Notrufzentrale Aargau

Kann die neue Notfall-Software wirklich Leben retten?

Noëmi Laux, 12. August 2021, 07:46 Uhr
Vor einem Jahr hat der Kanton Aargau die Notruf-Software EmergencyEye in Betrieb genommen. Diese soll Polizei, Feuerwehr und Sanität entlasten und eine gezielte Hilfeleistung ermöglichen. Wie ist die erste Bilanz? Bringt die Software, was sie verspricht?
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Quelle: EmergencyEye Nextcloud

«Durch den Einsatz der neuen innovativen Notruf-Software EmergencyEye konnten im Aargau schon Menschenleben gerettet werden.» Mit diesen Worten startet der jüngste Eintrag im Blog des Kantonsspitals Aarau KSA. Schweizweit war der Aargau Vorreiter, mittlerweile nutzen auch andere Kantone die Software.

Wir wollen wissen: Wie effizient ist die Software wirklich und was hat sich am Berufsalltag in der Notrufzentrale seit ihrer Einführung verändert?

Wie funktioniert die EmergencyEye Software?

Wählt im Kanton Aargau jemand den Notruf, wird er mit der kantonalen Notrufzentrale verbunden. In kurzer Zeit muss der Anrufende eine möglichst präzise Einschätzung der Lage vor Ort geben. Da sich die Betroffenen in der Regel in einer Ausnahmesituation befinden, fällt es den Disponenten der Notrufzentrale oft schwer, allein durch die Beschreibung des Anrufenden die Schwere des Notfalls einzuschätzen. Und genau hier setzt die EmergencyEye-Software ein: Wird diese verwendet, können sich Polizei, Feuerwehr und Sanität über die Handy-Kamera ein direktes Bild vom Unfallort machen; zudem kann der genaue Standort des Anrufs ermittelt werden. Sollte ein Notruf von einer Person erfolgen, die kein Deutsch versteht, wird zudem ein Chat mit sofortiger Übersetzung in mehr als zwölf Sprachen gestartet.

Was hat sich seit Einführung der Software in der Notrufzentrale verändert?

«Dank der Software können wir die Lage vor Ort schon während die Rettungskräfte ausrücken viel besser einschätzen und dementsprechend gezielt handeln», fasst Marcel Klauenbösch, Leiter der Sanitätsnotrufzentrale Aargau, die Vorteile auf Anfrage von ArgoviaToday zusammen. Dadurch sei man einerseits schneller vor Ort und Ressourcen könnten gezielter eingesetzt werden.

In welchen Fällen konnte die Software bereits Leben retten?

«Die Software allein kann natürlich keine Leben retten», sagt Klauenbösch. Man sei aber viel effizienter und könne schneller die geeigneten, ersten Massnahmen einleiten. «Und manchmal sind es genau diese wenigen Minuten, die über Leben und Tod entscheiden.» Eine genaue Zahl, wie viele Menschenleben durch die Software gerettet werden konnten, kann er nicht machen. Aber: «Beispielsweise bei Badeunfällen in Flüssen hilft uns die Software enorm, weil wir sofort und jederzeit genau wissen, wo sich die Person in Not befindet.»

Was muss ich tun, um die Software in einem Notfall nutzen zu können?

Alles, was du brauchst, um diese Software zu nutzen, ist ein Smartphone. Nachdem die Verbindung mit der Zentrale hergestellt wurde, bekommst du eine SMS mit einem Link, den du bestätigst, damit die Rettungskräfte die Kamera- oder Chat-Funktion starten können.

Wie die Software sowie die Abläufe bei der Aargauer Notrufzentrale genau funktionieren, siehst du oben im Video.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 12. August 2021 06:34
aktualisiert: 12. August 2021 07:46
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