Brisante Forderung

«Arbeitswege bis zu 20 Kilometer können mit Velo gefahren werden»

· Online seit 24.02.2023, 10:36 Uhr
Eine Aussage des Präsidenten des Verkehrs-Clubs der Schweiz sorgt für Kritik. Dieser fordert mehr Velofahren der Bevölkerung als Massnahme gegen Stau und Verstopfungen auf den Strassen.
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Weil die Schweizer Strassen immer mehr ausgelastet sind und Staus zunehmen, sieht sich der Bundesrat gezwungen zu handeln. Bis im Jahr 2030 will er über 10 Milliarden Franken in die Nationalstrassen und den Verkehr investieren, wie er am Mittwoch beschlossen hat. Ohne solche Massnahmen würden die Überlastungen immer akuter.

Dagegen regt sich aus links-grünen Kreisen Widerstand, unter anderem von Ruedi Blumer, dem Präsident des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS). In der SRF-«Tagesschau»-Ausgabe vom Mittwoch nahm er allerdings nicht den Bundesrat, sondern die Bevölkerung in die Pflicht:  «Zu zweit statt allein im Auto sitzen, Homeoffice machen – und wenn der Arbeitsweg nicht weiter ist als 20 Kilometer, kann man den problemlos mit dem Velo zurücklegen.»

«Idee ist gesellschaftsfeindlich»

Der letzte Satz sorgt nun für Empörung. Mitte-Nationalrat Philipp Matthias Bregy etwa sagte gegenüber «20 Minuten»: «20 Kilometer, stellen Sie sich das mal vor. Es bräuchte in jedem Büro eine Dusche.»

Zudem forderte Bregy den VCS auf, mit gutem Beispiel voranzugehen – und er bezeichnete Blumers Idee als «familien- und gesellschaftsfeindlich»: «Es würde viel Zeit und Energie in Anspruch nehmen, die man anders nutzen kann.»

SVP-Nationalrat Thomas Hurter hingegen bezweifelt, dass das Velo bei jeder Wetterlage geeignet ist. Das Benutzen des Fahrrads vorschreiben könne man sowieso nicht – den Umweltschutzverbänden traue er aber zu, dass diese genau dies wollen würden. Auch FDP-Präsident Thierry Burkart sieht das laut «20 Minuten» ähnlich wie Hurter: «Die Wahl des Verkehrsmittels ist eine persönliche Entscheidung.»

Es braucht gute Velo-Infrastruktur

VCS-Präsident Blumer relativiert gegenüber «20 Minuten» seine Aussage vom Mittwoch: «Würde ich das Interview nochmals geben, würde ich zehn Kilometer als Obergrenze nennen», sagt er. Was ihn zu seiner Aussage bewegte und ihn am meisten stört, seien diejenigen, die für 300 Meter bereits das Auto benutzen. «Solche Stop-and-go-Kurzfahrten sind extrem belastend, was CO₂ und Lärm angeht.»

Für seine 20-Kilometer-Aufforderung hat Blumer aber auch Zuspruch erhalten. Matthias Aebischer, SP-Nationalrat und der Präsident von Pro Velo Schweiz, erachtet Arbeitswege unter 20 Kilometer als «ideal», um sie mit einem E-Bike – ein solches besitzt auch Blumer – zurückzulegen. Hierfür brauche es aber eine geeignete Velo-Infrastruktur sowie ein velofreundliches Ampelregime.

veröffentlicht: 24. Februar 2023 10:36
aktualisiert: 24. Februar 2023 10:36
Quelle: Today-Zentralredaktion

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