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Warum es für Schweizer Onlineshops jetzt eng wird

Onlineshop-Sterben

Warum es für Schweizer Onlineshops jetzt eng wird

· Online seit 14.10.2023, 14:53 Uhr
Die Zeiten, in denen Schweizerinnen und Schweizer beim Einkaufen von Heimelektronik aus einer Vielzahl von grossen und kleinen Anbietern aussuchen konnten, gehen langsam aber sicher dem Ende zu. Wie geht es nach dem Aus von Steg und Microspot weiter?
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Zwei Hiobsbotschaften musste der Schweizer Online-Elektronikhandel in den letzten Wochen verdauen. Anfang September musste die PCP-Gruppe ihr Geschäft Hals über Kopf aufgeben. Davon betroffen waren unter anderem die bekannten Shops Steg, Techmania und PC Ostschweiz. Und am vergangenen Mittwoch kündigte Coop an, die Traditionsmarke Microspot in Rente zu schicken.

Damit traf ein, was das auf den Handel spezialisierte Beratungsunternehmen Carpathia bereits zu Jahresbeginn vorhergesagt hatte: eine Konsolidierung unter den Schweizer Onlinehändlern, in deren Zuge auch einige Namen verschwinden würden.

Für Onlinehändler wird es eng

Auf den ersten Blick sind die Gründe für die beiden Schliessungen verschieden. PCP musste wegen der Kündigung von Kreditlimiten in Millionenhöhe Konkurs anmelden. Gespräche mit Investoren oder möglichen Käufern schlugen fehl. Das Ende von Microspot war dagegen in erster Linie eine Bereinigung der Heimelektronikformate bei Coop, wo auch Interdiscount, Fust und Nettoshop zuhause sind.

Doch es gibt Parallelen. «In beiden Fällen gemeinsam ist, dass der Handel mit Heimelektronik enorm kompetitiv ist und ein harter Preiskampf herrscht», erklärt David Morant, Senior Digital Business Consultant bei Carpathia, auf Anfrage der Today-Zentralredaktion. Die Bruttomargen seien bei vielen Produkten und Marken einstellig. Es gebe wenig Wertschöpfung und angesichts gestiegener Zinsen funktionierten wenig oder sogar unprofitable Geschäfte nicht mehr.

Wer verkauft, was andere auch bieten, hat es schwer

Herausforderungen für Onlinehändler gibt es laut Morant viele. Die Umsätze bewegten sich 2023 bisher seitwärts. Die Konsumentenstimmung ist nicht rosig. Die Wachstumszahlen der Corona-Zeit konnten nicht gehalten werden. Logistik und Onlinemarketing seien teurer geworden. Die Produktverfügbarkeit ist zurück und damit auch der Preiskampf. Hinzu kommt: Bei bekannten Produkten und Marken wie Sony oder Samsung ist Digitec Galaxus klarer Marktführer. In diesem Bereich seien die Überlebenschancen für kleinere Onlineshops sehr klein, sagt Morant.

Für die verbliebenen Onlineshops sind das keine guten Nachrichten. Vor allem jene, die auf Preis und Verfügbarkeit setzen, stehen laut David Morant vor grossen Herausforderungen. Dazu gehören die Coop-Formate Interdiscount, Nettoshop und Fust, aber auch etwa Mediamarkt, Exlibris und Manor. «Fachhändler im Bereich Heimelektronik habens enorm schwierig», so Carpathia-Analyst Morant. Er rät ihnen, sich auf exklusive Marken und kaufkräftige Geschäftskunden zu fokussieren.

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Der Marktführer wagt sich ins Ausland

Besser sieht es für die Marktführer aus: Digitec Galaxus und die Competec-Gruppe, zu der auch brack.ch gehört. Die Schweiz habe im Bereich Heimelektronik fast europaweit die besten Preise. Dies sei ein klarer Vorteil. Ausserdem sei der Schweizer Wettbewerb zwar stark und intensiv, aber Digitec Galaxus und auch die Competec-Gruppe gut dafür gewappnet. Digitec Galaxus, zu 70 Prozent im Besitz der Migros, fühle sich sogar derart gut aufgestellt, dass der Onlineshop auch in verschiedene europäische Länder expandieren will.

Und was bedeutet diese Entwicklung für die Kundinnen und Kunden? Die Schliessung von Steg und Microspot hat nach Einschätzung von David Morant für sie relativ wenig Auswirkungen. Alle dort verkauften Produkte bekomme man auch von anderen Händlern. Kurzfristig könnten die Preise bei gewissen Produkten allerdings etwas steigen. Dies, da Microspot vielfach als Preistreiber nach unten bekannt war.

veröffentlicht: 14. Oktober 2023 14:53
aktualisiert: 14. Oktober 2023 14:53
Quelle: Today-Zentralredaktion

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