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Hat die Combox bald ausgedient?

Telekom

Hat die Combox bald ausgedient?

27.02.2024, 08:01 Uhr
· Online seit 27.02.2024, 05:41 Uhr
Wann hast du das letzte Mal eine Combox-Nachricht hinterlassen? Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass das lange her ist. Laut der Swisscom hat die Anzahl Combox-Nachrichten zwar abgenommen, ausgedient hat sie allerdings noch nicht.
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Die Anzahl Combox-Nachrichten hat in den letzten Jahren abgenommen, jedoch war der Rückgang bis vor ein paar Jahren etwas stärker als aktuell, teilt die Swisscom auf Anfrage mit. Zudem nimmt die Anzahl Festnetztelefonanschlüsse ab, das heisst, dass es dadurch auch weniger Comboxen gibt, da die Menschen nebst dem Handy kein zweites Telefon mehr besitzen. Das soll aber nicht heissen, dass die Combox kurz vor ihrem Ende steht. Alleine bei der Swisscom werden monatlich immer noch mehrere Millionen Combox-Nachrichten hinterlassen. Wie hoch diese Zahl bei Anbietern wie Salt oder Sunrise ist, bleibt unklar, da dort nicht erfasst wird, wie viele Nachrichten hinterlassen werden, wie beide auf Anfrage mitteilen.

Andere Generationen, andere Kommunikation

Laut Jean-Claude Frick, Digitalexperte bei Comparis, hat der Schwund auch etwas damit zu tun, welcher Generation man zugehörig ist. «Man weiss ja, dass die Gen Z nicht unbedingt telefoniert. Wenn man gar nicht erst telefoniert, hinterlässt man natürlich auch keine Combox-Nachricht», sagt Frick gegenüber ArgoviaToday. Das deckt sich auch mit den Erkenntnissen der Swisscom. Ihr zufolge brauchen junge Menschen die Combox weniger als Personen ab 50 Jahren. Im geschäftlichen Umfeld hat das Telefon laut Frick aber immer noch eine grosse Wichtigkeit. Die Combox sei dabei ein Tool, welches dabei hilft, nicht permanent online sein zu müssen, aber trotzdem mitzubekommen, wenn jemand etwas von einem will.

Laut dem Digitalexperten wird die Anzahl hinterlassener Combox-Nachrichten in den nächsten Jahren trotzdem noch mehr zurückgehen. «Für diejenigen, welche mit dem Internet aufwachsen und selbstverständlich alle Messenger-Dienste und Co. nutzen, ist es nicht unbedingt logisch, dass man jemanden anruft und auf einer Combox eine Nachricht hinterlässt», so Frick. Auch Salt teilt mit: «Die Kommunikationsangewohnheiten der Konsumentinnen und Konsumenten verändern sich insbesondere mit dem Aufkommen neuer Technologien und Dienste. Messaging-Dienste, die die Möglichkeit bieten, Sprachnachrichten zu versenden, haben zweifellos einen Einfluss auf die Art und Weise, wie die Konsumentinnen und Konsumenten kommunizieren.»

Von einem Aussterben der Combox geht Frick nicht aus. Solange es Telefone gibt, mit denen man direkt miteinander kommunizieren kann, brauche es auch eine Combox, welche die Zeit, welche man nicht online ist, «auffangen» kann.

Warum das Telefonieren wichtig bleibt

Laut Frick tragen die Messenger-Dienste mit ihren Vorteilen klar dazu bei, dass weniger telefoniert wird. So könne man immer miteinander kommunizieren und weiss direkt, ob das Gegenüber online ist und die Nachricht gelesen hat. Beim klassischen Telefonieren hat man diesen Vorteil nicht. Beim Telefon weiss man nicht genau, ob das Gegenüber abnimmt, überhaupt erreichbar ist oder ob der Anruf vielleicht stören könnte. «In unserer ‹always on›-Gesellschaft, in der man die ganze Zeit ‹connected› sein will, spielen die Messenger-Dienste natürlich eine grosse Rolle. Das wird auch immer mehr zunehmen. Im Umkehrschluss wird dadurch auch das Telefon weniger genutzt», so Frick.

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Das Telefonieren hat aber nach wie vor einen grossen Vorteil: Der direkte Kontakt. «Wenn man unmittelbar etwas von jemandem will, ist der Messenger-Dienst nicht das Richtige», sagt Frick. Eine Nachricht kann man zwar zu jeder Zeit absenden, wann man eine Antwort erhält, ist dann aber die andere Frage. Wer kennt die Situation nicht, in der man mehrere Stunden darauf wartet, bis diese eine Person endlich mitteilt, wann sie Zeit hat. «Beim Telefon hat man einen direkten Kontakt zueinander. Die Fragen so zu klären, geht viel schneller als hin und her zu chatten oder noch schlimmer: Einander Sprachnachrichten zu schicken, die man zuerst anhören muss, bevor man antworten kann», kommentiert Frick.

Weiter sagt er: «Auch wenn die Gen Z nicht mehr so gerne telefoniert, finde ich, dass nichts daran vorbeiführt. Es ist der schnellste Weg, wenn man unmittelbar etwas vom Gegenüber will. Es wird weniger werden, aber verschwinden wird es hoffentlich nie.»

veröffentlicht: 27. Februar 2024 05:41
aktualisiert: 27. Februar 2024 08:01
Quelle: ArgoviaToday

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