Welt-Aids-Tag

40 Jahre Aids – 40 Jahre Diskriminierung

Matteo Fruci, 2. Dezember 2021, 11:06 Uhr
Am Mittwoch jährt sich die Entdeckung von Aids zum 40. Mal. Die Aids-Hilfe Schweiz will am Welt-Aids-Tag 2021 auf die Diskriminierung aufmerksam machen, unter der an Aids erkrankte Personen bis heute leiden.
«Seit der Ausbreitung des Coronavirus erreichen uns wieder vermehrt Anfragen zu Ansteckungsrisiken in Alltagssituationen, beispielsweise im Tram oder beim Coiffeur", hält Andreas Lehner, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Schweiz fest.
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Seit fast zwei Jahren hat das Coronavirus bei jeglichen Diskussionen den Sonnenplatz inne, während das HI-Virus und dessen Folgeerkrankung Aids im Schatten stehen. Laut Michael Ganz, Geschäftsleiter des Vereins «Sexuelle Gesundheit Aargau», trat das HI-Virus seit dem Beginn der Pandemie tatsächlich mehr aus dem Fokus. Andererseits sei es erfreulich, dass mittlerweile die meisten Menschen wüssten, wie man sich vor Viren schützt und einer Infektion vorbeugen kann. Auch wenn die Übertragung von Corona- und HI-Viren natürlich nicht auf gleiche Art geschieht. Die aktuelle Lage sei also eine zweiseitige Medaille.

HIV-Infektionen rückläufig

Tatsächlich ist im Jahr 2020 ein weiterer Rückgang der an das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gemeldeten HIV-Diagnosen zu verzeichnen. Zum ersten Mal seit Beginn der HIV-Epidemie Anfang der 1980er-Jahre wurden dem BAG weniger als 300 Fälle gemeldet, nämlich 290. In den 1990er-Jahren waren es im Durchschnitt 1300 Fälle pro Jahr. Eine wesentliche Grundlage dieses Rückgangs ist eine nachhaltige «HIV-Kaskade», in der fast alle Personen mit HIV ihren Status kennen und rasch effektiv behandelt werden, sodass sie das Virus nicht weitergeben, schreibt die Aids-Hilfe Schweiz in einer Medienmitteilung. Dieser Rückgang würde bis heute anhalten. 93% aller im Jahr 2020 mit HIV in der Schweiz lebenden Personen haben eine entsprechende Diagnose erhalten und wissen somit von ihrer Infektion. 98% derer mit HIV-Diagnose erhielten eine medikamentöse HIV-Therapie und 96% derer mit HIV-Therapie hatten eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Mit diesen Werten in der sogenannten HIV-Kaskade des United Nations Programme on HIV/AIDS (UNAIDS) nimmt die Schweiz weltweit einen Spitzenplatz bei der Bekämpfung der Verbreitung des HI-Virus ein, schreibt die Aids-Hilfe Schweiz weiter.

Diskriminierung bis heute präsent

Trotzdem seien irrationale Ängste vor einer Ansteckung in der Gesellschaft bis heute vorhanden. «Seit der Ausbreitung des Coronavirus erreichen uns wieder vermehrt Anfragen zu Ansteckungsrisiken in Alltagssituationen, beispielsweise im Tram oder beim Coiffeur. Obwohl HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie das Virus nicht mehr übertragen können, ist dieses Wissen in der breiten Bevölkerung noch lange nicht angekommen», hält Andreas Lehner, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Schweiz fest. Die Sensibilisierung und Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung müsse deshalb fortgesetzt werden.

So nehmen zwar die HIV-Neuinfektionen in der Schweiz seit Jahren ab, doch die der Aids-Hilfe Schweiz gemeldeten Diskriminierungen von Menschen mit HIV bleiben auf hohem Niveau stabil. Diese betreffe alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens: sei es die Arbeit, den Medizin- oder den Versicherungsbereich. Die diesjährige Kampagne der Aids-Hilfe Schweiz zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember stelle deshalb die Diskriminierung von Menschen mit HIV am Arbeitsplatz ins Zentrum.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 1. Dezember 2021 16:36
aktualisiert: 2. Dezember 2021 11:06
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