Aargau/Solothurn

«Drei Tonnen Erdbeeren könnten verfaulen»: Bauer bleibt auf Erdbeeren sitzen

Zu viele Früchte

«Drei Tonnen Erdbeeren könnten verfaulen»: Bauer bleibt auf Erdbeeren sitzen

15.06.2023, 13:31 Uhr
· Online seit 12.06.2023, 06:38 Uhr
Die Schweiz schwimmt dieses Jahr in Erdbeeren. Ein Teil der Ernte dürfte auf den Feldern verfaulen. Ein Bauer aus Lupfig wirft den Grossverteilern vor, nicht mehr Ware kaufen zu wollen. Diese wehren sich vehement.
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Die Erdbeerproduzenten stehen vor einer höchst aussergewöhnlichen und herausfordernden Lage. Andreas Suter aus Lupfig produziert Erdbeeren in Birmensdorf und sagt: «Bevor die Saison zu Ende geht, könnten drei Tonnen Erdbeeren auf meinen Feldern verfaulen.» Willi Staubli, Präsident der Vereinigung Aargauischer Beerenpflanzer und Landwirt aus Muri, bestätigt: «Es ist eine sehr, sehr schwierige Situation. Ein Super-GAU.»

Der Mai war kühl und vor allem nass. Dann kam mit dem Juni die Sommersonne und mit ihr wuchsen die Beeren umso schneller. Das Resultat ist eine riesige Überproduktion von Schweizer Erdbeeren, die von den Abnehmern – allen voran den Grossverteilern Coop und Migros – kaum aufgefangen werden kann.

«Verkaufe im Vergleich nur etwa die Hälfte der Erdbeeren»

Erdbeerbauer Suter bleibt auf erheblichen Mengen sitzen. Das hat seiner Meinung nach nicht nur mit seinem aussergewöhnlich grossen Ertrag zu tun, er gibt auch den Grossverteilern die Schuld. Coop und Migros wollen seines Erachtens zu wenig mit den Bauern zusammenarbeiten.

Beerenpflanzer-Präsident Staubli teilt diesen Frust teilweise. «Es ist klar, dass die französischen Aprikosen auf den Markt drücken.» Migros und Coop seien wenig flexibel, weil sie ihre Aktionen teils Monate im Voraus planen würden. Für ihn ist jedoch klar, dass es das «Wetter ist, das uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hat», und er wolle nicht den Grossverteilern die Schuld zuschieben. Denn: Sie machen schon Anstrengungen, um die Erdbeeren zu verkaufen.»

Coop und Migros wehren sich gegen die Vorwürfe des Erdbeerbauers. Migros-Aare-Sprecherin Andrea Bauer bestätigt, dass der orange Riese durch Verbilligungen versucht, die Erdbeeren loszuwerden: «In der Migros Aare gab es bereits letzte und auch diese Woche Erdbeer-Aktionen.» Sie betont, dass einheimische Früchte und Gemüse bei der Migros Aare immer Priorität hätten: «Sobald diese in genügender Menge erhältlich sind, wird auf Import-Ware verzichtet.» Auch Coop setze auf Kommunikation und Aktionen, um den Verkauf der Erdbeeren anzukurbeln, sagt Pressesprecher Kaspar Frey.

Ab aufs Feld! 

Suter appelliert an die Kundschaft, direkt beim Produzenten vorbeizukommen. In Lupfig hat er Selbstpflückefelder und einen Hofladen, die in den nächsten Tagen voll mit reifen Erdbeeren sein werden.

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(Jocelyn Daloz, Aargauer Zeitung/rag)

veröffentlicht: 12. Juni 2023 06:38
aktualisiert: 15. Juni 2023 13:31
Quelle: ArgoviaToday

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