National League

Ein Trio und ein starker Kovar-Ersatz besiegelt Zürcher Premiere

9. April 2022, 06:07 Uhr
Den ZSC Lions gelingt zu Beginn der Halbfinalserie gegen Fribourg-Gottéron der erste Playoff-Sieg überhaupt gegen diesen Gegner. Im Fokus steht Siegtorschütze Denis Malgin und Goalie Ludovic Waeber.
Die ZSC Lions, angeführt von Goalie Ludovic Waeber, freuen sich über den ersten Playoff-Sieg in Freiburg
© Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Die ZSC Lions und Fribourg-Gottéron begegnen sich in dieser Saison auf Augenhöhe. In der Qualifikation teilten sich die beiden Klubs die Siege jeweils auf. Je zweimal setzte sich das Heimteam durch, zweimal erst nach Penaltyschiessen.

Ein Blick in die Gesichtsbücher der 1986 eingeführten Playoffs zeigt jedoch ein ganz anderes Bild: In vier Playoff-Serien gegen die Freiburger gewannen die Zürcher 1993 (0:4), 1994 (0:3), 2009 (0:4) und 2013 (1:4) nur eine einzige Partie. In der altehrwürdigen St. Leonard-Halle blieb der «Zett» in acht Anläufen ohne Sieg.

Nach dem Umbau der Arena hat es für die Lions am Freitag mit der Siegpremiere in der Saanestadt nun endlich geklappt. Doch die defensiv eingestellten Gäste mussten sich das 3:2 jedoch hart erdauert. Gottéron machte 60 Minuten lang mehr fürs Spiel, erst mit Beginn der Verlängerung übernahm der ZSC das Zepter, hatte aber auch Glück, dass den Freiburgern durch Mauro Jörg nicht der Lucky Punch gelang.

Der Einfluss des MHA-Sturms

Schliesslich war es Denis Malgin, der die Partie nach 81:18 Minuten zugunsten der Lions entschied. Der frühere NHL-Stürmer bezwang Reto Berra zu Beginn der zweiten Overtime mit einer perfekten Direktabnahme auf Zuspiel von Maxim Noreau.

Dass der ZSC dort stehen, wo er momentan steht, hat er zu einem grossen Teil Malgin und dessen Sturmpartnern Denis Hollenstein und Sven Andrighetto zu verdanken. Seitdem das Trio in einer Sturmlinie agiert, läuft es der Mannschaft von Trainer Rikard Grönborg. Bereits in Spiel 6 und 7 gegen Biel war der neuformierte MHA-Sturm bei den beiden 3:1-Siegen mit jeweils zwei Toren matchentscheidend gewesen. Am Freitag erzielte Hollenstein in Freiburg ausserdem das frühe 1:0.

Malgin, Hollenstein und Andrighetto sind quasi die Schweizer Antwort auf den früher so gefürchteten MSN-Sturm in den Reihen des FC Barcelona. Die Dreierspitze mit Lionel Messi, Luis Suarez und Neymar schoss Tore am Laufmeter und lehrte die Gegner das Fürchten. Nun setzen auf Schweizer Eis die drei Zürcher Ausnahmekönner zum Schaulaufen an und lassen die ZSC-Fans wieder vom ersten Meistertitel seit 2018 träumen.

Waeber überzeugt als Kovar-Ersatz

Dabei hatte für die Lions die Halbfinalserie gegen Fribourg-Gottéron mit einer Hiobsbotschaft begonnen. Jakub Kovar, der mit seinen starken Auftritten in der Viertelfinalserie gegen Biel den Zürchern das Weiterkommen überhaupt ermöglicht hatte, konnte am Freitag krankheitsbedingt nicht mittun. Über die genauen Gründe, weshalb der Tscheche nicht dabei sein konnte, machte der Klub - wie so üblich in den Playoffs - keine detaillierten Angaben.

An seiner Stelle stand Ludovic Waeber im ZSC-Tor. Der 25-Jährige hatte seinen Nummer-1-Status in den letzten Wochen eingebüsst. Seit Kovars Verpflichtung kurz vor Weihnachten spielte Waeber nur noch sechs Mal von Beginn an, verliess das Eis aber mit einer Ausnahme (beim 1:3 auswärts gegen den Tabellenletzten Ajoie) stets als Sieger.

Ausgerechnet gegen den Juniorenverein

Nun also gab Waeber ein Jahr nach seinem Playoff-Debüt mit den Lions seinen Einstand in den diesjährigen Playoffs. Und dies ausgerechnet gegen Gottéron, seinen Juniorenverein, mit dem er im Herbst 2017 sein erstes Spiel in der National League absolviert hatte.

Er habe erst am Morgen des Matchtages davon erfahren, dass er anstelle von Kovar zwischen den Pfosten steht, sagte Waeber im SRF-Interview. Wie stand es dabei mit der Nervosität? «Ich habe hart gearbeitet, um bereits zu sein, wenn die Chance kommt», gab er sich selbstsicher.

Diese Chance hat Waeber definitiv gepackt. 36 von 38 Schüssen auf sein Tor parierte er und kam dabei auf eine Fangquote von fast 95 Prozent. Einzig beim 2:2-Ausgleich durch Samuel Walser agierte der gebürtige Freiburger nicht souverän, als er einen Abschluss von Raphael Diaz nach vorne abprallen liess.

Wer steht am Sonntag im Tor?

Aber ob dies reicht, um auch einen gesunden Kovar zu verdrängen? Dem jungen Schweizer sicher nicht in die Karten spielt, dass vom Ausländerquintett der Lions am Freitag nicht alle restlos überzeugten. Insbesondere Garrett Roe lieferte mit seinem Fehlpass in der Offensivzone vor dem 1:1-Ausgleich durch Chris DiDomenico wenig Argumente.

Der amerikanische Stürmer war schon im fünften Viertelfinalspiel zuhause gegen Biel (1:3) mit einem katastrophalen Zuspiel der Ursprung eines Gegentreffers gewesen. Danach verbannte ihn Headcoach Grönborg für zwei Partien auf die Tribüne. Sofern Kovar wieder gesund ist, droht Roe erneut die Zuschauerrolle - und wohl auch Waeber.

Quelle: sda
veröffentlicht: 9. April 2022 06:07
aktualisiert: 9. April 2022 06:07
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