Corona-Infektion

Ist Omikron wirklich so harmlos?

Ursina Mühlethaler, 26. Januar 2022, 14:27 Uhr
Im Zusammenhang mit der aktuell dominierenden Corona-Variante Omikron wird immer wieder von einem milden Verlauf gesprochen. Doch was bedeutet das eigentlich genau? Welche Symptome beinhaltet das? Und ist Omikron somit wirklich harmloser? Das Kantonsspital Aarau klärt auf.
Fieber und auch Schüttelfrost sind häufige Corona-Symptome.
© KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI

Obwohl die Omikron-Variante mittlerweile mit fast 90 Prozent in der Schweiz dominiert, sind immer noch viele Fragen offen. Anna Conen, Leitende Ärztin, stellvertretende Chefärztin und Leiterin Konsiliardienst Infektiologie und Infektionsprävention am Kantonsspital Aarau, hat für ArgoviaToday einige der wichtigsten Fragen rund um Omikron beantwortet.

Ist Omikron harmlos?

Entgegen aller Annahmen müssen momentan in der Omikronwelle deutlich weniger Patienten im Spital behandelt werden – trotz höchster Fallzahlen in der Schweiz. Aber diejenigen Patienten, die im Spital behandelt werden, sind ebenso schwer krank, wie diejenigen aus den vorhergehenden Wellen. Die Röntgenbilder der Lungen zeigen einen ebenso ausgedehnten Lungenbefall wie bei den mit der Alpha- oder Delta-Variante infizierten Patienten. Der Corona-Verlauf kann so schwer sein, dass diese Patienten ebenfalls wegen Lungenversagens auf die Intensivstation müssen, um künstliche beatmet zu werden. Omikron kann also ebenfalls schwere, sogar tödliche Corona-Verläufe verursachen.

Die aktuell im Spital behandelten Patienten gehören in den meisten Fällen zu Risikogruppen: Bei den vollständig geimpften und geboosterten Patienten sind dies immungeschwächte Patienten, zum Beispiel nach einer Organtransplantation, wegen einer Chemotherapie bei Tumorleiden oder einer Immunsuppression bei Autoimmunkrankheit. Bei den ungeimpften oder unvollständig geimpften Patienten sind es meist ältere Patienten, die oft zusätzliche Krankheiten aufweisen wie Herz- oder Lungenkrankheiten, Fettleibigkeit oder Diabetes.

Wann kommt es zu Long Covid?

Von Long Covid kann jeder betroffen sein. Auch die Ausprägung ist extrem unterschiedlich. Long Covid kann sowohl Patienten mit mildem, aber auch solche mit schwerem Krankheitsverlauf treffen. Voraussagen lässt sich dies nicht. Bisher ist auch nicht nachhaltig erwiesen, ob eine Impfung vor Long Covid schützt. Deshalb ist es in jedem Fall wichtig, sich vor einer Infektion zu schützen – egal ob geimpft, ungeimpft, genesen oder chronisch krank.

Wie unterscheidet sich ein milder von einem schweren Verlauf? 

Ein milder Corona-Verlauf zeichnet sich dadurch aus, dass der infizierte Patient entweder keine Symptome oder nur leichte grippale Beschwerden aufweist, wie beispielsweise Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Kopfschmerzen, Fieber und Gliederschmerzen für wenige Tage. Da keine relevante Lungenbeteiligung (Lungenentzündung) vorliegt, besteht kein Sauerstoffmangel im Blut und damit keine Atemnot, welche eine Hospitalisation notwendig machen würde. Der Patient kann seine Infektion mit fieber- und schmerzsenkenden Medikamenten zu Hause auskurieren.

Von einem schweren Krankheitsverlauf spricht man dann, wenn auch die Lunge betroffen ist, also eine Mitbeteiligung der Lunge (Lungenentzündung) vorliegt oder es zu schweren Entzündungsreaktionen und der Ausbildung von Blutgerinnseln kommt. Bei der Corona- Lungenentzündung kommt es zu Sauerstoffmangel im Blut. Die Patienten haben eine erhöhte Atemfrequenz, leiden an Atemnot und benötigen eine zusätzliche Sauerstoffgabe, um die Organsysteme mit genügend Sauerstoff zu versorgen. Oft müssen auch extrem starke entzündungshemmende Medikamente wie beispielsweise hochdosiertes Kortison eingesetzt werden.

Welche Komplikationen können auftreten?

Bei Patienten und Patientinnen mit schwerem Verlauf bleibt es meist nicht bei einer Lungenentzündung. Es folgen weitere Komplikationen wie beispielsweise Lungenembolien. Aber auch andere Organsysteme neben der Lunge können von der Infektion betroffen sein, so kann es zum Beispiel zu Herzmuskelschwäche, Hirnschlägen, Nierenversagen und vielem mehr kommen.

Wenn trotz antiviraler und entzündungshemmender Medikamente und Sauerstoffgabe die Lungenschädigung so stark fortgeschritten ist, dass die lebensnotwendige Versorgung der Organe mit Sauerstoff nicht mehr gegeben ist, so liegt ein Lungenversagen vor. Letzteres kann manchmal mit einer künstlichen Beatmung oder gar einer künstlichen Lunge überbrückt werden, führt aber trotzdem bei sehr vielen Patienten zum Tod. Je länger die Infektion andauert, desto schwächer werden die Patienten und es besteht zunehmend das Risiko von sekundären Lungeninfektionen. Diese Sekundärinfektionen werden meist durch Bakterien oder Schimmelpilze ausgelöst und belasten die bereits angeschlagene Lunge zusätzlich und führen deswegen nicht selten zum Tod. Durch die Behandlung kann es auch zu Blutgerinnseln kommen, die sich in den Organen, als Thrombose in den Beinen aber auch im Gehirn manifestieren und dort zu einem Schlaganfall führen können. Die Liste der möglichen Komplikationen ist lang.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 26. Januar 2022 05:37
aktualisiert: 26. Januar 2022 14:27
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