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Pilze

Dank dem nassen Wetter spriessen viele Pilze aus dem Boden

10. August 2021, 15:00 Uhr
Das nasse Wetter der vergangenen Wochen hat nicht nur negative Folgen. In zahlreichen Wäldern in der Schweiz spriessen derzeit viele Pilze aus dem Boden. Pilzfreunde freut dies. Doch wegen der Nässe gilt auch besondere Vorsicht beim Verzehr.
Das nasse Wetter der vergangenen Wochen freut die Pilzfreunde: In zahlreichen Wäldern sind viele Pilze aus dem Boden geschossen. (Symbolbild)
© KEYSTONE/ARNO BALZARINI

Viel Feuchtigkeit ist grundsätzlich gut für die Pilze. So sind zum Beispiel in den beiden Appenzell, wo es in den vergangenen Wochen stark geregnet hat, derzeit «sehr viele und sehr schöne» Pilze zu finden, wie Matthias Müller, Präsident des dortigen Pilzvereins, am Dienstag zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Auch die Artenvielfalt ist gemäss Müller im Appenzellischen besonders gross. In vergangenen und insbesondere trockenen Jahren seien an Exkursionen des Vereins um diese Zeit teilweise nur zwei Pilze gefunden worden - dieses Jahr seien es 70 Arten mit je zwei bis drei Pilzen gewesen, sagte er. «Ich sehe keinen anderen Grund als die Nässe», fügte er an.

Das Pilzwachstum hat die Pilzfreunde bereits in die Wälder gelockt. Eva Grosjean-Sommer, Präsidentin der Deutschschweizer Sektion der Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane in der Schweiz (Vapko), und Geni Christen, der amtliche Pilzkontrolleur in der Walliser Region Saas-Fee, berichteten, dass in diesem Jahr bereits erstaunlich viele Sammlerinnen und Sammler zur Kontrolle gekommen seien.

Noch wenig Speisepilze über Boden

Was bislang jedoch gefehlt hat, damit sich Pilzfreunde ein ausgiebiges Pilz-Menu kochen konnten, ist die Wärme. Die wärmeliebenden Pilze wie der Steinpilz konnten in seiner Region «noch nicht recht spriessen», sagte Müller. Ähnliches berichtet Eva Grosjean-Sommer aus dem Bernischen. Bis vor wenigen Wochen seien noch viele kleine Pilze aus dem Boden geschossen, deren Speisewert unbedeutend gewesen sei.

Mehr Erfolg scheinen Sammlerinnen und Sammler im Wallis zu haben. «Bereits im Juni sind die ersten Sammlerinnen und Sammler mit Steinpilzen gekommen», sagte Geni Christen. Das sei sehr früh, betonte er.

Dies zeigt, wie unterschiedlich das Pilzwachstum regional sein kann. So gibt es beim grundsätzlichen Pilzwachstum auch Ausreisser. Im Luzernischen beispielsweise gibt es derweil noch fast gar keine Pilze. «Wenn ich in den Wald schaue, kann ich noch nicht viele Pilze entdecken», sagte René Zopp von der Pilzkontrollstelle. Die Saison beginne aber auch erst.

Vorsicht vor verschimmelten Pilzen

Das Pilzwachstum hängt grundsätzlich vom Zusammenspiel zwischen Feuchtigkeit und Temperatur ab. Da müssen die Pilzsammlerinnen und -Sammler beim Pflücken ihrer bevorzugten Pilze den dafür richtigen Zeitpunkt erwischen. Wenn die Pilze an der Sonne stehen, zerfallen sie schneller, sagte Geni. Gemäss Müller wäre es zudem bei einigen Arten nicht gut, wenn es gleich wieder regnen würde. «Einige Pilze mögen es nicht, wenn sie verregnet werden, dann werden sie schnell matschig.»

Hinzu kommt, dass Pilze, die ja quasi Schwämme sind, viel Wasser aufsaugen können, erklärte Grosjean-Sommer. Wenn diese dann aus dem Boden raus sind, zerfallen sie schneller, haben Würmer oder Schimmelpilze. «Grundsätzlich sollte man jeden Pilz in der Kontrolle zeigen, bevor man ihn isst», rät Grosjean-Sommer - auch erfahrene Sammlerinnen und -Sammler.

Um ein Leiden nach dem Verzerr eines Pilz-Mahls zu verhindern, sollten nur frische, schöne und bekannte Pilze mit nach Hause genommen werden - und nur so viel, wie ungefähr innert einer Woche verzerrt werden können, sind sich die Pilzexperten einig. Die Steinpilze würden am häufigsten zu Lebensmittelvergiftungen führen, weil sie schon verdorben oder nicht genügend gekocht gegessen werden, erzählte Grosjean-Sommer. Im vergangenen Jahr registrierte die Vergiftungsinformationsstelle Tox Info 806 Anfragen wegen Pilzvergiftungen.

Pilze brauchen Zeit zum Aussporen

Berücksichtigen müssen Sammlerinnen und Sammler zudem die Schontage, die kantonal unterschiedlich ausfallen. In einigen Kantonen sind es die ersten zehn Tage eines Monats, in anderen gewisse Uhrzeiten, während welcher keine Pilze eingesammelt werden dürfen. In wieder anderen Kantonen wie Bern oder im Wallis gibt es keine Schontage. Zudem gibt es in einigen Kantonen eine Sammel-Mengenbegrenzung.

Während der Schontage sollen die Pilze wachsen und aussporen können, damit ihre Reproduktion erhöht wird. Die Vapko weist auf ihrer Website die entsprechenden Regeln und kantonalen Kontrollstellen aus.

Quelle: sda
veröffentlicht: 10. August 2021 15:00
aktualisiert: 10. August 2021 15:00