Unwetter in Bayern

WM-Bobbahn von Flut zerstört – Merkel besucht Krisengebiet

19. Juli 2021, 12:28 Uhr
In Deutschlang stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer nach Unwettern am Wochenende auf fast 160. Während die Wassermassen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vielerorts zurückgingen und Aufräumarbeiten laufen, gab es in Bayern erneut massive Schäden.

Quelle: CH Media

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Die jüngsten Unwetter hatten zwar nicht die Ausmasse wie im Westen, doch war die Lage in Bayern am Sonntag weiterhin angespannt. Von katastrophalen Zuständen sei man zum Glück noch entfernt, sagte ein Sprecher der Polizei in Passau am Montag.

Auch im besonders stark von Unwettern getroffenen Berchtesgadener Land konnten die Menschen etwas aufatmen. «Die Nacht verlief ruhig», hiess es bei der Feuerwehr. Die Helfer seien jetzt mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Im Berchtesgadener Land war die Lage am Wochenende besonders dramatisch gewesen. Hier hatte die Wucht des Wassers mit voller Kraft zugeschlagen, nachdem der Fluss Ache über die Ufer getreten war. Mehr als 160 Menschen mussten in der Urlaubsregion rund um den Königssee aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden.

Die berühmte Bob- und Rodelbahn in Königssee, auf der im Januar noch die Weltmeisterschaften ausgetragen worden waren, wurde von einer Sturzflut und angeschwemmtem Geröll zerstört.

Laute Kritik an Kanzlerkandidat Laschet

Für Aufregung sorgte der Ministerpräsident des Bundeslands Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet. Auf Fernsehbildern und Aufnahmen von Fotografen ist der CDU-Politiker während einer Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Erftstadt im Hintergrund zu sehen. In einer Sequenz scherzen Laschet und seine Begleiter und lachen.

Bei Twitter gab es daraufhin harsche Kritik an Laschet. Der Pianist Igor Levit sah ein «würdeloses Verhalten». Der frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, sprach von «Pietätlosigkeit» gegenüber den Opfern.

Kanzlerkandidat Armin Laschet hat sich für den Eindruck entschuldigt, er habe sich während der Rede des Bundespräsidenten im Hochwassergebiet unangemessen verhalten. Er bedauere den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden sei. «Dies war unpassend und es tut mir leid», schrieb Laschet am Samstagabend im Kurznachrichtendienst Twitter. «Uns liegt das Schicksal der Betroffenen am Herzen, von dem wir in vielen Gesprächen gehört haben.»

In Rheinland-Pfalz machten sich Angela Merkel vor Ort ein Bild der Lage und redeten mit Einsatzkräften und Anwohnern. Schuld im Ahrtal und auch das knapp zehn Kilometer entfernte Adenau waren von Wasser-, Schlamm- und Trümmermassen erfasst worden. Beim Rundgang in Schuld tröstete die Kanzlerin den weinenden Bürgermeister. Merkel sagte auf der Pressekonferenz, Deutschland sei ein starkes Land und könne sich kurz- und mittelfristige Hilfen leisten. «Wir stehen an Ihrer Seite.» Zudem werde man das Klima stärker in den Blick nehmen. Sie verspricht: «Ich komm' im August noch mal wieder.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 19. Juli 2021 08:15
aktualisiert: 19. Juli 2021 12:28