Strafbefehl

Aargauer misshandelt Frau und Kinder – häusliche Gewalt nimmt zu

04.02.2024, 07:16 Uhr
· Online seit 04.02.2024, 07:16 Uhr
Im Bezirk Aarau ist es zu einem Vorfall von häuslicher Gewalt gekommen. Ein Mann schlug seine Frau. Auch die gemeinsamen Kinder waren dabei involviert. Dass es sich um keine Seltenheit handelt, erklärt eine Expertin gegenüber ArgoviaToday.
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Das Gefühl, sich in den eigenen vier Wänden nicht sicher zu fühlen, Angst vor der Person zu haben, mit der man das Leben teilt, ist etwas, was man sich nicht vorstellen mag. Das eigene Heim sollte ein Ort der Geborgenheit sein. Für immer mehr Personen ist dieses Gefühl jedoch fremd. Auch einer Familie aus dem Bezirk Aarau ist das passiert. 

Mit Telefonkabel auf Familienmitglieder eingeschlagen

Laut eines Strafbefehls der Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau ist es Ende Juli 2022 in der Wohnung einer vierköpfigen Familie zu dramatischen Szenen gekommen. Ein 39-jähriger Familienvater schlug mehrere Male auf seine Frau sowie seine zwei Kinder ein. Dabei griff er sogar zu «Haushaltsgegenständen wie beispielsweise Telefonkabeln» und peitschte damit gegen ihren Körper.

Weiter ist zu lesen, dass der Familienvater seine Familienmitglieder an den Haaren riss, die Kopf der Kinder gegen eine Wand schlug und ihnen Ohrfeigen verteilte. Durch seine Tat fügte der 39-Jährige den beiden Kindern sowie seiner Ehefrau starke Verletzungen zu. Sie klagten unter anderem über starke Schmerzen, Hämatome, Hautrötungen und Kratzer. Ebenfalls soll der Mann seine Familienmitglieder an besagtem Tag psychisch misshandelt haben. Die Mutter zeigte ihren Mann nach dem Vorfall an.

Gegen den 39-Jährigen wurde eine rechtliche Verfügung eingeleitet, welche es ihm untersagte, sich seinen Kindern auf 100 Meter zu nähern. Dennoch tat er dies und suchte zu seinen Kindern den persönlichen Kontakt und soll sie auf beide Backen geküsst haben, wie es im Strafbefehl weiter heisst.

Häusliche Gewalt ist keine Seltenheit

«Leider sind solche Vorfälle keine Seltenheit», sagt Susanne Nielen, Leiterin der Opferberatung Aargau, zu ArgoviaToday. So soll in den vergangenen Jahren die Anzahl an Opfern von häuslicher Gewalt stetig zugenommen haben. Grösstenteils handelt es sich dabei um Frauen, welche sich an die Opferberatung wenden. «Meiner Erfahrung nach wird gegenüber Frauen existenzielle und lebensbedrohliche Gewalt ausgeübt», so Nielen. «Männern werden eher psychisch misshandelt.» Aufgrund von Scham wenden sie sich seltener an die Opferhilfe, weshalb eine grosse Dunkelziffer vermutet wird.

Mitten im Geschehen sind die gemeinsamen Kinder. «Sie müssen mitansehen, wie ihre Mutter misshandelt wird oder werden selbst Opfer häuslicher Gewalt», sagt Nielen. «Das Miterleben kann genauso schlimm sein, wie selbst davon betroffen zu sein», geht es laut Nielen aus Untersuchungen hervor. «Es können sich ähnliche Symptome bemerkbar machen. Dazu gehören unter anderem somatische Beschwerden oder Lernstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten.» Bemerkt wird das oft von Lehrpersonen, welche sich mit den Eltern oder mit den jeweiligen Beratungsstellen Kontakt aufnehmen.

Täter besitzen zwei Gesichter

Die Gründe, warum Menschen in einer Beziehung gewalttätig werden, sind oftmals sehr vielfältig. «Häufig kommt es zur häuslichen Gewalt aufgrund von Besitzdenken und Machtgefühlen, patriarchalischem Denken oder einem hohen Stresslevel. Wir haben ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass die Täter oft unter einer Sucht leiden – beispielsweise Alkohol oder Betäubungsmittel», erklärt die Expertin. Für Betroffene ist es meist nicht sofort ersichtlich, dass sie Opfer von häuslicher Gewalt wurden. «Sie wollen glauben, dass es sich um einen einmaligen Vorfall handelte und der Partner sich ändern wird.» Zudem kommt, dass viele Täter laut Nielen meist zwei Gesichter besitzen: «Einerseits ist da der Mann, in den sich die Frau verliebt hat und anderseits der Täter, welcher sie hinter verschlossener Türe misshandelt.»

Bis realisiert wird, dass sich das gewalttätige Verhalten des Mannes nicht bessern oder gar ändern wird, kann es lange dauern. «Ab einem gewissen Zeitpunkt ist es einfach zu viel für die Opfer. Im besten Fall sehen sie ein, dass Sie von häuslicher Gewalt betroffen sind und suchen sich Hilfe.» Nielen ist es wichtig, dass sich die Opfer von häuslicher Gewalt bewusst sind, dass sie immer die Möglichkeit haben, sich bei der Opferhilfe Unterstützung und Beratung zu holen.  

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Im oben geschilderten Fall beläuft sich die Busse des 39-Jährigen auf 2800 Franken. Hinzu kommt eine bedingte Geldstrafe von 9600 Franken sowie Gebühren in der Höhe von rund 1730 Franken.

«Meiner Erfahrungen nach sind solch harte Urteile keine gute Lösung», sagt Nielen. Meist werden laut der Expertin die Kosten über das Familienbudget abbezahlt. «Es wäre sinnvoller, wenn die Täter in ein Programm geschickt werden, in denen ihnen klargemacht wird, wie sie sich stattdessen verhalten sollen», so die Expertin. Laut Nielen gibt es so Programm bereits, jedoch werden sie noch zu wenig genutzt.

veröffentlicht: 4. Februar 2024 07:16
aktualisiert: 4. Februar 2024 07:16
Quelle: ArgoviaToday

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