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So perfide erreichen dich Callcenter – dies zu verhindern, ist fast unmöglich

Frust am Telefon

So perfide erreichen dich Callcenter – dies zu verhindern, ist fast unmöglich

17.04.2023, 17:11 Uhr
· Online seit 17.04.2023, 17:07 Uhr
Es ist für jede und jeden ein leidiges Thema: ungebetene Werbeanrufe. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn sich die Callcenter nicht als solche ausgeben, sondern ihre Identität verschleiern. Gemäss Datenschutzexperten ist es schwierig, dies zu unterbinden.
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«Guten Tag. Ich bin von der Firma XY. Haben Sie kurz Zeit?»: Eigentlich ist das Thema alles andere als neu – seit Jahrzehnten gibt es Werbeanrufe. Ein neueres Phänomen hingegen ist, dass man oftmals gar nicht mehr erkennt, ob es sich beim Anrufer um ein Callcenter handelt oder nicht. In den vergangenen Wochen erhielt ich fast täglich Anrufe von «079»-Nummern, hinter denen sich Callcenter versteckten. Sogar während des Schreibens dieses Artikels wurde ich von einem solchen Callcenter kontaktiert.

Das Verschleiern und Vortäuschen eines vertrauenswürdigen Kontakts, wie mit einer gefälschten IP-Adresse, heisst «Spoofing». Diese Angriffsmethode gibt es, seit es das Internet gibt. Das sogenannte «Call-ID-Spoofing», also das Vorgeben einer falschen Telefonnummer, sei allerdings eine neuere Ausprägung, erklärt Reto Fanger. Er ist Rechtsanwalt in Luzern und Dozent im Bereich Datenschutzrecht an der Hochschule Luzern.

Fast unmöglich, Spoofing zu verhindern

Diese Form von Spoofing wird mithilfe einer Computer-Software gemacht. Verwendet wird diese einerseits von Callcentern, andererseits aber auch von Betrügern, um sich beispielsweise als falsche Polizisten auszugeben und ältere Menschen um ihr Vermögen zu bringen.

Gemäss Fanger sei Call-ID-Spoofing in der Schweiz strafbar, wenn betrügerische Absichten vorlägen. Das Dilemma: «Call-ID-Spoofing ist durch die Polizei und Staatsanwaltschaft schwierig zu verfolgen, da solche Betrüger meist aus dem Ausland agieren.» Dazu komme, dass die Unterscheidung zwischen Telefonmarketing und betrügerischem Spoofing oftmals schwierig sei. «Daran ändert auch die geplante Anpassung des Fernmeldegesetzes sowie des Bundesgesetzes über den unlauteren Wettbewerb nichts.»

Ärgerlich, aber ohne Schäden

Beim schweizweit grössten Telefonanbieter, der Swisscom, ist Spoofing ein bekanntes Problem. Das Zurückverfolgen sei schwer, da zahlreiche internationale Telekomanbieter zwischen dem Anrufenden und dem Angerufenen liegen würden. Sie würden zahlreiche Massnahmen ergreifen, um die Kunden vor Spoofing zu schützen. Aus Sicherheitsgründen geben sie aber keine Details dazu bekannt.

Personen, deren Nummern von Callcentern missbraucht werden, können aufatmen. Zwar ist dies sehr ärgerlich, vor allem wenn man Rückrufe bekommt von Leuten, die man nie kontaktierte. Aber gemäss den Erfahrungen der Swisscom seien missbrauchte Nummern oft nur wenige Tage von Spoofing betroffen. Ausserdem müssten sie sich nicht vor zusätzlichen Kosten auf der Telefonrechnung fürchten.

Als betroffene Person gibt es gemäss Fanger einige Möglichkeiten, solche Werbeanrufe zu verhindern. Einerseits könne man die klassischen Callcenter-Nummern beim Telefonanbieter melden, damit diese die Nummern stilllegen können. Auch könne man gewisse Nummern auf dem eigenen Handy blockieren oder durch einen sogenannten Callfilter sieben.

Bei Spoofing-Anrufen funktioniert dies allerdings nicht. «Aktuell gibt es keine technischen Massnahmen, um Call-ID-Spoofing vor dessen Auftreten zu verhindern, da die Telefonanbieter gesetzlich verpflichtet sind, jeden Anruf durchzustellen», so Fanger.

Broker dealen mit unseren Daten

Callcenter kommen an unsere Kontakt-Daten über verschiedene Wege. Einerseits durch die elektronischen Telefonbücher. Deswegen empfiehlt Datenschutzexperte Reto Fanger, die Nummer beim Anbieter mit einem Stern versehen zu lassen: «Werbeanrufe an Personen mit Sterneintrag im Telefonverzeichnis sind verboten.» Bei Anrufen trotz eines Sterneintrags soll man eine Beschwerde beim Staatssekretariat für Wirtschaft Seco machen.

Ausserdem soll man die Telefonnummer bei Wettbewerben, Bestellungen oder Ähnlichem nicht angeben. Wenn dies eine Pflichtangabe ist, sei es laut Fanger sinnvoller, auf den Wettbewerb oder die Bestellung zu verzichten. «Solche Kontaktdaten werden von Adressbrokern gehandelt und von Agenturen oder Unternehmen etwa für Marketingkampagnen eingekauft und verwendet.» Hierzu ist es auch wichtig, die jeweiligen Datenschutzbestimmungen zu lesen.

Sinnlos, Callcenter zu «veräppeln»

Wenn dann ein Callcenter am anderen Ende ist, gibt es gewisse Menschen, die sich einen Spass erlauben und die Anrufer veräppeln. Grundsätzlich sei rechtlich gesehen alles erlaubt, was niemandem finanziell, körperlich oder psychisch schadet. Laut Reto Fanger sei dies aber sinnlos: «Die Auswahl der Nummern erfolgt meist per Computer, sodass es nicht hilft, die Anrufenden in ein längeres, sinnentleertes Gespräch zu verwickeln.» Die Nummer könne trotzdem wieder per Zufallsgenerator ausgewählt werden. Deswegen rät er, die Zeit sinnvoller zu nutzen.

Es bleibt also zu hoffen, dass es in der Zukunft, möglichst bald, auch Callfilter für Spoofing-Anrufe gibt. Was hast du für Erfahrungen mit Werbeanrufen gemacht? Wurde deine Nummer sogar schon missbräuchlich von Callcentern verwendet? Schreibe es uns in die Kommentare.

veröffentlicht: 17. April 2023 17:07
aktualisiert: 17. April 2023 17:11
Quelle: PilatusToday

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