Aargau/Solothurn

Spoofing: Radiomoderator Florian Michel wird Opfer von Callcenter-Masche

Frust am Telefon

Callcenter missbrauchen deine Handynummer? Das kannst du tun

16.01.2024, 11:50 Uhr
· Online seit 16.01.2024, 06:55 Uhr
Ausländische Callcenter missbrauchen Schweizer Handynummern, um Werbeanrufe zu tätigen. Die wahren Besitzer und Besitzerinnen der Nummern erleben eine Flut an Rückrufen. Was steckt dahinter?
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Immer wieder klingelt dein Handy. Am anderen Ende ist eine dir fremde Person, die behauptet, einen Anruf von dir verpasst zu haben. Bei den ersten Malen gehst du davon aus, die Anruferin oder der Anrufer hat sich geirrt. Später lässt du dir von der Person die Nummer diktieren. Niemand von beiden weiss, was dahinter steckt. Klar ist nur, du hast nie angerufen und doch hat die Person deine Nummer.

Passiert ist das dem Zürcher Radiomoderator Florian Michel. Ein Callcenter rief unter seiner Nummer bei anderen Personen an. Dieses Phänomen nennt sich Spoofing. Dabei wird mit technischen Tricks beim angerufenen Telefon anstatt der Originalrufnummer des Anrufers eine fingierte Zahlenfolge angezeigt. «Ich war sehr schockiert, dass meine Nummer so missbraucht werden kann», sagt Florian Michel im Gespräch mit der Today-Redaktion. «Ich habe diese Nummer seit 22 Jahren und dachte immer, sie sei meine.»

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Was steckt dahinter?

In der Schweiz sind Werbeanrufe verboten. Deshalb sind die meisten Rufnummern der ausländischen Callcenter in der Schweiz gesperrt. Sie umgehen die Barriere, indem sie Schweizer Handynummern fälschen und bei einem Anruf auf deinem Bildschirm erscheinen lassen. Möglich ist diese Masche, da die meisten Anrufe mittlerweile übers Internet getätigt werden können.

Nimmst du den Anruf an, versuchen dir die Callcenter-Mitarbeitenden eine Versicherung anzudrehen oder dich dazu zu bringen, an einer Umfrage teilzunehmen. Verpasst du den Anruf allerdings und rufst auf die Nummer zurück, antwortet am anderen Ende der Eigentümer oder die Eigentümerin der Handynummer – wie es Florian Michel passiert ist. Diese Technik wird nicht nur von ausländischen Callcentern angewendet, sondern auch von Cyberkriminellen, die sie für ihre betrügerischen Machenschaften nutzen.

Der Polizei sind die Hände gebunden

Der Zürcher Kantonspolizei sind solche Spoofing-Anrufe bekannt, wie es auf Anfrage heisst. Zu deren Häufigkeit gibt es allerdings keine Angaben. Laut Vanessa Rumpold, Mediensprecherin der Kantonspolizei Aargau, kommen solche Spoofing-Anrufe sehr häufig vor. Sie geht allerdings davon aus, dass die meisten Fälle bei der Polizei gar nicht erst gemeldet werden. «Betroffene melden diese Fälle am besten direkt bei ihrem Netzanbieter», so Rumpold. Solange die Callcenter oder andere Spoofing-Anrufer von den Kunden kein Geld verlangen würden, ist dies laut Rumpold auch keine Straftat, die die Polizei verfolgen könnte.

Schweizer Netzanbieter versuchen zwar, die entsprechenden Callcenter ausfindig zu machen, dies stellt sich in den meisten Fällen allerdings als sehr schwierig heraus. Laut verschiedenen Netzanbietern kann zwar das Callcenter auf Wunsch der Netzkundinnen und -kunden gesperrt werden, doch löst dies häufig das Problem nicht. Callcenter wechseln ihre Rufnummern so oft wie möglich, um auch diese Blockaden zu umgehen. So beginnt das Spiel wieder von vorne.

Was kann ich gegen Spoofing tun?

Die verschiedenen Netzanbieter raten Kundinnen und Kunden generell, keine Anrufe von unbekannten Nummern entgegenzunehmen oder zurückzurufen. Falls deine Nummer für Spoofing missbraucht wurde, solltest du bei der Polizei eine Anzeige erstatten und den Anruf bei deinem Anbieter melden.

Swisscom rät zudem, den Call-Filter zu aktivieren. Dieser sollte dich vor unerwünschten Werbeanrufen und auch vor den meisten Spoofing-Anrufen schützen. Wird deine Nummer jedoch trotzdem noch für Spoofing missbraucht und du bekommst regelmässig Rückrufe von fremden Personen, bleibt oft nur noch ein Rufnummernwechsel. In den meisten Fällen ist dieser gratis.

Kein Anbieter kann die Handynutzenden zu 100 Prozent vor Spoofing schützen. Auch die Polizei hat bis heute noch kein Mittel gegen die unerwünschten Anrufe entwickelt. Helfen würde laut der Kantonspolizei allerdings, wenn du den Missbrauch unter cybercrimepolice.ch meldest und Anzeige gegen Unbekannt wegen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage und Verletzung des Art. 3 Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb erstattest.

Internationale Verifizierung von Rufnummern wäre eine Lösung

Der vom Spoofing betroffene Radiomoderator Florian Michel wünscht sich, dass auf gesetzlicher Ebene mehr gegen das Nummern-Kapern getan wird. Laut Bundesamt für Kommunikation Bakom sind dazu die entsprechenden Bestimmungen sowohl im Fernmelde-, als auch im Lauterkeitsrecht eigentlich vorhanden. Allerdings seien die Telefonanbieter auch verpflichtet, sämtliche legalen Anrufe durchzustellen. Leider sei nicht ohne Weiteres erkennbar, ob es sich bei einem Anruf um eine legale oder illegale Verwendung einer Nummer handelt.

Um Spoofing effektiver bekämpfen zu können, wäre grenzüberschreitende Zusammenarbeit nötig, heisst es beim Bakom auf Anfrage. Auf internationaler Ebene liefen seit einiger Zeit Diskussionen über die Einführung eines Verifizierungsprozesses für Telefonnummern. Vor allem die Anerkennung der entsprechenden Zertifikate müsse möglichst umfangreich und global erfolgen, damit die Verifizierung möglichst umfangreich gewährleistet werden könne. Da es sich dabei aber um einen internationalen Prozess handelt, dürfe die Einführung wohl noch etwas dauern, so das Bakom.

veröffentlicht: 16. Januar 2024 06:55
aktualisiert: 16. Januar 2024 11:50
Quelle: ZüriToday

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