Aargau

«Für Vereine nicht nachhaltig»: Das Problem des Fischereibooms

Manuel Fasol, 24. Juni 2022, 17:30 Uhr
Fischen ist beliebt: Seit Corona wollen immer mehr Aargauerinnen und Aargauer ein Fischerbrevet. Dennoch hält sich die Freude beim Präsidenten des kantonalen Fischereiverbands in Grenzen.
Fischereiboom im Aargau: Immer mehr junge Leute greifen zur Rute.
© istock

Immer mehr Menschen im Kanton Aargau greifen zur Rute. Seit Pandemiebeginn hält der Boom nun schon an, bestätigt Kurt Braun, Präsident des Kantonalen Fischereiverbands. «Man sieht das zum Beispiel bei den verschiedenen Vereinen, die wieder mehr Fischerkarten verkaufen.» Die Karten dienen als Bewilligung zum Fischen in den verschiedenen Aargauer Gewässern, die in der Regel von Fischereivereinen gepachtet sind. Beantragen muss man diese Karten jährlich.

Ebenfalls von den Vereinen, im Auftrag des Kantons, wird der Kurs zum Erwerb für den sogenannten Sachkundenachweis durchgeführt, wo angehende Fischerinnen und Fischer ihr Brevet erwerben. Und auch hier merkt man den Boom: «Bei diesen Kursen haben wir hohe Teilnehmerzahlen», sagt Braun. Es seien mehrheitlich junge Leute, die neu ein Brevet lösen wollen, aber es habe auch einige ältere Semester. «Im Grossen und Ganzen eine gute Mischung.»

«Vereine profitieren nicht nachhaltig»

Fischen ist also wieder in, die Fischerei im Aargau boomt. Das alles müsste Verbandspräsident Braun eigentlich in einen Freudentaumel versetzen – doch ist er nicht nur begeistert. «Ich bin geteilter Meinung. Ich hätte die Fischer eigentlich gerne im Verein.» Es gehe darum, Erfahrungen zu sammeln, von älteren Fischern zu lernen und sich ehrenamtlich zu beteiligen.

Doch genau dies geschehe nicht. Kaum jemand wolle einem Fischereiverein beitreten. «Es ist das gleiche, was ich zum Beispiel auch von Turnvereinen höre. Kaum jemand will sich noch längerfristig engagieren oder verpflichten. Vereine haben halt nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher.»

Bleibt Erfolg aus, wird keine Karte mehr gelöst

Dazu kommt, dass viele der Fischerei nach nur kurzer Zeit wieder den Rücken kehren. Braun sagt: «Viele lösen einmal eine Karte und wenn sie keinen schnellen Erfolg haben, sind sie im nächsten Jahr keine Fischer mehr und kaufen somit auch keine Fischerkarte.»

Und so profitiere kaum jemand vom Fischereiboom, findet Braun. Weder die Vereine noch die Verbände hätten einen Mitgliederzuwachs und die Fischerinnen und Fischer selber hängen die Rute schnell wieder an den Nagel. «Es bleibt kaum jemand hängen, der dann wirklich zum Fischer wird.» Denn erst in einem Verein werde man zum erfahrenen Fischer. Wenn man sich grundsätzlich Gedanken mache, was in einem Gewässer alles passiere – oder eben nicht mehr gut funktioniere.

Wenig Erfolg beim Anwerben

Dieser negativen Entwicklung versucht der Aargauische Fischereiverband natürlich entgegenzuwirken, sagt Braun. «Wir sprechen alle schon beim Kurs zum Sachkundenachweis auf die Vereine an und legen ihnen nahe, einem beizutreten. Wir wollen interessierte Leute, die sich nachhaltig für die Fischerei interessieren und nicht einfach schnell schnell einen Fisch fangen wollen.» Die Resonanz sei meist eher ernüchternd, sagt Braun.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 27. Juni 2022 05:54
aktualisiert: 27. Juni 2022 05:54
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