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Wetterradar deckt auf

Nachts fliegen Millionen von Vögeln heimlich über unsere Köpfe hinweg

27. August 2021, 12:42 Uhr
Wetterradare in der Schweiz zeichnen regelmässig Niederschlag auf, obwohl gar kein Regen oder Schnee fällt. Auslöser sind Vögel und Insekten, die vom Radar erfasst werden. Die Vogelwarte Sempach hat nun eigene Messungen durchgeführt. Es zeigt sich: In der Nacht herrscht reger Betrieb.
Über unseren Köpfen fliegen jährlich Millionen von Vögeln hinweg – häufig auch nachts.
© Ralph Martin

Bald schon dürfte es den Vögeln in der Schweiz zu kalt werden und sie ziehen Richtung Süden. Im Herbst sehen die Schwärme, die sich auf den Weg machen, jeweils atemberaubend aus. Doch wie viele Vögel eigentlich wohin fliegen, das war bisher nur schwierig zu messen. Wetterradare können da helfen. Denn sie senden elektromagnetische Wellen aus, die von durchfliegenden Objekten als Echo zurückgeworfen werden. Und die Radare fördern Erstaunliches zutage. Bereits im vergangenen Jahr hat Meteoschweiz herausgefunden, dass in der Nacht überraschenderweise teilweise mehr Vögel unterwegs sind als tagsüber.

Flugaktivität
© Screenshot Vogelwarte

Die Vogelwarte Sempach hat nun ein Jahr lang die fliegende Biomasse – also Lebewesen wie Insekten oder Vögel – aufgezeichnet, die über das Radar auf dem Dach der Vogelwarte hinwegzogen. Demnach fliegen jährlich mindestens drei Millionen Vögel und 20 Millionen Insekten über Sempach. Aus den Daten geht auch hervor, dass Insekten ebenso wie Vögel im Herbst klar Richtung Südwesten ziehen. Schon jetzt, Ende August, zeigen die Auswertungen, dass die Vögel nachts bereits ein deutliches Ziel haben.

Flugrichtung
© Screenshot Vogelwarte

Im Frühling machte sich gemäss den Aufzeichnungen hingegen ein Unterschied bemerkbar: Während die Vögel scheinbar ein konkretes Ziel im Nordosten hatten, schwirrten die Insekten ohne klare Richtung umher.

Die Vogelwarte hat dafür eine Erklärung: «Anders als Vögel fliegen Insekten im Frühling nicht zurück in ihre Geburtsregionen, sondern legen auf dem Weg in den Norden ihre Eier im erstbesten geeigneten Lebensraum ab und sterben. Daraus schlüpft eine neue Generation, die sich in alle Himmelsrichtungen verbreitet, um wiederum ihre Eier abzulegen», heisst es in einer Mitteilung. Nur die Generation Ende Sommer ziehe dann zum Überwintern Richtung Süden, um im Frühling wieder zurückzukehren und den Kreislauf zu schliessen. So macht es auch der Distelfalter: Er fliegt im Frühling in mehreren Generationen aus Afrika nach Europa und im Herbst wieder zurück.

Distelfalter
© Peter Keusch

(vro)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 28. August 2021 08:05
aktualisiert: 27. August 2021 12:42