Gewalt

Schweizer Bahnhöfe sind Hotspots für Jugendkriminalität

13. Juni 2022, 12:06 Uhr
Neue Zahlen zeigen: Gewaltstraftaten von Minderjährigen an Schweizer Bahnhöfen haben sich in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt.
Jugendgewalt an Schweizer Bahnhöfen ist ein zunehmendes Problem. (Symbolbild)
© KEYSTONE/Alessandro della Valle

Jugendgewalt an Schweizer Bahnhöfen ist ein zunehmendes Problem. Die Straftaten haben sich zudem in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Die Zahlen des Bundesamt für Statistik zeigen vor allem, dass es unter Minderjährigen immer häufiger vorkommt, dass sie grundlos aufeinander los gehen. Meistens kennen sie sich vorher nicht oder haben auch keine vorrangige Kommunikation gehabt – sprich: Die Aktionen sind meist grundlos.

Vor allem an Schweizer Bahnhöfen habe die Gewalt zugenommen im Vergleich zu anderen Orten, das zeigen die Zahlen, die CH Media angefragt hat. In den letzten fünf Jahren haben sich diese sogar verdoppelt. Das ist deutlich mehr als an den übrigen Tatorten, wo im gleichen Zeitraum ein Anstieg um knapp 30 Prozent registriert wurde. Die Jugendgewalt entwickelt sich ausserdem in Wellen. Nach einem Anstieg Anfang der 2000er Jahre, beruhigte sich die Situation zwischen 2010 und 2015 merklich.

Aber wieso genau am Bahnhof?

Das sind die Treffpunkte der Jugendliche, um sich zu treffen und Zeit miteinander verbringen. Und aus Langeweile seien die Minderjährigen wohl auf der Suche nach Abwechslung und Action. Und um die anderen zu imponieren, geht man eben aufeinander los. Staatsanwältin Alexandra Ott Müller leitet die Jugendanwaltschaft Winterthur und arbeitet seit 30 Jahren in der Strafverfolgung. Doch die jüngste Entwicklung beunruhigt sie. «Ich stelle eine Verrohung fest», so Ott gegenüber der «Aargauer Zeitung». Vor allem die Jüngeren seien für Raufereien und Action am Bahnhof empfänglich, sagt Ott Müller.

Ausserdem gebe es bei manchen Eltern – auch der Coronapandemie geschuldet – eine gewisse Erziehungserschöpfung. «Diese sind dann froh, wenn die Jugendlichen nach draussen gehen und hoffen, dass ‹nichts passiert›.» Häufig fehle es den Kindern auch an Grenzen. Hinzu kommt die ständige Angst, etwas zu verpassen. «Ständig dem laufenden Informationsfluss ausgesetzt zu sein, verstärke das Gefühl, überall dabei sein zu müssen», fügt Ott Müller noch an.

Allerdings ist es eine kleine Minderheit, die Probleme bereitet. Weniger als ein Prozent der Minderjährigen werden wegen den Gewaltdelikten angezeigt.

(red.)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 13. Juni 2022 12:05
aktualisiert: 13. Juni 2022 12:06
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