Verkehrsregelung

Trotz Verbot? Darum müssen Fahrschüler das Rückwärtsfahren lernen

Michelle Brunner, 6. Januar 2023, 16:50 Uhr
Im Schweizer Gesetzbuch ist festgehalten, dass man seit 2016 nicht mehr über «längere Strecken» rückwärtsfahren darf. Nichtsdestotrotz: Viele Fahrschülerinnen und Fahrschüler werden während der Prüfung aufgefordert, genau dies zu tun. Weshalb ist das der Fall? Wir haben nachgefragt.
Rückwärtsfahren ist auf den Schweizer Strassen nur unter gewissen Umständen erlaubt – trotzdem muss man es in der Fahrschule lernen.
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Rückwärtsfahren während der Autoprüfung – Ist es nun erlaubt oder nicht? Beim einen oder anderen führte dieses Fahrmanöver bereits zu Unsicherheiten. Laut Gesetz wurde es im Jahr 2016 nämlich verboten, über «längere Strecken» rückwärtszufahren. So ist in der Verkehrsregelverordnung festgehalten: «Über längere Strecken ist das Rückwärtsfahren nur zulässig, wenn das Weiterfahren oder Wenden nicht möglich ist.»

Wann darf man rückwärtsfahren?

Wie das genau zu definieren gilt, hat ArgoviaToday beim Strassenverkehrsamt des Kantons Aargau nachgefragt. «Im Verkehr gibt es immer wieder Situationen, welche nur mit dem Rückwärtsfahren gelöst werden können», so Richard Spathelf, Leiter Sektion der Aargauer Verkehrszulassung des Strassenverkehrsamts. Dazu gehören beispielsweise blockierte Strassen durch Unfälle, parkierte Fahrzeuge oder Tagesbaustellen. Auch wenn das Kreuzen mehrerer Verkehrsteilnehmenden nicht möglich ist, ist es erlaubt, rückwärtszufahren. Falls einer dieser Fälle eintritt, muss jedoch beachtet werden, dass man unter anderem nur im Schritttempo fahren darf, keinen Vortritt hat, sein Umfeld im Blick behalten muss und eine genaue Ausführung einhält. Zu verstehen gilt unter «einer längeren Strecke» übrigens in etwa 50 Meter.

Rückwärtsfahren wird geprüft

Doch auch wenn es laut Gesetz eigentlich verboten ist, über eine «längere Strecke» rückwärtszufahren, können muss es jeder Mann und jede Frau. So gehört es laut Spathelf zu einem Lernziel während den Autofahrstunden. Dabei gelten jedoch einige Ausnahmen:  «Auf Lern- und Prüfungsfahrten darf auch dann über längere Strecken rückwärts gefahren werden, wenn das Weiterfahren oder Wenden möglich ist», so Spathelf.

Da das Rückwärtsfahren zu einem Fahrmanöver gehört, darf es also auch während der Autoprüfung geprüft werden. Ebenfalls ist der Fahrlehrer dazu verpflichtet – obwohl es per Gesetz eigentlich nicht erlaubt ist – mit seinen Fahrschülerinnen und -schülern das Rückwärtsfahren auch auf längeren Strecken zu üben. Doch keine Angst, wer es während der Prüfung nicht auf die Reihe kriegt, der fällt nicht gleich durch. Denn der Prüfungsentscheid ist immer eine Gesamtbeurteilung der Prüfungsfahrt und nicht ein einzelnes Element.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 8. Januar 2023 11:23
aktualisiert: 8. Januar 2023 11:23