Coronavirus

KSA-Chefinfektiologe: «Mehrwert des Omikron-Impfstoffes scheint relativ gering»

23. Juni 2022, 07:17 Uhr
Christoph Fux, Chefarzt Infektiologie am Kantonsspital Aarau KSA, ist seit über zwei Jahren in der Pandemiebekämpfung involviert. Im Interview mit der «Aargauer Zeitung» schätzt er die momentane Corona-Situation mit der Omikron-Variante BA.5 ein.
KSA-Chefinfektiologe Christoph Fux sieht den steigenden Corona-Fallzahlen derzeit noch gelassen entgegen.
© Britta Gut

Obwohl die Corona-Fallzahlen im Aargau stark ansteigen, blickt Fux gelassen auf die Entwicklung. Dies sei grundsätzlich so zu erwarten gewesen, sagt der Infektiologe gegenüber der «Aargauer Zeitung». Die Bevölkerung solle mit dem Virus in Kontakt kommen, damit sich das Immunsystem der Menschen auch an die neue Variante BA.5 anpasst. «Wir sehen, dass die überwiegende Zahl der Leute, die sich anstecken, wenig Symptome und sicher keine schweren Komplikationen aufweisen.»

Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein

Laut Christoph Fux dürfte die Dunkelziffer der Fallzahlen deshalb deutlich höher sein. «Es dürfte viele Leute geben, die infiziert sind, aber keine oder nur schwache Symptome aufweisen und sich deshalb nicht testen lassen.» Ist die Omikron-Variante BA.5 also harmlos? Laut dem Chefarzt Infektiologie am KSA gäbe es keine Hinweise, dass diese Variante gravierender wäre als andere Omikron-Mutationen. «Soweit ich die aktuellen Studien überblicke, ist der Schweregrad sehr ähnlich. Die Lungen könnten wieder etwas stärker betroffen werden, aber das lässt sich noch nicht definitiv sagen.» Deshalb hinterfragt Fux auch den Nutzen eines spezifischen Omikron-Impfstoffes. Der Impfstoffhersteller Moderna hat einen entwickelt, der vielleicht im Herbst zur Anwendung kommt. «Soweit sich das heute sagen lässt, scheint der Mehrwert des Omikron-Impfstoffs relativ gering. Man könnte also den aktuellen Impfstoff anwenden und hätte praktisch den gleichen Effekt.»

Ab wann braucht es wieder Massnahmen?

Laut Fux verfolgt die Schweiz eine Durchseuchungsstrategie. «Davon wird man nur abweichen, wenn die Fallzahlen unkontrollierbar hoch werden.» Dafür gebe es zwei Kennzahlen: Die Belastung der Spitäler und die Personalausfälle in der Wirtschaft. «Da kann der Moment kommen, wo man zur Einsicht gelangt, dass die hohen Ausfallzahlen in Schule und Beruf die Gesellschaft mehr kosten als billige und effiziente Einschränkungen wie beispielsweise eine Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen.»

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 23. Juni 2022 07:22
aktualisiert: 23. Juni 2022 07:22
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