Ärger wächst

Aargauer Waldbesucher stören sich an Abfall und Vandalismus

21. März 2022, 14:02 Uhr
Praktisch die gesamte Bevölkerung sucht regelmässig die Schweizer Wälder auf: Die meisten fühlen sich danach entspannter als zuvor – doch ärgern sie sich immer häufiger über Abfall, Vandalismus, Party feiernde Personen und Biker.

Im Jahr 2010 fühlten sich noch 74 Prozent der Bevölkerung im Wald gar nicht gestört, 2020 sank der Anteil der Ungestörten auf 53,5 Prozent. Dies ist dem dritten «Waldmonitoring soziakulturell» zu entnehmen, das das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Montag vorstellte.

Der Wald bleibt beliebt

Allerdings dürfte dieser Ärger nur bei einigen wenigen Waldbesuchen auftreten und nicht stets präsent sein: Denn grundsätzlich bleibt der Wald einer der beliebtesten Orte für Freizeitaktivitäten. 95 Prozent der Bevölkerung geht in den Wald, meist regelmässig.

«Das Naturerlebnis, die frische Luft und die Distanz zum Alltag sind wichtige Motive für einen Waldaufenthalt», hält das Bafu in einer Mitteilung fest. Der überwiegende Teil der Befragten (87 Prozent) fühle sich nach einem Waldbesuch entspannter als zuvor.

Die Bevölkerung liebt den Wald gemäss des Berichts aber nicht nur als Erholungsraum. Sie will ihn auch als Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschützt sehen, schätzt, dass er vor Naturgefahren schützt, und befürwortet auch die Holznutzung.

Die integrale Waldpolitik des Bundes berücksichtige diese verschiedenen Aspekte, indem sie Schutz und Nutzung vereine, wird Bafu-Direktorin Katrin Schneeberger in der Mitteilung zitiert.

Sorgen wegen Klimawandel

Gemäss Befragung ist in den vergangenen zehn Jahren die Sorge um den Wald gestiegen. Dies führt das Waldmonitoring unter anderem auf die sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels zurück. Trockenheit oder Stürme hatten verschiedentlich im Wald ihre Spuren hinterlassen.

Das Waldmonitoring ist eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bafu. Es untersucht die Einstellung der Bevölkerung, ihr Verhalten und ihr Wissen bezüglich Waldthemen. Frühere Umfragen wurden 1997 und 2010 durchgeführt, 2020 wurde sie wiederholt.

Die eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft wertete die im Frühling 2020 vom Forschungsinstitut Link bei gut 3000 Personen in der ganzen Schweiz erhobenen Daten aus. Der aktuelle Bericht wurde am Montag, am internationalen Tag des Waldes, in einem Wald bei Villars-sur-Glâne (FR) vorgestellt.

Der Aargauer Wald ist unverändert beliebt...

1016 Aargauerinnen und Aargauer äusserten sich in der Umfrage im Auftrag vom kantonalen Departement für Bau, Verkehr und Umwelt sowie dem Bundesamt für Umwelt. Die Aargauer Bevölkerung ist demnach unverändert positiv gegenüber dem Wald eingestellt und will ihn in seiner Vielfalt und Ausdehnung erhalten, auch wenn eine Abnahme der Artenvielfalt festgestellt wird. Aargauerinnen und Aargauer sind schnell in ihren Wäldern: In den meisten Fällen braucht man nicht länger als wenige Minuten zu Fuss oder auf dem Velo.

...doch auf Störenfriede kann man verzichten

Diese Nähe zu den erholungsversprechenden Wäldern des Aargaus lockt aber auch vermehrt Störenfriede an. Gut 40 Prozent der Befragten fühlen sich durch andere Waldbesucher gestört – das sind fast doppelt so viele als noch im Jahre 2010. Am meisten stört dabei der zunehmende Abfall und Vandalismus. Doch auch E-Bikes und E-Mountainbikes werden von den Aargauer Waldbesuchenden angekreidet. Einige stören sich auch an Gassi-Gängen mit Hunden oder an Reitern. Insgesamt fühlt sich eine Grossmehrheit der Teilnehmenden nach dem Besuch im Wald aber erholt und ist zufrieden mit den Aargauer Wäldern.

(sda / red.)

Quelle: sda / ArgoviaToday
veröffentlicht: 21. März 2022 10:36
aktualisiert: 21. März 2022 14:02
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