Kritik

«In die Falle gelockt» – Blitzer am Grenzübergang Rheinfelden nervt Autofahrende

· Online seit 30.01.2024, 16:03 Uhr
Bei der Autobahnbaustelle kurz nach dem Grenzübergang Rheinfelden erwischte ein Blitzer innerhalb von viereinhalb Stunden 655 Autos. Der abrupte Wechsel des Tempolimits sorgt dabei für besonders viel Kritik. Die Behörden widersprechen.
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Kurz nach dem Autobahntunnel Nollinger Berg auf der A861, welche die Schweiz mit der Autobahn A98 verbindet, sorgte ein Blitzer kürzlich für Unmut. Weil die Videotechnik im Tunnel erneuert werden muss, wird das Tempo auf 60 Stundenkilometer auf beiden Fahrbahnen gedrosselt. Am 22. Januar stellte die Verkehrspolizei vor dem Tunnel einen Blitzer auf, der zwischen 9.30 und 14 Uhr mehr als 1750 Fahrzeuge gemessen hatte. Dabei stellte die Polizei 655 Geschwindigkeitsverstösse fest, so ihre Bilanz. Der höchste gemessene Wert betrug abzüglich der Toleranz 131 Stundenkilometer.

Der Blitzer stand an der Fahrspur, die von der A98 in Richtung Grenzübergang Rheinfelden führt. Bei der Ausfahrt in Richtung Rheinfelden hat an diesem Tag Tempo 60 gegolten, etwa 200 Meter weiter dann Tempo 80 und erneut 200 Meter weiter wieder 60 km/h. Kurz danach stand dann der Blitzer, wie ein Lenker meldet, der an dem Tag auf dem Abschnitt unterwegs war, gegenüber der «Badischen Zeitung» und sagt: «Die Autofahrenden wurden also in eine Falle gelockt».

Autofahrer wittert Betrug 

Der Abstand zwischen der letzten Geschwindigkeitsanzeige und dem Blitzer seien zu gering gewesen, behauptet der Fahrer. Diesem Vorwurf widersprechen allerdings die Behörden. Der angebliche Wechsel von 60 auf 80 und dann wieder 60 ist im digital geschalteten Verkehrsprogramm nicht enthalten. Das heisst, auf der Strecke gilt derzeit durchgehend Tempo 60. Es sei auch von der Autobahn GmbH nicht manuell geschaltet worden, schreibt eine Sprecherin. Aufgrund der Baustelle sei aber die Geschwindigkeit reduziert worden – zunächst auf 80, anschliessend auf 60 Stundenkilometer, heisst es weiter.

Die Temporeduktion auf beiden Fahrspuren gibt zu reden. Ein Leserreporter beschreibt, dass man zuerst «gefühlt stundenlang» vor dem Grenzübergang Rheinfelden stehen muss, weil jedes Fahrzeug bei der Einreise nach Deutschland genau kontrolliert werde und wenn man «endlich Gas geben kann, muss man wegen der Baustelle wieder auf 60 runter.» Das sei äusserst mühsam.

Bauarbeiten dauern noch an

In vielen deutschen Bundesländern gilt zwischen Verkehrsschildern und Radarfallen ein Mindestabstand zwischen 150 und 200 Metern. Das schreibt der ADAC (Allgemeine Deutsche Automobil-Club). In Baden-Württemberg jedoch gibt es keine Vorgaben zum Abstand. Da vor allem bei der Baustelle der Sicherheitsaspekt im Vordergrund stehe, seien die Messungen durchgeführt worden. «Schliesslich bewegen sich auch Arbeiter auf der Fahrbahn», erklärt Polizeisprecher Thomas Batzel auf Anfrage der Zeitung. Daher seien auch weitere Messungen durchaus denkbar.

Gemäss der Autobahn GmbH sollen die Arbeiten in Fahrtrichtung Süden noch bis zum 10. Februar andauern. In Fahrtrichtung Norden soll die Sperrung noch bis am 3. Februar dauern.

Die Einnahmen fliessen laut einer Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe in den Landeshaushalt. Das wären alleine schon 13'100 Euro, wenn man davon ausgeht, dass alle Fahrer maximal zehn Stundenkilometer zu schnell waren.

veröffentlicht: 30. Januar 2024 16:03
aktualisiert: 30. Januar 2024 16:03
Quelle: ArgoviaToday

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