Zertifikatspfusch?

Testzentrum Zofingen soll Ausweiskontrolle vergessen haben

8. Januar 2022, 06:39 Uhr
Seit fast zwei Jahren befinden wir uns nun in einer Pandemie und mittlerweile ist wohl fast jeder mit dem üblichen Prozedere für einen Covid-Test vertraut. Termin buchen, Kontaktdaten angeben, Ausweis mitbringen – Letzteren scheint das Spital Zofingen allerdings nicht immer zuverlässig zu kontrollieren.
Alles nur Einzelfälle? Die Ausweiskontrolle im Zofinger Testzentrum weist Lücken auf. (Symbolbild)

Mehrere Personen bestätigen gegenüber ArgoviaToday, dass sie bei ihrem Covid-Test im Spital Zofingen nicht aufgefordert wurden, ein Identifikationsdokument vorzulegen.

Beim Testtermin wurde lediglich der Name aufgerufen, dann wurde getestet und das Zertifikat erhielt man im Anschluss in gedruckter Form, ohne jemals eine ID, einen Pass oder eine Krankenkassenkarte vorgelegt haben zu müssen. Die persönlichen Angaben auf dem Zertifikat mussten dann nur noch mündlich verifiziert werden.

Zertifikat ohne gültiges Testergebnis

Dies öffnet ein heikles Schlupfloch für Betrüger: Wenn weder beim Test noch bei der Ausstellung des Zertifikats ein Ausweisdokument verlangt wird, ist es ein Leichtes, sich unter falschem Namen testen zu lassen und das Zertifikat für jemand anderen ausstellen zu lassen.

Davon profitieren könnte beispielsweise jemand, der trotz Symptomen einer Coronainfektion oder Verdacht auf eine Ansteckung an eine Veranstaltung, ins Thermalbad oder an einen anderen Ort mit 2G-Plus-Regelung will. Diese Person könnte sich dank der laschen Ausweiskontrolle im Testzentrum ein Zertifikat erschleichen, indem sie sich zwar online persönlich mit allen nötigen Angaben für den Test anmeldet, dann aber jemand anderen, symptomfreien, zum Test schickt. Die Person, die sich angemeldet hat, würde durch die fehlende Ausweiskontrolle dann ungerechtfertigterweise ein Zertifikat erhalten.

Das Spital Zofingen versichert allerdings auf Anfrage von ArgoviaToday, dass so ein Betrug nicht möglich sei. Auch sei dem Spital Zofingen «nicht bekannt, dass fälschlicherweise Zertifikate ausgestellt wurden». Der standardisierte Kontrollprozess sehe eine Anmeldung via Onlinetool vor. Die dort angegebenen Daten würden dann im Testzentrum – inklusiv Kontrolle eines Ausweises – überprüft.

Einzelfälle?

Bei den getesteten Personen, die keiner Ausweiskontrolle unterzogen worden waren, handelt es sich um Einzelfälle, die auch bereits in anderen Testzentren im Aargau und in der Schweiz vorgekommen sind. Denn: Wo Menschen arbeiten, da passieren Fehler. Vor allem angesichts des Testvolumens, das momentan abgearbeitet wird, verwundert es nicht, dass es hin und wieder zu Abweichungen vom Standardprozess kommt. Trotzdem ist es natürlich verheerend.

In den Testzentren des Kantonsspitals Aarau, den grössten des Kantons, versucht man sich mit zusätzlichem Personal vor Betrug zu schützen: Sowohl im Haupttestzentrum als auch in der Walk-in Teststelle hält eine Person den ganzen Tag die Stellung und fordert alle Testwilligen auf, ein Ausweisdokument und die Krankenkassenkarte bereit zu halten. Das KSA bestätigt auf Anfrage, dass bisher keine Fälle von Zertifikatsbetrug nach einem PCR-Test bekannt sind. Die Ausweiskontrolle gehöre zum Betriebsstandard und die Mitarbeitenden würden laufend darauf sensibilisiert.

(umt/svm)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 8. Januar 2022 06:39
aktualisiert: 8. Januar 2022 06:39
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