Folgen des Unwetters

Dauerregen: Die Bäume freuts, die Tierwelt leidet

Janina Schenker, 15. Juli 2021, 07:42 Uhr
Überschwemmte Brutplätze, hilflose Jungvögel und tote Rehkitze sind nur einige Folgen der starken Niederschläge der letzten Wochen. Gleichzeitig können die Bäume kaum genug Wasser kriegen. Eine Übersicht zu den Auswirkungen auf Flora und Fauna.
Schwalben sind vom Unwetter besonders betroffen (Archivbild).
© Getty Images / Arthur Morris

Das Unwetter hat nicht nur massive Folgen für die Menschen, sondern auch für die Natur und Tierwelt. Während diverse Tierarten leiden, können sich die Bäume nach mehreren Jahren erstmals wieder richtig regenerieren.

Alle Bäume profitieren vom Niederschlag

«Die Bäume waren froh, nach drei Jahren Durst endlich wieder mal genug Wasser gekriegt zu haben», sagt Peter Muntwyler, Revierförster und Betriebsleiter des Forstreviers Heitersberg. Nun sei der Durst zwar gestillt. Den Bäumen selber mache noch mehr Regen aber nicht viel aus.

Die Bäume auf dem Heitersberg in Spreitenbach können dank dem Regen wachsen und gedeihen.
© Keystone

Eine längerfristige Staunässe sei jedoch ein Problem für den Boden und damit auch für das Wurzelwerk. «Wenn Wurzeln länger im Wasser stehen, können diese faulen oder instabil werden», so Muntwyler. Sobald dann etwas Wind aufkomme, würden die Bäume aufgrund der grossen Last umfallen. Zudem könnte es an Hanglagen zu Erdrutschen kommen, da der Boden so schwer sei.

Bis jetzt überwiegen jedoch die Vorteile für die Bäume. So könne sich etwa die Rottanne endlich gegen den Borkenkäfer wehren. «Aber auch alle anderen Bäume waren geschwächt. Endlich können sie das Blattwerk treiben lassen und, wenn die Sonne wieder scheint, genug Rohstoffe, also Zucker, für den Baum produzieren.»

Rehkitze vermutlich gestorben 

Laut Thomas Laube hat das Unwetter auch Auswirkungen auf junge Rehkitze. In den letzten Wochen habe der Vizepräsident von Jagd Aargau auffällig wenig Jungtiere gesehen. «Die Vermutung liegt nahe, dass die Rehkitze der langen Feuchtigkeit zum Opfer gefallen sind.» Da sich die Tiere die Nässe nicht gewohnt seien, hätten sie wohl eine Lungenentzündung erlitten. Was die konkreten Folgen für weitere Tierarten seien, könne Jagd Aargau erst in einigen Monaten beurteilen.

Rehkitze kommen meist im Mai und Juni zur Welt und können in einer trockenen und warmen Phase aufwachsen. Mit den Unwettern ist dieses Jahr aber alles anders.
© Keystone

Überlebenskampf für Jungvögel 

«Wenn Jungvögel durchnässt sind und zu kalt haben, sterben sie», sagt Chiara Baschung von «BirdLife» Aargau.  Das Hauptproblem sei jedoch das eingeschränkte Nahrungsangebot, da keine Insekten unterwegs seien. Dadurch könnten Jungvögel nicht ausreichend ernährt werden. Laut der stellvertretenden Geschäftsführerin von «BirdLife» sind Segler und Schwalben besonders betroffen.

Auch in den sozialen Medien kursieren Bilder von verstorbenen Vögeln, wie hier auf Twitter:

Wer einen verletzten oder geschwächten Vogel findet, soll sich an eine Vogel-Pflegestation wenden. Bei Wildtieren kann der Jagdaufseher oder der Polizeinotruf 117 kontaktiert werden.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 15. Juli 2021 07:42
aktualisiert: 15. Juli 2021 07:42
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