Astra Bridge

Oben fahren, unten bauen: Eine Probefahrt über die mobile Baustellenbrücke

Janina Schenker, 13. Dezember 2021, 19:13 Uhr
Das Bundesamt für Strassen Astra hat eine mobile Brücke entwickelt, um Baustellen-Staus zu reduzieren. Ab Ende März 2022 soll die Astra Bridge als Pilotprojekt auf dem A1-Abschnitt zwischen Recherswil und Luterbach zum Einsatz kommen. ArgoviaToday konnte die Brücke bereits heute testen.

Quelle: ArgoviaToday / Severin Mayer

Durch das ständig wachsende Verkehrsvolumen werden die Zeitfenster für Nachtarbeiten immer kürzer. Die Lösung des Bundesamts für Strassen lautet: eine mobile Hilfsbrücke, die sogenannte Astra Bridge. Währenddem der Verkehr zweispurig über die Brücke fährt, können gleichzeitig Bauarbeiten unterhalb durchgeführt werden.

Das wohl längste Fahrzeug mit Rädern in der Schweiz

Die Astra Bridge ist mit einem Fahrwerk ausgerüstet. Sie kann hydraulisch um 10 Zentimeter angehoben in Längs- und Querrichtung fahren, wie an der Medienkonferenz am Montag vorgeführt wird. Unter der Konstruktion werden Bauarbeiten auf einer Länge von 100 Metern, 5.10 Meter Breite und 3.10 Meter Höhe ausgeführt. Sind die Arbeiten unter der Brücke abgeschlossen, fährt sie ferngesteuert 100 Meter weiter für den nächsten Bauabschnitt. «Ich glaube, das ist das wohl längste Fahrzeug mit Rädern in der Schweiz. Ich kenne zumindest kein längeres», sagt Richard Kocherhans, Chef der Astra-Filiale Zofingen gegenüber ArgoviaToday. Mit der üblichen Vorsignalisation ergibt sich eine Baustellenlänge von ca. 1500 Metern. Anschliessend haben Verkehrsteilnehmende wieder freie Fahrt.

Intensiver Auf- und Abbau 

Für die Montage sind 16 Lastwagen mit Tiefbettanhänger erforderlich. Diese müssen insgesamt 45 Fahrten ausführen, um die Teile zu transportieren. «Der Auf- und Abbau ist am personalintensivsten. Insgesamt sind etwa 40 Personen im Einsatz», so Kocherhans. Diese müssten innerhalb von zwei Nächten die gesamte Brücke für den Ersteinsatz positionieren können. Der kritische Moment bei der Montage und Demontage sei der Einsatz der vier Pneukräne. Es sind zwei 110-Tonnen-Pneukräne und zwei 45-Tonnen-Pneukräne notwendig. Zusätzlich kommen vier Hebebühnen zur Verschraubung von Portalen und Zwischensegmenten zum Einsatz. Weiter seien zwei elfköpfige Montageteams im Einsatz.

Unser Selbstversuch: ruckelig wie auf einer (gemütlichen) Achterbahn

Ende März 2022 soll die Astra Bridge als Pilotprojekt bei Belagssanierungen auf dem A1-Abschnitt zwischen Recherswil und Luterbach erstmals zum Einsatz kommen. ArgoviaToday konnte die Brücke bereits jetzt befahren. Zugegeben: Vor der Abfahrt braucht es ziemlich Überwindung, um die Brücke mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometer pro Stunde zu überqueren. Der Untergrund fühlt sich wegen der verschiedenen Elemente etwas ruckeliger an als bei anderen Brücken. Insgesamt erinnert die Überquerung der Hilfsbrücke etwas an eine Achterbahnfahrt, ohne Loopings, wohlverstanden. Stände die Astra Bridge im Europapark, entspräche sie etwa dem Alpenexpress Enzian, weit weniger abenteuerlich als die Silverstar, aber doch etwas rasanter als eine Fahrt mit der Monorail-Bahn.

Quelle: TeleM1

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 13. Dezember 2021 19:50
aktualisiert: 13. Dezember 2021 19:50
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