Wandel der Zeit

Deshalb heissen die meisten Beizen in der Schweiz gleich

· Online seit 25.06.2023, 13:25 Uhr
Seengen, Zofingen, Frick und Baden, sie alle haben einen «Rebstock». Andere Orte haben hingegen das «Rössli» oder den «Sternen». Und in der Nachbargemeinde ebenso. Aber warum heissen die Beizen scheinbar alle gleich? Wir haben nach einer Antwort gesucht.
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Ob im Dorf oder in der Stadt, die Restaurants und Beizen haben gefühlt alle die gleichen Namen. Doch hinter den scheinbar unkreativen Namen steckt Geschichte. «Das Gasthaus ist nicht nur der Ort, wo Alkohol in grösseren Mengen fliesst, sondern auch ein Ort, wo Menschen zusammenfinden», so definiert der Namensforscher Lorenz Jehle den Gasthof in einem Artikel im internationalen Handbuch zur Onomastik. Weiter schreibt er auch, dass mittlerweile jedes Gebäude als Gasthof zählt, das gewerbsmässige Beherbergungen, Verpflegungen oder Unterhaltung anbietet. Sprich auch die Imbissbude oder der Club zählt somit als ein Gasthof.

Darum haben Gasthöfe Namen 

Dass Gasthöfe einen Namen haben, hat gemäss Jehle eine Verbindung zu den im 12. Jahrhundert aufgekommenen Hausnamen. Früher wurden Häuser nämlich nicht nummeriert, sondern erhielten Namen und oftmals auch ein Hauszeichen. Dies hatte aber hauptsächlich praktische Gründe, um sich beispielsweise orientieren zu können. Im 19. Jahrhundert wurden die Hausnamen sodann durch Nummern ersetzt. Nicht aber bei den Gasthöfen, diese behielten ihre Namen und die bildliche Darstellung, wie zum Beispiel einen Kranz. Das diente den Analphabeten und Analphabetinnen  – so erhielten sie eine Orientierungsmöglichkeit, die sie beispielswiese in die Herberge «Im Krug zum grünen Kranz» führte.

Religion, Wappen und Zünfte als Inspiration

Die Namen der traditionellen Gasthöfe stammen oftmals noch aus dem Mittelalter. Häufig hatte der Namen einen religiösen Hintergrund. So unter anderen beim «Sternen», welcher auf den Stern von Bethlehem zurückführen kann. Aber auch Wappentiere wie Adler oder Löwen waren beliebt für die Namensgebung. Der Namenforscher erklärt in seinem Artikel zudem über den Einfluss von Zünften. Viele Gasthäuser seien auf bestimmte Kreise und Gäste eingestellt und abhängig gewesen und machten es mit Schild und Namen kenntlich. So wendeten sich zum Beispiel die Gasthöfe mit dem Namen «Schiff» speziell an die Schiffsleute.

Neue Einflüsse, neue Namen

Die Namengebung für Gasthäuser hat sich aber im Laufe der Jahrhunderte verändert. Politische, soziale oder auch wirtschaftliche Veränderungen haben jedoch die Namensgebung beeinflusst. Zwar sind traditionelle Namen wie «Bären» oder «Traube» immer noch beliebt, aber längst nicht mehr bevorzugt, wie es Lorenz Jehle festhält. «Das Innovationspotenzial in der Namensgebung des Gasthauses verweist auf das Denken des Volkes in einer rasch sich wandelnden Zeit» damit erklärt er diese Entwicklung. Ein grosses goldenes M vor dem Gasthaus wäre im Mittelalter also noch «Gasthof zur goldenen Möwe» genannt worden, aber heutzutage ist es eben mit den neuen Einflüssen zu «McDonalds» geworden.

veröffentlicht: 25. Juni 2023 13:25
aktualisiert: 25. Juni 2023 13:25
Quelle: ArgoviaToday

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