Pestizide

Aargauer Trinkwasser-Verschmutzung: Es wird nicht besser

Adrian Frey, 4. August 2022, 16:50 Uhr
Zwei Drittel der Aargauer Gemeinden haben verschmutztes Trinkwasser. Was sie bis jetzt dagegen gemacht haben und wie es weiter geht, erfährst du im Artikel.
In der Schweiz enthält das Trinkwasser vielerorts Rückstände des verbotenen Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil.
© Reto Martin

Seit gut drei Jahren ist bekannt, dass viele Aargauer Gemeinden Trinkwasser haben, das mit Pestiziden verschmutzt ist. Genauer gesagt mit Chlorothalonil, das ist ein Pflanzenschutzmittel, das seit den 1970er-Jahren grösstenteils in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. In jeder achten Aargauer Gemeinde wurde der Grenzwert von 0.1 Mikrogramm pro Liter im Trinkwasser überschritten, sodass seit Anfang 2020 dieses Produkt schweizweit verboten wurde. Daraufhin setzte der Bund dem Kanton und den betroffenen Gemeinden eine Frist von zwei Jahren, um die Werte für Chlorothalonil zu senken.

Frist konnte nicht eingehalten werden

Dagegen hat sich die Firma Syngenta, die Chlorothalonil vertreibt, gewehrt: «Die festgelegten Höchstwerte wurden aufgehoben, weil dagegen eine Beschwerde von Syngenta eingereicht wurde», sagt Alda Breitenmoser, Leiterin des Amts für Verbraucherschutz des Kantons Aargau. Syngenta hat durch diesen Zwischenentscheid beim Bundesverwaltungsgericht bewirkt, dass dieser Höchstwert bis zum Schlussentscheid über die tatsächliche Beschwerde nicht mehr angewendet werden darf. Zudem darf das zuständige Bundesamt Chlorothalonil nicht mehr als krebserregendes Pestizid bezeichnen. Wie diese Klage weiter geht, liegt in der Hand des Bundesverwaltungsgerichts. Wann dies der Fall sein wird, ist nicht bekannt.

Die roten Punkte zeigen die Chlorothalonil-Verschmutzung im Trinkwasser. Das Mittelland ist wegen des ausgeprägten Ackerbaus in der Landwirtschaft besonders betroffen.

Es gibt keine wirksamen Filter

«Um dieses Pestizid aus dem Trinkwasser zu filtern, gibt es keine taugliche Lösung, die funktioniert. Darum gibt es nur eines: Dass Chlorothalonil gar nicht in das Wasser reinkommt. Darum war der Entscheid, dieses Pflanzenschutzmittel zu verbieten, der richtige», sagt Alda Breitenmoser.

Verbraucherschutz: Keine Bedenken über Trinkwasserqualität

«Im Mittelland und so auch im Aargau wird intensiver Ackerbau betrieben, deshalb finden sich mehr Spurenrückstände von Pestiziden als in den Bergen», sagt Alda Breitenmoser. Dadurch wurden in der Vergangenheit auch mehr Pestizide eingesetzt als in anderen Kantonen. Trotz der stärkeren Verschmutzung gibt Alda Breitenmoser Entwarnung: «Das Trinkwasser im Aargau hat eine gute Qualität. Das Wasser kann man trotz der Spurenbelastung trinken. Da muss man keine Angst haben und auf Mineralwasser umsteigen.»

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 5. August 2022 05:57
aktualisiert: 5. August 2022 05:57
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