Birmenstorf

Dorfknatsch um Kiesgrube – gegen neues Abbaugebiet regt sich Widerstand

Adrian Frey, 17. Oktober 2022, 07:13 Uhr
Mitten im Bauboom benötigen drei grosse Firmen in Birmenstorf ein neues Kiesabbaugebiet. Eigentlich wäre ein neuer Platz schon gefunden. Doch dagegen wehrt sich die Interessengemeinschaft «Neue Kiesgrube Nein».
In dieser Region soll das die neue Kiesgrube Grosszelg entstehen.
© RMK Kies Birmenstorf
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Kies spaltet Birmenstorf. So zumindest, wenn es um das Thema Kiesabbaugebiet geht. Denn das jetzige Abbaugebiet Niderhard in Birmenstorf ist in wenigen Jahren abgeschlossen. Das nächstliegende Gebiet ist Grosszelg – und genau das stört die Interessensgemeinschaft «Neue Kiesgrube Nein»: «Für uns ist ganz klar, dass es in Birmenstorf eine Pause braucht mit diesem Kiesabbau und der Belastung mit dem Schwerverkehr», sagt Patrick Zehnder, Mitglied Interessengemeinschaft «Neue Kiesgrube Nein».

Drei Firmen haben sich zusammengeschlossen

Anders sehen das die drei Firmen von Merz Baustoff AG aus Gebenstorf, die Richi AG aus Weiningen (ZH) und die Knecht Bau AG aus Brugg, die sich unter dem Namen RMK Kies zusammengeschlossen haben. «Wenn die Rohstoffe zur Neige gehen, braucht es eine neue Kiesgrube», sagt Thomas Merz, der die RMK Kies vertritt. Diese neue Kiesgrube soll laut Patrick Zehnder aber nicht mehr in Birmenstorf sein. «Sie beschert uns in den nächsten 20 Jahren jährlich bis zu 54'000 Lastwagenfahrten durch unser Dorf.»

Weil sich das Abbaugebiet «Niederhard» langsam dem Ende zuneigt, soll im Gebiet «Grosszelg» ein neues Kiesabbaugebiet entstehen.

© RMK Kies

Gebiet soll optimal erschlossen sein

Laut Merz wurden auch andere Standorte ausserhalb des Dorfes geprüft, aber aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt. Die grosse Diskussion der Interessengemeinschaft über das neue Abbaugebiet kann Merz nicht verstehen. «Das Gebiet ist verkehrstechnisch sehr gut gelegen. Es ist ausserhalb vom Dorf. Es hat keine direkte Angrenzung ans Siedlungsgebiet. Dazu ist die öffentliche Strasse sehr gut erschlossen», so Merz. Zudem werde das Gebiet nach Abbau in 20 bis 25 Jahren wieder der Landwirtschaft zugeteilt.

Interessengemeinschaft argumentiert mit verschlechterter Lebensqualität

«Die Lebensqualität schwindet in Birmenstorf. Wir haben bereits jetzt übermässigen Verkehr», hält Patrick Zehnder dagegen. Die Interessengemeinschaft verstehe nicht, warum die Anwohner nach 70 Jahren Abbau weiterhin die Last tragen müsse. Denn zusätzlich würden auch Kosten entstehen. «Dazu kommt, dass die Strassen kaputtgehen. Die Strassen zahlt der Steuerzahler und nicht das Konsortium mit drei Firmen.»

Es bleibt spannend in der Gemeinde Birmenstorf. Am Dienstag, 18. Oktober 2022, findet in der Turnhalle in Birmenstorf ein Infoanlass statt, bei der die Gemeinde und die verschiedenen Parteien Auskünfte geben. Spätestens am 16. November können die Stimmberechtigten abstimmen, ob in Grosszelg ein neues Kiesabbaugebiet entstehen soll.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 17. Oktober 2022 07:13
aktualisiert: 17. Oktober 2022 07:13