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Herrenloses Fahrzeug überrollte Vater und Söhne – Halter verurteilt

Boswil

Herrenloses Fahrzeug überrollte Vater und Söhne – Halter verurteilt

28.02.2024, 06:18 Uhr
· Online seit 27.02.2024, 11:43 Uhr
Ein herrenloses Fahrzeug hat in Boswil im April 2022 einen Familienvater mit seinen beiden Kindern überrollt, eines der Kinder ist später im Spital seinen Verletzungen erlegen. Weil das Auto beim Parkieren nicht ausreichend gesichert wurde, musste sich nun der Halter vor Gericht verantworten.
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In Boswil ist es am 26. April 2022 kurz nach 18.30 Uhr zu einem schweren Unfall gekommen. Dabei hat ein herrenloses Fahrzeug einen Familienvater mit seinen beiden Kindern überrollt.

Ein damals 68-jähriger Mann hatte zuvor seinen Opel auf der abschüssigen Kalchäckerstrasse abgestellt. Nach dem Verlassen des Fahrzeuges sei das Auto führerlos ins Rollen geraten und überfuhr dabei einen Vater und seine beiden Söhne, die gerade dabei waren, einen Abfallsack zu entsorgen. Der damals 31-jährige Mann und das ältere Kind sind bei dem Unfall leicht verletzt und mit der Ambulanz ins Spital gebracht worden. Der jüngere Sohn (2) musste schwerstverletzt mit dem Helikopter nach Zürich ins Spital geflogen werden, wo er seinen schweren Verletzungen erlegen ist.

Vorwurf der fahrlässigen Tötung und mehrfachen Körperverletzung

Nun musste sich der heute 70-Jährige vor dem Bezirksgericht Muri verantworten. Die Aargauer Staatsanwaltschaft warf ihm fahrlässige Tötung und mehrfache Körperverletzung vor. So soll Beschuldigte laut Anklageschrift an der Strasse angehalten haben, weil die Kontrollleuchte anzeigte, dass die hintere Tür offenstand. An der parkierten Stelle wies die Strasse ein Gefälle von 12,2 Prozent auf. Der Beschuldigte drückte den Schalter der elektronischen Parkbremse, aufgrund des Fahrzeugmodells bewirkte dies allerdings nichts. Die Handbremse war demnach nicht gezogen.Daraufhin legte der Beschuldigte den Leerlauf ein, der Motor lief weiter.

Der Mann stieg aus dem Auto aus und aktivierte somit das Berg-Anfahr-System, was dazu führte, dass die Parkbremse automatisch für zwei Sekunden aktiviert wurde. Der Mann schloss die hintere Fahrtüre und ging anschliessend zu einer Mulde mit Abfallblech. Zeitgleich lösten sich die Bremsen des Opels. Der damals 68-Jährige wollte noch ins Auto einsteigen, weil er den Vater und die zwei Söhne gesehen hatte, wurde aber von der Fahrtür erfasst und ist hingefallen, wie es weiter heisst. Am Fahrzeug hätten sich keinerlei Mängel an der Bremsanlage gezeigt, der Beschuldige hätte das Auto lediglich ausreichend sichern müssen. Der Unfall wäre somit vermeidbar gewesen, kommt die Staatsanwaltschaft zum Schluss.

Quelle: ArgoviaToday/Leonie Projer

Gericht spricht Mann schuldig

Daher forderte sie eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten bedingt, eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 90 Franken bedingt und eine Busse in Höhe von 2700 Franken. Der Beschuldigte hat die Tat gestanden und ein verkürztes Verfahren beantragt. Das Gericht folgte nun am Dienstag diesem Antrag und sprach den Mann schuldig. Er muss nebst der Busse auch die Verfahrenskosten und Gebühren in der Höhe von knapp 20'000 Franken bezahlen.

veröffentlicht: 27. Februar 2024 11:43
aktualisiert: 28. Februar 2024 06:18
Quelle: ArgoviaToday

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