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Leichteres Spiel für Täter

Coronakrise treibt Jugendliche in die Arme von Loverboys

Ursina Mühlethaler, 2. September 2021, 08:49 Uhr
Die Masche der sogenannten «Loverboys» wird in der Schweiz immer häufiger. Mittlerweile sind davon auch viele Minderjährige betroffen. Der Grosse Rat hat eine Motion für mehr Prävention an den Aargauer Schulen allerdings abgelehnt.
Die Loverboy-Masche kommt in der Schweiz immer häufiger vor.
© Getty Images

Anfangs Woche wurde im Grossen Rat des Kantons Aargau die Thematik der Loverboys behandelt. Eine Gruppe von Politikerinnen und Politikern hatte eine Motion eingereicht, die forderte, dass an Aargauer Schulen mehr Präventionsarbeit zum Thema Loverboy-Masche geleistet wird. Der Grosse Rat sah dies allerdings nicht als dringlich genug an und lehnte die Motion ab.

Dies schmälert die Problematik allerdings keinesfalls. Loverboys sind nämlich sehr wohl ein aktuelles Problem. Die Masche wird immer öfters auch in der Schweiz angewendet, oftmals werden auch minderjährige Schülerinnen und Schüler Opfer davon. Laut Irene Hirzel, Geschäftsführerin des Vereins «ACT212», der als nationale Meldestelle gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung fungiert, gab es in den letzten Jahren 53 gemeldete Fälle, die in die Loverboy-Kategorie fallen. Einige davon passierten im Kanton Aargau, die meisten in den Kantonen Zürich und Bern. Die Dunkelziffer ist hoch.

Oftmals sind die Opfer noch minderjährig, das bisher jüngste Opfer war gerade mal 13 Jahre alt. In die Falle tappen die Jugendlichen grösstenteils im Netz, erklärt Hirzel: «Die meisten Jugendlichen werden über Online-Plattformen angeworben. Aber auch über Social Media versuchen die Täter, Kontakt aufzunehmen.» Teilweise würden die Jugendlichen sogar direkt angesprochen, beispielsweise vor einer McDonald's-Filiale.

Die Coronakrise verstärkte die Problematik noch zusätzlich: «Viele Jugendliche waren vermehrt online unterwegs, da sie sich nicht mehr treffen konnten. So hatten die Täter öfter die Möglichkeit, mit ihnen in Kontakt zu treten. Je nachdem liessen sich die Jugendlichen dann, vermutlich auch aus Langeweile, eher auf die Masche der Loverboys ein.»

So sieht der Flyer des Vereins «ACT212» aus.
© Verein ACT212

Um mögliche Betroffene vor dieser Masche zu schützen, brauche es vor allem Aufklärung, so Hirzel. Für diesen Zweck hat «ACT212» einen Flyer geschaffen, der über die Loverboy-Masche informieren und davor warnen soll. Der Verein «ACT212» versucht zudem, mit Schulungen beispielsweise für Opferberatungsstellen und Anlaufstellen wie die Pro Juventute für dieses Thema zu sensibilisieren.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 3. September 2021 07:29
aktualisiert: 2. September 2021 08:49