Freiämter Regisseurin

Studium abgebrochen: Hannah (23) produziert jetzt erfolgreich Filme

Cyrill Felder, 2. Dezember 2022, 07:56 Uhr
Vergangenes Wochenende hat Hannah Dobbertin ihren neusten Kurzfilm «Sandschlösser» im Kino Mansarde in Muri präsentiert. Die 23-Jährige begeisterte mit ihrem Film über die Coronajugend die Besuchenden des Freiämter Kinos. Die Jungregisseurin feiert Erfolge, auch ohne ein abgeschlossenes Studium.
Hannah Dobbertin beim Dreh einer ihrer Kurzfilme.
© zVg
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Als Hannah Dobbertin ihre Matur an der Kantonsschule Wohlen startete, war sie noch unschlüssig, in welche Richtung ihre Karriere gehen sollte. Schriftstellerin, Künstlerin oder gar ins Theater? Der Kreativkopf würde eigentlich gerne all diese Komponenten vereinen und versucht sich deshalb im Genre Film. «Heute könnte ich mir auch nichts mehr anderes vorstellen», erzählt die Regisseurin sieben Jahre später. Mit einem Notizbuch voller Ideen hat sie grosse Visionen.

Vom Freiamt nach New York

Die ersten Filme hat die Regisseurin noch eigenhändig mit der privaten Kamera gefilmt. Inzwischen reist sie für einen Kurzfilm wie «Sandschlösser» mit einem Lastwagen voller Equipment umher. Begleitet wird sie dabei von ihrer Crew, die sie bei Kamera, Licht, Make-up und Ton unterstützt. Ausgestattet wird die Belegschaft mit professionellem Equipment, welches extern gemietet wird.

Es gibt noch nicht viele Filme, die Corona als Thema haben. Hannah Dobbertin war es wichtig, das Thema früh aufzugreifen. 

© Sandschlösser/Hannah Dobbertin

Ihre Kurzfilme haben bereits mehrfach Preise im In- und Ausland abgeräumt. Eine erfolgreiche Teilnahme bei «Schweizer Jugend Forscht» ermöglichte ihr eine Filmvorstellung an der Genius-Olympiade in New York. Mit ihrem Film «Seiten des Lebens» gewann sie am Wettbewerb im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten» den zweiten Platz.

Erfolg geht auch ohne Studium 

Nach erfolgreichem Kanti-Abschluss startete Hannah ein Filmwissenschafts-Studium an der Uni Zürich. Dort verbrachte sie allerdings nicht viel Zeit, wie sie erzählt: «Der Unterricht an der Uni war mir viel zu theoretisch. Deshalb entschied ich mich nach einem Jahr, das Studium abzubrechen und ein Praktikum bei einer Filmproduktionsfirma zu starten.» Dies erwies sich als die richtige Entscheidung. Heute arbeitet sie als Freelancerin bei «Shining Film» in Zürich, wo sie als Regisseurin im Regieraster aufgelistet wird.

Auf diese Weise werden ihr Aufträge für namhafte Firmen angeboten. Hannah führte bereits Regie bei Werbefilmen für Postfinance und Ricardo. Auch das Musikvideo für die Schweizer Band Hecht zum Song «Sommervögel» durfte die junge Regisseurin realisieren. «Während dem Praktikum konnte ich mir ein grosses Netzwerk aufbauen, was in dieser Branche sehr wichtig ist», kann sie heute rückblickend sagen.

Ein künftiges Studium schliesst Hannah trotzdem nicht aus: «Die Filmschulen, welche ich toll fände, sind begehrt und nehmen nur Personen, die schon etwas älter sind und viel Erfahrung mitbringen. Das Praxiswissen sammle ich nun in verschiedenen Formaten.»

Schauplatz Aargau 

Inspirationen für ihre Filme entnimmt Hannah aus ihrem Alltag. Dies können politische Ereignisse oder spannende Erlebnisse aus ihrem Umfeld sein. Die gebürtige Aargauerin dreht ihre Filme gerne im Heimatkanton: «Im Aargau ist es oft einfacher zu drehen als in Zürich. Hier freuen sich die Meisten, wenn wir für Dreharbeiten anfragen, und finden die Produktion spannend. Ich habe hier auch viel mehr Kontakte, auf die ich mich verlassen kann. Im ländlichen Gebiet lässt sich, falls nötig, auch einfacher mal eine Strasse absperren als in der Stadt.»

Ein grosses Ziel von Hannah ist es, eine mehrteilige Serie zu drehen. Serien, in welchen Schweizerdeutsch gesprochen wird, seien eine interessante Nische. Eine Kooperation mit Netflix steht aber bisher noch in den Sternen.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 3. Dezember 2022 11:01
aktualisiert: 3. Dezember 2022 11:01