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Biografie

HCD-Trainer-Legende Arno del Curto über seine verrückte Karriere

18. November 2021, 18:45 Uhr
In seiner Biografie «Mit Köpfchen durch die Wand» blickt Arno del Curto auf eine lange und verrückte Karriere zurück. Weshalb er eine Biografie schrieb, wie der Rückzug aus dem Rampenlicht war und wieso es im Leben Rückschläge braucht, erklärt der 65-jährige Bündner im Interview mit ArgoviaToday.
In seiner Biografie «Mit Köpfchen durch die Wand» blickt Arno del Curto auf sein Leben zurück.
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie ein Buch herausbringen?

Arno del Curto: Als ich mit Eishockey abgeschlossen hatte, wusste ich, dass ich nochmals etwas machen muss. Weil ich immer wieder für Vorträge angefragt wurde, war ein Buch zu schreiben das Naheliegendste. Denn damit kann ich auch Vorlesungen machen. Das war zwar nicht meine Nummer-1-Wahl, aber die sicherste.

Eigentlich mögen Sie Personenkulte ja nicht wirklich. Ist ein eigenes Buch nun nicht eben ein solcher Personenkult?

Deshalb wollte ich es ja nicht machen. Nun ist es aber draussen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass es die richtige Entscheidung war.

Mussten Sie über gewisse Punkte im Buch selber staunen, als Sie es gelesen hatten?

Ich war mal mit der Mannschaft in einem Stripclub. Das findet im Buch ebenfalls statt. Im Nachhinein würde ich das vielleicht weglassen.

Wie war für Sie eigentlich der Rückzug aus dem Rampenlicht?

Für mich war es überraschend einfach. Vor allem, weil ich mich in andere Sachen stürzte und sehr viel zu tun hatte. Glücklicherweise hatte ich gar keine Probleme damit. Auf der anderen Seite war ich auch froh, nicht mehr im Mittelpunkt stehen zu müssen. Auch wenn ich jetzt dieses Buch herausgegeben habe und es leider wieder in die andere Richtung geht, das wird wieder vergehen.

Schauen wir den Beginn Ihres beruflichen Werdegangs an. Sie haben eine Banklehre gemacht und haben ein Verbot am Schalter gekriegt?

Ich hatte damals natürlich lange Haare, war ein Rebell und glich eher einem Hippie oder Musiker. Das war zu dieser Zeit sehr verpönt. Ich konnte diese Banklehre auch nur durchziehen, weil mein Vater in St. Moritz zwar ein einfacher, aber durch das Skispringen und als Schanzenchef ein angesehener Mann war. Deshalb drückten sie in der Bank wahrscheinlich alle Augen zu. Wenn ich jeweils dem Chef der Bank die Post bringen musste, musste ich mir Fett in die Haare schmieren, damit er nicht sah, dass ich lange Haare hatte.

Sprechen wir doch gleich über Ihren Vater. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre Arno del Curto Skispringer geworden.

Ja, wir waren eine Ski-Familie. Ich wollte aber immer einen Ball oder einen Puck – oder zumindest einen Mannschaftssport. Wäre ich in Zürich aufgewachsen, wäre ich wahrscheinlich Fussballer geworden. Deshalb musste ich dieser Leidenschaft im Geheimen nachgehen. Aber irgendwann sagte ich es meinem Vater. Er hatte es zwar nicht gern, musste es aber akzeptieren.

In Ihrem Buch zeigen Sie auch, dass in Ihrem Leben nicht immer alles gut lief. Es gab immer wieder Rückschläge. Braucht es solche Momente?

Wenn du mehr Dreck frisst, dann kannst du danach grössere Leistungen erbringen. Wenn du ins gemachte Bett geworfen wirst und nie etwas dazu beitragen musst, dass es noch besser wird, dann kannst du dein Niveau nicht halten. Wenn man muss, können Sachen erreicht werden, welche man zuvor nicht für möglich gehalten hatte.

Was wäre, wenn der HC Davos jetzt anrufen und sagen würde, dass man dringend jemanden brauche. Würden Sie zusagen?

Ich habe andere Projekte angefangen und bin davon völlig absorbiert. Eishockey könnte ich nicht mehr. Mir fehlt auch die Lust dazu. Und wenn man das machen will, dann braucht es Feuer und Leidenschaft. Das habe ich heute nicht mehr.

Was macht Arno del Curto – neben Bücher schreiben – heute so?

Das Buch zu schreiben brauchte viel Zeit (lacht). Meine Ghostwriterin wurde immer wieder böse, weil ich jeweils keine Zeit hatte. In Arosa habe ich aber zusammen mit einem Freund ein abgebranntes Haus gekauft. Dieses bauen wir nun zu einem Hotel um. Ein anderer Freund hat einen neuartigen Beton, CO₂-freundlich und schalldämmend, erfunden. Ich habe jetzt einen Investor gefunden und da gibt es wahrscheinlich bald eine Fabrik. Mal schauen, wie die Welt das annehmen wird. Daneben gibt es noch viele andere Sachen. Ich habe das Gefühl, dass ich vor Ideen sprudle. Mit der Zeit werde ich dann schon mal kürzertreten. Momentan sieht es aber noch nicht danach aus.

Gibt es noch etwas in Ihrem Leben, was Sie noch erreichen möchten? 

Beim Golfen hätte ich gerne einen schöneren Schwung und ein besseres Spiel. Das Handicap ist mir egal. Und ich würde gerne Klavierspielen lernen.

(red.)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 18. November 2021 19:37
aktualisiert: 18. November 2021 18:45