Bedingte Freiheitsstrafen

Zürcher Gericht verurteilt Aargauer Geschwister wegen Angriffs auf Polizei

4. Mai 2022, 22:52 Uhr
Das Zürcher Bezirksgericht hat am Mittwoch zwei junge Aargauer, Schwester und Bruder, zu bedingten Freiheitsstrafen von 14 und 10 Monaten verurteilt. Die beiden hatten in der Silvesternacht auf das Jahr 2021 Zürcher Polizisten angegriffen und verletzt.
Eine Silvesterparty in Zürich eskalierte: Am Schluss waren drei Mitarbeitende der Kantonspolizei verletzt. (Archivbild)
© KEYSTONE/WALTER BIERI

Die 22-jährige Pflegefachfrau wurde zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Ihr um zwei Jahre jüngerer Bruder, ein angehender Montage-Elektriker, zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten, bei einer Probezeit von drei Jahren. Beide erhalten zudem eine ebenfalls bedingte Geldstrafe.

Beide wurden wegen Angriff, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und Hinderung einer Amtshandlung verurteilt. Die Schwester zusätzlich wegen einfacher Körperverletzung. Das Gericht folgte damit grösstenteils den Anträgen des Staatsanwaltes. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Geschwisterpaar kann es noch weiterziehen.

«Killt sie, das sind Zivis»

Für den Anwalt der getretenen Polizistin wurde «in dieser Silvesternacht eine rote Linie massiv überschritten». Auch früher seien Polizisten schon Opfer von Respektlosigkeiten geworden, heute schlage ihnen aber oft Gewalt in erschreckendem Ausmass entgegen.

Beim vorliegenden Fall erkannten die Anwälte der Polizisten einmal mehr eine grundsätzlich negative Haltung gegenüber der Polizei. «Das sind Zivis», riefen einige aus der Gruppe gemäss Zeugenaussagen, bevor sie zuschlugen. «Killt sie.»

«Sie sollten dringend Ihre Einstellung zu Institutionen und der Demokratie überdenken», sagte der Richter zu den beiden jungen Aargauern, deren Silvesterparty in der Zürcher Innenstadt mit drei verletzten Polizisten endete. Man müsse nicht Freude an der Polizei haben, aber man müsse sie respektieren.

Aus der Hand Raketen abgefeuert

Der Bruder liess sich von seiner Schwester nicht davon abhalten, direkt aus seiner Hand mehrere Raketen in die Luft abzulassen.

Um das zu sehen, war die Gruppe von Feiernden ins Freie getreten. Als vier zivile Polizisten das gefährliche Privat-Feuerwerk stoppen und eine Personenkontrolle durchführen wollten, eskalierte die Situation.

Der Bruder rannte weg und wurde von einer Polizistin auf den Boden gedrückt. Als seine grosse Schwester dies sah, griff sie die Polizistin brutal an.

Als wäre der Kopf ein Fussball

«Wie auf einen Fussball» habe die Aargauer Pflegefachfrau und ehemalige Fussballerin auf den Kopf der Polizistin eingetreten, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. «Die Polizistin war den Tritten hilflos ausgeliefert.» Nur aus Zufall habe sie keine schwere Kopfverletzung wie eine Hirnblutung oder einen Schädelbruch erlitten.

Zwei anderen Polizisten erging es nicht viel besser: Sie wurden von der sich solidarisierenden Gruppe aus etwa zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Schlägen und Tritten traktiert. Die Anklage listet eine ganze Reihe von Schürfwunden und Prellungen auf.

Neben den Geschwistern verhaftete die Polizei auch einen Minderjährigen, der sich vor der Jugendanwaltschaft verantworten muss. Er hatte anfangs ein Geständnis für die Tritte abgelegt, dieses dann aber zurückgezogen.

(hap/sda)

Quelle: sda / ZüriToday
veröffentlicht: 4. Mai 2022 22:20
aktualisiert: 4. Mai 2022 22:52
Anzeige