Schläge und Missbrauch

Ehemalige Schüler beschuldigen Ex-Chocolatier Jürg Läderach

22.09.2023, 13:14 Uhr
· Online seit 22.09.2023, 08:54 Uhr
Mitglieder der religiösen Gemeinschaft Hof Oberkirch in St.Gallen sollen Kinder gezüchtigt und missbraucht haben. Auch Ex-Chocolatier Jürg Läderach habe Schülerinnen und Schüler mit dem Gurt geschlagen. Mehrere Betroffene meldeten sich nun und eine Verantwortliche gibt die Züchtigungen zu.
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Ex-Chocolatier Jürg Läderach hat 1995 in Kaltbrunn im Kanton St.Gallen den Hof Oberkirch übernommen, eine christliche Privatschule mit Internat. Zusammen mit Weggefährten hat er sich in der Schule und Freikirche eine evangelikale Welt erschaffen.

Noch heute stehe in den Statuten, die Kinder in der Schule sollen zur «Ehrfurcht vor dem dreieinigen Gott erzogen werden». In der Öffentlichkeit wurde zudem immer wieder spekuliert, ob die Kinder neben der streng religiösen Erziehung auch gezüchtigt wurden. Jetzt melden sich ehemalige Schülerinnen und Schüler in der Sendung «Dok» bei SRF.

Die Beschuldigungen klingen alle ähnlich: Kinder mussten sich teils nackt ausziehen und wurden geschlagen – meist mit dem Gurt, den sie gerade trugen. Zudem kam es zu Missbrauch und sexuellen Grenzüberschreitungen. Das steht in einem Bericht, den die Schule in Auftrag gegeben hat.

Jürg Läderach, Prediger und andere sollen Kinder geschlagen haben

Eine Betroffene sagt gegenüber SRF aus: Wenn man still gewesen sei, hörten die Züchtigungen nach drei bis vier Schlägen auf. Ansonsten gingen sie weiter, bis es ruhig war. Ein anderer ehemaliger Schüler erzählt, er wurde vom Schulleiter und Prediger der Schule und dessen Frau Helga T. geschlagen – aber auch von anderen Mitgliedern der religiösen Gemeinschaft.

Auch Jürg Läderach habe Kinder mit seinem Gurt gezüchtigt, erzählt ein Mann, der Anfang 2000 auf dem Hof Oberkirch zur Schule ging. Läderach selbst dementiert die Anschuldigungen und behauptet in einer eidesstattlichen Erklärung, er habe niemals Schülerinnen und Schüler geschlagen oder anderwertig misshandelt.

«Missbrauch, Gewalt und Diskriminierung in jeder Form sind mit meinem christlichen Glauben nicht vereinbar», lässt sich Läderach in einem Statement zitieren. Er sei «erschüttert über das Leid, das den Betroffenen angetan wurde».

Die meisten mutmasslichen Taten wären heute verjährt und werden wahrscheinlich nicht untersucht. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die damals Verantwortlichen der Schule entschuldigten sich in einem Brief bei den Betroffenen. Zudem hat Läderach alle Betroffenen, die ausgesagt haben, angezeigt.

Nur eine Verantwortliche gibt Züchtigungen zu

Helga T., die Ex-Frau des Predigers und Schulleiters, ist die einzige der Verantwortlichen, die mit SRF sprach. Sie gibt zu, dass sie Kinder gezüchtigt habe. Sie habe es einfach gemacht, weil sie im System drin war.

Zurzeit gehen 48 Kinder in Hof Oberkirch zur Schule, die heute «Christliche Schule Linth» heisst.

Jürg Läderach hat Läderach von seinem Vater Rudolf Läderach übernommen, der auch Gründer der Marke war. 2018 hat er das Unternehmen an die dritte Generation, seine drei Söhne, weitergegeben. Seit 2019 ist Jürg Läderach nicht mehr am Unternehmen beteiligt. Gegenüber der aktuellen Führung von Läderach gibt es keine Vorwürfe. 

Gegenüber Läderach gab es bereits Anschuldigungen wegen LGBTIQ-Feindlichkeiten. Zudem war Jürg Läderach bis 2019 Kassier des Vereins «Marsch fürs Läbe» und stand darum in der Kritik. Der Verein setzt sich gegen Abtreibungen ein.

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veröffentlicht: 22. September 2023 08:54
aktualisiert: 22. September 2023 13:14
Quelle: Today-Zentralredaktion

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