Neuer Trend – alte Idee?

Das Gegenteil eines Eherings

Cyrill Felder, 9. April 2023, 15:27 Uhr
Ein Schmuckstück weniger für die Ästhetik, mehr für die Funktion: Unter dem #NotADatingApp verkauft die Firma «Pearring» einen Fingerring, welcher nur für Singles geeignet ist. Ein Trend mit einem Konzept, welches älter ist als das Internet selbst.
76 Prozent der Menschen seien offen im realen Leben angequatscht zu werden, schreibt Pearring auf dessen Webseite.
© Screenshot/pearring.co
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Wann hast du das letzte Mal eine Person angesprochen, die du auf der Strasse, in einer Bar oder im Bus gesehen hast und die dir gefallen hat? Hast du dich getraut? Oder eben nicht? Warst du dir unsicher, ob dein Gegenüber überhaupt Single ist?

Es spricht nichts dagegen, seinen Single-Status im Internet zu veröffentlichen – doch was ist mit dem echten Leben? «Pearring» richtet sich direkt an Hinge, Bumble und Tinder: «Von hier an übernimmt pear», wie sie auf ihrer Webseite schreiben. Entgegen allen Dating-Apps ermutigt das Unternehmen die Menschen, um hinauszugehen und neue Leute kennenzulernen. Der auffällige hellblaue Ring ist einzigartig und mache es möglich, alleinstehende Menschen in der Nähe als solche zu identifizieren.

Natürlicher als Tinder und Co. 

Der Single-Ring wird als «das weltgrösste soziale Experiment» vermarktet. 76 Prozent der Menschen sind bereit, im realen Leben angequatscht zu werden, wie sie weiter auf ihrer Webseite beteuern. Es sei die natürlichste Art, eine fremde Person kennenzulernen, ohne dass man sich anstrengen müsse.

Hinter dem Unternehmen «Pearring» steht ein kanadischer E-Commerce-Shop namens shopify. Um auf dessen Webseite zu gelangen, muss man bestätigen, Single zu sein. Ansonsten wird einem der Zugang verwehrt, was wohl die Idee des Ringes verdeutlichen soll. Den hellblauen Ring kann man für 24 Franken inklusive Versandkosten bestellen.

Nicht der erste Trend mit dieser Idee

Eine Person zu fragen, ob sie schon in festen Händen ist, stellt sich schon seit langem als unangenehme Hürde dar. Deshalb wurde das Konzept der Single-Kenntlichmachung schon vor vielen Jahren erfunden.

Schleife am Dirndl
Wer schon einmal ein Dirndl getragen hat, weiss, dass das traditionelle bayerische Trachtenkleid eine ganz eigene Sprache spricht. Einige Dirndl-Details enthalten zahlreiche traditionell überlieferte Codes.

  • Dirndl-Schleife vorne rechts gebunden: in einer Beziehung
  • Dirndl-Schleife vorne links: Single
  • Dirndl-Schleife vorne in der Mitte: Jungfrau
  • Dirndl-Schleife hinten in der Mitte: Witwe

Silikonarmbad «MY Single Band» 
Die Gründer von MY Single Band, ein britisches Unternehmerpaar, riefen bereits 2013 Singles dazu auf, aktiver zu werden und so mehr Chancen auf ein Date zu haben. Sie verkauften recht erfolgreich farbige Silikonarmbänder, welche ebenfalls als Erkennungsmerkmal für Singles galten. Damit sollte «das Unsichtbare sichtbar gemacht werden».

Buttons von Luzerner Projekt «chn.opf»
«chn.opf – Für jeden Topf den passenden Chnopf». Vor zwei Jahren initiierte die Luzernerin Stephanie Boo das Dating-Projekt «chn.opf». Damit unterstützt sie heute noch Menschen mit einem Beziehungswunsch mit Hilfe von speziell designten Buttons. Auf ihrer Webseite verkauft sie die Ansteckknöpfe, welche die aktuelle Beziehungsform und sexuelle Orientierung sichtbar machen.

Hanky Code oder Taschentuch-Code
Der sogenannte Hanky Code wird ausschliesslich von Menschen der LGBTQ+-Community verwendet. In den 70ern war der «Handkerchief Code» besonders bei homosexuellen Männern beliebt, um sexuelles Interesse zu signalisieren. Die Farbe des Tuches sowie die Taschenseite zeigt die sexuelle Vorliebe oder Praktiken des Tragenden an.

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Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 9. April 2023 15:27
aktualisiert: 9. April 2023 15:27