Ostafrika

Klimakrise und Ukraine-Krieg – Somalia steht vor Hungerkatastrophe

8. Juni 2022, 07:41 Uhr
Somalia steht nach UN-Angaben an der Schwelle zu einer Hungerkatastrophe. Im nordostafrikanischen Land hat es seit Jahren nicht genug geregnet. Und nun kommt auch noch der Ukraine-Krieg dazu, ein Grossteil des Weizenimports stammt aus Russland oder der Ukraine.

Quelle: CH Media Video Unit / Katja Jeggli

Zu wenig Regen, zu hohe Preise

In der vierten Regenzeit in Folge habe es in Somalia nicht genug geregnet, sagte Etienne Peterschmitt, Vertreter der UN-Agrarorganisation FAO, am Dienstag per Videoschalte aus Mogadischu zu Journalisten in Genf. Die Ernten seien praktisch ausgefallen. Es habe je nach Region 40 bis 70 Prozent weniger geregnet als üblich. Die Preise für Nahrungsmittel seien drastisch gestiegen und die nötigen Mittel für humanitäre Hilfe seien bislang nicht zusammengekommen. «Hunderttausenden Somaliern drohen Hunger und Tod», sagte Peterschmitt.

Fast die Hälfte hat nicht genug Essen

Rund 7,1 Millionen Menschen – das sind etwa 45 Prozent der Einwohner – hätten Probleme, genügend Essen für ihre Familien zu besorgen. Seit Mitte April sei die Zahl der am schwersten Betroffenen um 160 Prozent auf 213'000 gestiegen. Ihnen drohe der Hungertod. Seit Mitte 2021 seien rund drei Millionen Tiere wegen der Dürre und Krankheiten verendet.

85 Prozent der Weizen aus Russland oder Ukraine

Die Gründe liegen dabei neben der Klimakrise auch am Ukraine-Krieg. «Der gesamte Weizenimport stammt zu 85 Prozent aus Russland und der Ukraine. Die Ukraine macht etwa 50 Prozent aus, gegenüber 35 Prozent, die bisher aus Russland kamen», sagte der UN-Koordinator für Somalia, Adam Abdelmoula. Zudem treffe der Klimawandel Somalia besonders hart. «Die uns vorliegenden Informationen besagen, dass die Temperaturen in Somalia bis 2080 um 3,54 Grad steigen werden.» Damit werde das Land im Sommer praktisch unbewohnbar.

Interne Konflikte machen Versorgung schwierig

Auch 1,5 Millionen Kindern droht nach FAO-Angaben akute Mangelernährung. Interne Konflikte machten die Versorgung der Menschen schwierig. Nach Angaben von Peterschmitt werden dringend 105 Millionen Dollar (über 102 Millionen Franken) benötigt. Die FAO will Menschen auf dem Land sowohl mit Bargeld für den Einkauf von Lebensmitteln als auch in der Landwirtschaft unterstützen. Ernten sollen so besser werden, und den Menschen soll es dabei helfen, in ihren Dörfern zu bleiben.

(sda/log)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 8. Juni 2022 07:40
aktualisiert: 8. Juni 2022 07:41
Anzeige