200'000 Franken Schaden

Bundesgericht beschäftigt sich mit Velodiebstahl in Kleindöttingen

4. Januar 2023, 15:28 Uhr
Eine Diebesbande aus dem Baltikum hat 2018 Velos im Aargau und in Wädenswil im Gesamtwert von 420'000 Franken gestohlen. Wie sich später herausstellte, war das nur die Spitze des Eisbergs ihrer organisierten Kriminalität. Bis zuletzt versuchte der Initiator straffrei davon zu kommen.

Quelle: Tele M1 / Beitrag vom 18.05.2018

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Was in Kleindöttingen im Mai 2018 begonnen hat, ist kürzlich in Lausanne vor Bundesgericht geendet. Vor beinahe fünf Jahren hat sich eine Gruppe aus dem Baltikum auf Diebestour begeben. Sie brachen ein bei Velohändlern in Kleindöttingen und in Wädenswil am Zürichsee. Dabei konnten sie 74 Velos zwischen 2000 und 10'000 Franken erbeuten. Der Wert des Diebesguts umfasst 420'000 Franken. Allein in Kleindöttingen im Velogeschäft von Walter Keller machten die Gauner Beute im Wert von 200'000 Franken.

Schon im Jahr 2020 wurden drei der vier Beteiligten vom Bezirksgericht Horgen zu Freiheitsstrafen verurteilt. Darunter zwei lettische Brüder und ein heute 45-jährigen Litauer, der gemäss den Richtern der Kopf der Bande war. Bis zuletzt beharrte der Litauer auf seiner Unschuld – die Brüder hingegen waren geständig, wie die «Zürichsee-Zeitung» berichtet. Weil der 45-Jährige auf seine Unschuld pochte, musste sich nun das oberste Schweizer Gericht mit ihm beschäftigen.

Deutsche Polizei hatte die Männer im Visier

Das Bezirksgericht hatte die Bande 2020 wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs und schwerer Geldwäscherei verurteilt. Um die riesige Menge an Velos zu klauen und zu verstecken, fuhren die Männer immer nachts mit einem Lieferwagen von Deutschland in die Schweiz. Wieder in Deutschland wurden die Velos in schwarze Folie gewickelt und in ein Lager verfrachtet, um sie anschliessend nach Litauen zu schicken, wie es weiter heisst.

Allerdings kam die Ware niemals in Litauen an. Die deutsche Polizei konnte der Bande vorher Einhalt gebieten. Die Ermittler hatten die Männer wegen Diebstahls von 200 Kilogramm Kokain schon auf dem Schirm. Daher wurden ihre Telefone abgehört. Bei der Überwachung sprachen die Männer über den Diebeszug in Wädenswil und erwähnten einen weiteren Namen. So kamen die Ermittler auf die Spur des 45-Jährigen.

Keine eindeutige Erklärung

Allerdings bestritt der Litauer bis zuletzt, dass es sich dabei um ihn handle. Sein Anwalt war von der Unschuld des Mannes überzeugt. Dieser gab vor Gericht an, dass bei seinem Mandanten im Februar 2018 Krebs diagnostiziert wurde und er daher zu schwach für einen Diebeszug gewesen sei, so die Zürichsee-Zeitung. Ausserdem sei er einen Tag nach dem Einbruch bei der Geburtstagsfeier seiner Schwiegermutter gewesen.

Warum sein Handy zum Tatzeitpunkt in der Schweiz eingeloggt war und weshalb er Bilder von Velogeschäften auf seinem iPad hatte, konnte der Litauer nicht wirklich und eindeutig erklären. Daher wurde der Mann vom Bezirksgericht in Horgen zu vier Jahren Gefängnis, einer Geldstrafe von 50 mal 30 Franken und einem Landesverweis von zehn Jahren verurteilt.

Vor dem Bundesgericht versuchte er nochmals seine Unschuld zu beweisen. Man habe ihm nicht das Recht auf einen «Anwalt erster Stunde» gewährt, sein Verteidiger sei nicht über alle Tatvorwürfe von Beginn an informiert gewesen. Darüber hinaus bestritt er weiterhin, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Es blieb allerdings beim Versuch: Die Strafe bleibt bestehen, hinzu kommen jedoch weitere 1200 Franken an Gerichtskosten.

(sib)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 4. Januar 2023 15:25
aktualisiert: 4. Januar 2023 15:28