Wildegg

Dachstock in Brand geraten – 35-Jähriger handelte fahrlässig

8. Oktober 2022, 19:25 Uhr
Beim Brand eines Dachstocks in Wildegg letztes Jahr entstand ein Sachschaden von über 350 000 Franken. Ein 35-Jähriger wurde nun verurteilt.

Quelle: Tele M1

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Im Zusammenhang mit einem brennenden Dachstock in Wildegg Ende November 2021 wurde ein 35-jähriger Mann aus der Region Aarau verurteilt. Das Gebäude und die darin befindlichen Wohnungen wurden durch den Brand und die Löscharbeiten der Feuerwehr stark in Mitleidenschaft gezogen, wie der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Aargau zeigt. Es entstand ein Sachschaden von rund 348'000 Franken, den die Aargauische Gebäudeversicherung bezahlen musste. Zudem kam bei einem Auto ein Schaden von 15'000 Franken zustande, weil Ziegel auf das Fahrzeug fielen.

Pflichtgemässe Kontrolle hätte Schlimmeres verhindern können

Zum Zeitpunkt des Brandes wurden im Dachstock Sanierungsarbeiten durch den Beschuldigten durchgeführt. Er habe sich nach den Arbeiten mit einem Gasbrenner nicht versichert, dass keine Glimmbrände entstanden sind. Das verletze die Sorgfaltspflicht. Der 35-Jährige soll gemäss Staatsanwaltschaft Aargau gewusst haben, dass solche Brände nach Schweissarbeiten möglich sind. Die Entwicklung des Feuers hätte somit durch eine pflichtgemässe Kontrolle nach Abschluss der Arbeiten und dem Bereitstellen eines Löschgeräts verhindert werden können.

Bei Nichtbezahlen muss der Beschuldigte für 13 Tage ins Gefängnis

Der Beschuldigte wurde zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 90 Franken, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse von 1100 Franken verurteilt. Dazu kommen die Kosten des Strafbefehls. Wenn er die Geldstrafe von insgesamt 2100 Franken nicht bezahlt, muss der Mann eine Freiheitsstrafe von 13 Tagen antreten.

Lebenswerk wurde zerstört

Beim Brand  wurde nebst den Wohnungen auch der Coiffeursalon von Mario Birrer zerstört. Gegenüber Tele M1 schildert er, was in dieser Nacht in ihm vorging: «Eine ganz komische Leere. Läuft jetzt ein Film ab? Träumt man oder ist man wach? Es ist völlig surreal.» Birrer hätte sich vom Verurteilten vor allem eine Entschuldigung gewünscht: «Ein Brief oder ein E-Mail schreiben kann ja jeder. Einfach sagen: Es tut mir leid.» Doch es kam nie etwas. 

Unterstützung bekam er dann aber von seinem Nachbarn, der eine Autogarage besitzt. Dort, im ehemaligen Sitzungszimmer, frisiert er seither seine Kunden. Und vor allem für die männliche Kundschaft hat das durchaus Vorteile, verrät Mario Birrer: «Man kann die Pneu wechseln und macht vorher noch einen Coiffeurtermin aus. Dann hat man beides: Drüben wird das Auto schön gemacht und hier der Mann.» Wann sein alter Coiffeursalon fertig renoviert ist, ist aktuell noch unklar – bis dahin frisiert er seine Kunden in der Autogarage.

(crb)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 8. Oktober 2022 19:25
aktualisiert: 8. Oktober 2022 19:25