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Verhungern lassen oder schiessen? Australien und sein Känguru-Dilemma

Futtermangel

Verhungern lassen oder schiessen? Australien und sein Känguru-Dilemma

· Online seit 22.05.2023, 18:02 Uhr
Die Zahl der Kängurus in Australien ist zuletzt explodiert. Das Problem: Den Tieren fehlt es an Futter. Experten empfehlen, einen Teil der hungernden Tieren zu jagen. Davon wollen aber Tierschützer nichts wissen.
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60 Millionen Kängerus leben bald in Australien. Das sind mehr als doppelt so viele Beuteltiere wie Menschen. Wegen Dürren war die Känguru-Population Anfang der 2000er-Jahre auf unter 30 Millionen gesunken.

Das Wetterphänomen La Niña bescherte Australien die vergangenen Jahre aber reichlich Niederschläge. «Nach drei Jahren La Niña an der Ostküste haben wir das perfekte Wachstumsszenario für Kängurus in den nächsten zwei Jahren», prognostiziert Dennis King vom Verband der Känguru-Industrie. «Der Fortpflanzungszyklus beschleunigt sich.»

Kängurus fressen schon Klopapier

Das Problem: Den Tieren fehlt es an Futter. Sie sollen bereits in öffentliche Toiletten einbrechen, um das Klopapier zu fressen und liegen verhungernd auf den Strassen.

Der beste Weg, Kängurus vor diesem Schicksal zu bewahren, sei, einen Teil zu jagen und ihr Fleisch und Leder zu nutzen, sagt die australische Umweltschützerin Katherine Moseby. Sie plädiert dafür, die Tiere als Ressource zu betrachten. «Das hält die Zahl der Kängurus niedrig, so dass wir bei einer Dürre keine Probleme bekommen.»

Kängurus sind in Australien zwar geschützt, aber die am weitesten verbreiteten Arten sind nicht vom Aussterben bedroht. Mit einer Genehmigung dürfen sie in den meisten Teilen des Landes gejagt werden. Jedes Jahr werden bis zu fünf Millionen Kängurus für den Handel erlegt.

«Tier zu schützen, hilft ihnen nicht»

Daran haben aber viele weltweit agierende Tierschutzorganisationen keine Freude. Sie prangern das kommerzielle Töten als «grausames Massaker» an. Sei es die Tötung für Fleisch oder des Leders wegen. Sie üben Druck auf die grossen Sportartikelhersteller wie Nike und Puma aus, damit sie kein Känguruleder mehr verwenden. Mit Erfolg: Nike hat sich 2021 von seinem einzigen Lieferanten für Känguruleder getrennt und der amerikanische Bundestaat Oregon, wo Nike zuhause ist, will die Verwendung «jeglicher Teile von toten Kängurus» verbieten.

Solche Kampagnen gegen die Känguru-Industrie seien zwar gut gemeint, aber nicht zielführend, heisst es in Australien. Umweltschützerin Moseby: «Die Kängurus nicht mehr wegen ihres Leders oder Fleisches zu töten, wird nicht für grösseres Wohlergehen der Tiere sorgen», sagt sie. «Das wird die Dinge nur noch schlimmer machen.»

(red./AFP)

veröffentlicht: 22. Mai 2023 18:02
aktualisiert: 22. Mai 2023 18:02
Quelle: FM1Today

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