Döttingen

Zum Schutz der Fische: Axpo will die Aare beim AKW Beznau natürlich kühlen

· Online seit 22.07.2023, 07:00 Uhr
Das Kühlwasser des AKW Beznau erwärmt die Aare zusätzlich und bedroht die Fische. Die Betreiberin Axpo steht deswegen in der Kritik. Gegner fordern die Abschaltung. Nun hat der Energieversorger einen Versuch gestartet. Mit dem Ziel, Grundwasser in den Fluss zu leiten.
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Die gute Nachricht: Durch die Niederschläge der letzten Tage sind die Wassertemperaturen zurückgegangen. Am Freitagvormittag lag der Wert der Aare bei der Messstation in Klingnau unterhalb des AKW Beznau bei 21,8 Grad, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. Aufgrund der Werte der letzten Jahre dürfte es sich allerdings nur um eine temporäre Beruhigung handeln. Vergangenen Sommer lag die Temperatur mehrfach über 25 Grad, die für Äsche und Forellen lebensgefährlich ist.

Verschärft wird das Problem beim AKW Beznau in Döttingen, weil das Kühlwasser der Anlage dort in die Aare fliesst. Aus diesem Grund musste die Betreiberin Axpo am Dienstag vor einer Woche die Leistung reduzieren. Das Bundesamt für Energie schreibt vor, wenn die Temperaturen an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 25 Grad liegen und die Wetterprognose für weitere zwei Tage keine Abkühlung voraussagt, muss das Kraftwerk abgeschaltet werden, bis die Temperaturen wieder zurückgehen.

Umweltorganisationen geht das zu wenig weit. Greenpeace forderte deshalb dass es bald zu einer Abschaltung kommen müsse.

Axpo lanciert Pilotprojekt

Die Axpo handelt nun ihrerseits: Um herauszufinden, ob in der Aare bei besonders warmem Wasser kühle Rückzugsmöglichkeiten für Fische geschaffen werden können, führt die Energiebetreiberin gerade einen Pilotversuch durch.

«Wir wissen, dass es unterhalb des Wasserkraftwerks, das sich wie das Kernkraftwerk auf der Insel Beznau befindet, sogenannte Grundwasseraufstösse gibt», sagt Axpo-Umweltingenieurin Nadia Semadeni. Das kühle Grundwasser drücke hier von unten in die Aare und werde dann vom Fluss mitgenommen, so Semadeni. Diese Grundwasseraufstösse seien jedoch gering, da der Flussboden verfestigt sei.

800 Kubikmeter Material ausgehoben

Ziel des Pilotversuchs ist es, diese Verfestigung zu lösen, damit natürlicherweise mehr kühles Grundwasser in den Fluss gelangt, und damit die Folgen von starken Hitzeperioden abzumildern. Durch Grabungen in der Aare, welche die Axpo auf eigene Initiative durchgeführt hat, hoffe man, dass in diesen Bereichen lokal kühlere Grundwassergruben entstehen, schreibt das Unternehmen.

Die Baggerarbeiten starteten vor rund drei Wochen und sind unterdessen abgeschlossen, sagt Axpo-Sprecher Noël Graber auf Anfrage. Die Gruben wurden in Absprache mit den kantonalen Behörden mit einem Ponton-Bagger ausgehoben. «Es handelt sich um zwei Gruben, aus denen je rund 800 Kubikmeter Material ausgehoben wurden», so Graber. «Wir wissen aktuell nicht, wie erfolgreich die Massnahme sein wird», ergänzt Nadia Semadeni.

Resultate bis im Herbst erwartet

Bedenken, dass das Projekt Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel haben könnte, seien begrenzt. «Da die einfliessenden Wassermengen im Vergleich zum Grundwasserkörper sehr klein sind, ist der Einfluss praktisch vernachlässigbar», sagt Nadia Semadeni. «Dennoch werden wir beobachten, wie sich der Grundwasserspiegel während des Projekts verhält.»

Während des Sommers wird nun geprüft, ob die Massnahmen Wirkung zeigen und das Grundwasser tatsächlich in den nötigen Mengen in die Aare gelangt. «Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe des Herbsts Aussagen über die Resultate des Pilotprojekts treffen können», sagt Noël Graber. Am Betrieb des Kernkraftwerks ändere ein allfälliger Erfolg des Pilotprojekts nichts, so die Axpo. Das älteste Atomkraftwerk der Schweiz werde die Vorgaben bei hohen Wassertemperaturen weiterhin einhalten.

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(Daniel Weissenbrunner, Aargauer Zeitung)

veröffentlicht: 22. Juli 2023 07:00
aktualisiert: 22. Juli 2023 07:00
Quelle: Aargauer Zeitung

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