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«Nichts darf passieren» – bei den historischen Chorfenstern brauchts Fingerspitzengefühl

Klosterkirche Königsfelden

«Nichts darf passieren» – bei den historischen Chorfenstern brauchts Fingerspitzengefühl

· Online seit 30.04.2023, 09:10 Uhr
Die Klosterkirche in Königsfelden ist seit mehreren Wochen in ein Baugerüst eingepackt. Grund dafür ist die Restaurierung der Kirche. Dabei werden auch die wertvollen Chorverglasungen kontrolliert und nötigenfalls ausgebessert. Wir haben die zuständigen Glasmalerinnen in ihrer Werkstatt in Windisch besucht.

Quelle: ArgoviaToday / Severin Mayer

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Alle elf Fenster des Chores der Klosterkirche Königsfelden wurden während der letzten drei Monate ausgebaut. Die 330 sogenannten Felder und elf Masswerke aus dem 14. Jahrhundert werden aufgrund von bemerktem Kondenswasser kontrolliert und nötigenfalls auch gesichert, ausgebessert und restauriert.

Die Schutzverglasung sei über die Jahre undicht geworden, was zu Schäden durch Kondenswasser führen könne. Für den Chefkurator Sammlung und Ausstellungen beim Museum Aargau, Rudolf Velhagen, ein grosses Problem. Denn man müsse alles daransetzen, dass die Fenster auch für die Nachwelt in einem Topzustand erhalten bleiben.

Viel Liebe fürs Detail

Für das 5-Millionen-Franken-Projekt ist das Glasatelier Dold zuständig. Aline Dold und Friederike Szlosze haben für die Arbeiten eine eigene kleine Werkstatt in unmittelbarer Nähe der Kirche aufgebaut. Dort wird jedes einzelne Glas auf kleinste Veränderungen untersucht und alles dokumentiert und festgehalten.

Bei den Kontrollen entdecken die beiden Details, die teilweise aus dem Innern des Chores gar nicht sichtbar sind. Friederike Szlosze kann dazu nur sagen: «Ich finde es ganz grandios zu sehen, mit was für einer Liebe zum Detail gearbeitet wurde.» Für Aline Dold hat das ganze Projekt auch einen persönlichen Bezug. Als sie selbst noch zur Schule ging, restaurierte ihr Vater die Verglasungen der Klosterkirche.

Deshalb sei es umso wichtiger, dass nichts passiere. Die Frage, was man tun würde, wenn ein Fenster beim Ausbau zu Boden fallen würde, beantwortet Aline Dold normalerweise mit dem nicht ganz ernst gemeinten Spruch, dass sie hinterher springen würde. Die Verglasungen haben nämlich nicht nur einen materiellen Wert, sondern auch historisch betrachtet sind sie einzigartig und äusserst kostbar.

Der Zustand der Felder ist erfreulich

Falls etwas bei den Fenstern angepasst oder ausgebessert werden muss, geschieht das alles in engem Austausch mit der Denkmalpflege. Die Verantwortlichen möchten so viele Fenster im originalen Zustand aus dem Mittelalter erhalten, wie es nur möglich ist.

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Das Urteil von Aline Dold und Friederike Szlosze über den Zustand der Fenster ist erfreulich. Denn in den letzten Jahren seien kaum weitere Mängel hinzugekommen. Die Fenster seien in einem sehr guten Zustand und benötigten kaum oder nur wenige Restaurationsmassnahmen. So sollten die 330 Felder und elf Masswerke ohne grosse Veränderungen alle wieder in den Chor eingebaut werden, damit sie mit ihrem Glanz den ganzen Raum erhellen können.

Wer die Verglasung in der Klosterkirche Königsfelden noch nie gesehen hat, sollte dies unbedingt tun, so Aline Dold. Natürlich erst, wenn die Fenster wieder an ihrem richtigen Platz sind. Denn die elf Fenster gehören zu den bedeutendsten und beeindruckendsten Glasmalereien der Schweiz.

veröffentlicht: 30. April 2023 09:10
aktualisiert: 30. April 2023 09:10
Quelle: ArgoviaToday

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