Aargau/Solothurn

Murgenthal: Biberdamm im Rotkanal muss zum Teil entfernt werden

Murgenthal

«Wir müssen den Damm teils entfernen»: Biber-Beauftragter begründet den Entscheid

· Online seit 13.03.2023, 18:16 Uhr
Biber fühlen sich im Rotkanal in Murgenthal pudelwohl. Die Bedingungen sind optimal für die Nager, um ihre Dämme im Kanal zu errichten. Doch wenn diese zu hoch werden, stellt das eine Gefahr für den Menschen dar. Muss der Kanton nun eingreifen?

Quelle: ArgoviaToday / Severin Mayer

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Der Rotkanal in Murgenthal ist bekannt für seine guten Bedingungen für Biber. So kommt es, dass sich seit über zehn Jahren immer wieder Biber im Kanal ansiedeln und ihre Dämme bauen. Ein Leser berichtet gegenüber ArgoviaToday, dass ein Biber seit einigen Wochen seinen Damm im Rotkanal errichtet. Dies bestätigt auf Anfrage auch Hanspeter Lüen, Biber-Beauftragter des Kanton Aargaus. Weil der Damm bis an den Uferrand reicht und mittlerweile zu hoch wird, muss er laut Lüen wahrscheinlich vom Kanton verkleinert werden.

Entfernung eines Biberdammes nur mit Bewilligung

Selbstverständlich ist es nicht, dass der Kanton Teile eines Biberdammes entfernt. Ganz im Gegenteil: Ein Biberdamm darf nur mit einer rechtskräftigen Bewilligung entfernt werden, die vom Kanton erteilt wird. Das, weil Biber bundesrechtlich geschützt sind. Eingriffe in den Lebensraum der Tiere sind lediglich erlaubt, sofern durch den Biber eine Gefährdung oder ein Schaden entstehe. Dieser Fall trifft nun teils in Murgenthal im Rotkanal zu, der Damm des Bibers wird langsam zu gross. «Wenn sich das Wasser im Kanal durch den Biberdamm zurückstaut, besteht die Gefahr einer Überschwemmung», so Lüen. Falls der Wasserstand sich dann auf der vollen Höhe befindet, könnte es aufgrund des Dammes nicht mehr ablaufen. «In der Folge läuft das Wasser einfach über die Kantonsstrasse ab», sagt Lüen weiter.

Doch ganz soll der Damm nicht entfernt werden, wie Lüen sagt: «Wir entfernen rund einen Drittel des Biberdammes.» So kann der Lebensraum des Bibers bestehen bleiben. «Ein gewisser Wasserstand muss erhalten belieben. Der Eingang seiner Höhle muss für den Biber nach wie vor unter Wasser erreichbar bleiben.» Den Damm um einen Drittel zurückzubauen, stellt keine grosse Herausforderung dar, es werden lediglich einige Äste entfernt: «Wir können das von Hand machen. Ebenfalls besteht die Option, den Damm mit einem Bagger zurückzubauen. Das funktioniert relativ gut», so Lüen. Wann dieser Fall eintritt, kann der Biber-Beauftragte jedoch noch nicht sagen, die Situation aufgrund des Biberdammes sei noch nicht dramatisch. Lüen behält den Bau trotzdem stets im Auge.

Rotkanal ist beim Biber begehrt

Wie der Biber-Beauftragte gegenüber ArgoviaToday erzählt, leben beim Rotkanal mehrere Biber: «Ich habe bereits zwei oder drei Biberfamilien beobachtet.» Oft tritt hierbei auch der Fall ein, dass die Jungtiere nicht weiterwandern und ebenfalls am Rotkanal sesshaft werden.

Dass ein Biber im Rotkanal in Murgenthal seinen Damm errichtet, ist laut Lüen keine Seltenheit. «Der Kanal stellt einen super Lebensraum für Biber dar. Er besitzt immer eine gute Tiefe, weil der Wasserspiegel konstant ist.» Dabei entscheidend ist die Murg, genauer gesagt das Wasserwehr. «Wenn im Wehr der Wasserstand ganz sinkt, dann fliesst auch weniger Wasser in den Rotkanal. Das ist jedoch eher selten der Fall, weil die drei Wasserkraftwerke, welche sich dort befinden, das Wasser benötigen.» Lüen ist deshalb davon überzeugt, auch wenn einzelne Biberdämme verkleinert werden, werden die Nagetiere trotzdem weiterhin im Rotkanal hausen. Das ist laut dem Biber-Beauftragten des Kanton Aargaus auch wichtig und gut so.

veröffentlicht: 13. März 2023 18:16
aktualisiert: 13. März 2023 18:16
Quelle: ArgoviaToday

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