Schweiz

Wegen Abnehm-Boom auf TikTok: Diabetiker bangen um ihre Medikamente

Wegen Abnehm-Boom

«Das macht mir Angst» – Diabetiker bangen um ihre Medikamente

· Online seit 14.01.2023, 14:16 Uhr
Mit einem Diabetes-Medikament abnehmen? Dieser «Trend» kursiert derzeit in den sozialen Medien und sorgt dafür, dass die entsprechenden Medikamente in vielen Apotheken ausverkauft sind. Ein Problem für Diabetiker, die das Medikament wirklich brauchen.

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

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«Ich war in verschiedenen Apotheken, aber keine hatte noch mein Medikament», erzählt eine Diabetikerin gegenüber PilatusToday und Tele 1. «Meine Ärztin sagte mir, dass die Nachfrage einfach zu gross sei. Dies wohl wegen eines Trends in den sozialen Medien.» Dieser kursiert seit mehreren Monaten speziell auf «TikTok». In den Videos werben die Influencer mittels Diabetes-Medikamenten für schnelles Abnehmen.

«Das ist ein Problem»

Diese Abnehm-Taktik sei sehr fragwürdig, findet Beat Schwegler, stellvertretender Chefarzt der medizinischen Klinik im Zuger Kantonsspital. Insbesondere weil das Arzneimittel rezeptpflichtig sei und keine Zulassung für eine reine Übergewichtsbehandlung habe. Dass das Medikament nun als Diätmittel missbraucht wird, findet Schwegler sehr «problematisch».

Spezifisch ist die Rede vom Antidiabetikum «Ozempic». Dieses ist für Personen vorgesehen, die an einem Diabetes mellitus Typ 2 – auch Altersdiabetes genannt – erkrankt sind. «‹Ozempic› sorgt unter anderem dafür, dass mehr Insulin erzeugt wird, wodurch der Blutzuckerspiegel tief bleibt», erklärt Schwegler.

«Das Medikament sorgt aber auch für ein enormes Sättigungsgefühl.» So haben Betroffene, die «Ozempic» einnehmen, massiv weniger Appetit, was zu Gewichtsverlust führt. Dies kann auch die eingangs erwähnte Diabetikerin bestätigen: «Ich habe viel weniger Hunger und extrem abgenommen.»

Aktuell noch kein Mangel

Obwohl Diabetiker offenbar Schwierigkeiten haben, an «Ozempic» zu kommen, herrscht gemäss der Schweizer Lieferengpass-Übersicht «drugshortage.ch» aktuell kein Engpass beim Medikament. Deshalb hat der Bund bisher auch keine entsprechenden Massnahmen ergriffen.

Dies wäre jedoch wünschenswert, wie der Kanton Luzern auf Anfrage mitteilt. «Die Suche nach Alternativen verursacht bei den Leistungserbringern einen massiven administrativen Mehraufwand und kann die Patienten verunsichern», so der Luzerner Kantonsapotheker Stephan Luterbach.

Doch Schwegler relativiert. Zumindest im Zuger Kantonsspital herrsche derzeit noch kein Medikamentenmangel: «Aktuell haben wir noch genug. Es ist aber möglich, dass sich dies in den nächsten Wochen ändert.» Dies beunruhigt die Diabetikerin: «Es macht mir Angst, nicht zu wissen, ob ich mein Medikament nächsten Monat erhalte.» Es sei traurig, dass Personen, die auf die Arznei angewiesen sind, nun wegen eines Trends im Internet darum bangen müssen, fügt sie an.

Was können Diabetiker nun tun?

Personen, die auf Medikamente wie «Ozempic» angewiesen sind, bleibt also nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass sich der Abnehm-Trend auf «TikTok» legt und die Medikamente wieder wie gewohnt verfügbar sind. Bis dahin gilt: Von Apotheke zu Apotheke gehen und nach dem Medikament zu fragen.

veröffentlicht: 14. Januar 2023 14:16
aktualisiert: 14. Januar 2023 14:16
Quelle: PilatusToday

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