Experten schätzen ein

Wird der Wolf im Züribiet heimisch?

23. April 2022, 07:02 Uhr
Wölfe sind immer wieder im Kanton Zürich unterwegs – nicht erst seit dem Schafsriss in Bonstetten Ende März. Könnte sich das Tier hier aber auch wirklich niederlassen? Dafür müssten die Weibchen den Anfang machen. Experten halten dies für realistisch.
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: Am 25.03.2022 fand ein Bauer in Bonstetten ZH 25 tote Schafe, mutmasslich von einem Wolf gerissen.

Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt: In Bonstetten im Knonauer Amt waren in der Nacht auf den 25. März rund zwei Dutzend Schafe von einem Wolf gerissen worden. Zudem wurde nur wenige Tage später ein zweiter Wolf im Kanton Zug, wenige Kilometer von der Zürcher Kantonsgrenze entfernt, gesichtet.

Schon früher hatte sich der Wolf im Kanton Zürich bemerkbar gemacht. Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, hat es seit 2014 elf Nachweise gegeben, und zwar ausschliesslich über männliche Tiere. Laut Christian Stauffer, Geschäftsleiter der Stiftung Kora, welche für das Monitoring von Grossraubtieren in der Schweiz zuständig ist, liegt das daran, dass Männchen weitere Wege als Weibchen auf sich nehmen.

Niederlassung hängt von Weibchen ab

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt Stauffer aber auch, dass er es dennoch für möglich halte, dass bald auch Wolfsweibchen in die Nähe von Zürich kommen. In den Kantonen Graubünden und Glarus hätten sich in den vergangenen Jahren nämlich schon mehrere Rudel gebildet, die Wolfsdichte sei dort inzwischen so gross, dass Jungtiere anderswo ein Revier suchen müssen.

Dies bedeutet: Der Wolf könnte künftig auch im Kanton Zürich heimisch werden. Lässt sich ein Weibchen hierzulande nieder und trifft auf der Wanderschaft auf ein Männchen, kann es zur Paarung kommen. Erster Nachwuchs würde entstehen.

Wölfe sind auf Rückzugsgebiete angewiesen

«Der Kanton Zürich ist für junge Weibchen ohne weiteres erreichbar», schätzt Stauffer weiter ein. Geeignete Gebiete seien die Region um den Tössstock und der Albis. Dort gebe es viel Wald und auch Tiere, die der Wolf gern frisst, unter anderem Rehe und Rothirsche. Wildschweine mag der Wolf ebenfalls gern, diese hätten sich in den vergangenen Jahren von den nördlichen Teilen des Kantons immer weiter nach Süden ausgebreitet.

Die Geschäftsführerin des Wildnisparks Zürich, Karin Hindenlang Clerc, teilt die Einschätzung von Stauffer. Sie könne sich vorstellen, dass sich mit der Zeit ein kleines Wolfsrudel auf der Albiskette oder im Tössstockgebiet niederlässt, sagt sie gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Der Wolf brauche einfach ein genügend grosses Rückzugsgebiet, um seine Jungen ungestört aufzuziehen – Gebiete, die der Kanton Zürich haufenweise hat.

(mhe)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 23. April 2022 07:04
aktualisiert: 23. April 2022 07:04
Anzeige