohol intus hatte als alle anwesenden Männer. Sie selber betonte, dass sie sich nicht danebenbenommen habe. «Ich war das nicht», sagte sie vor Gericht.

Neben den Geschwistern wurde auch noch ein Minderjähriger verhaftet, der sich vor der Jugendanwaltschaft verantworten muss. Für die beiden Geschwister fordert die Staatsanwalt bedingte Freiheitsstrafen sowie Geldstrafen. Der Bruder soll 11 Monate Freiheitsstrafe erhalten, seine Schwester 18 Monate.

«Sinnlose Gewalt» gegenüber Polizisten

Der Bruder soll wegen Angriff, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und Hinderung einer Amtshandlung verurteilt werden. Die Schwester zusätzlich wegen versuchter schwerer Körperverletzung.

Für den Anwalt der getretenen Polizistin wurde «in dieser Silvesternacht eine rote Linie massiv überschritten». Früher seien Polizisten auch schon Opfer von Respektlosigkeiten geworden, heute schlage ihnen aber oft sinnlose Gewalt in erschreckendem Ausmass entgegen. Das Urteil soll noch am Mittwoch eröffnet werden.

Quelle: sda
veröffentlicht: 4. Mai 2022 11:56
aktualisiert: 4. Mai 2022 12:02
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