Tattoo-Branche in Bedrängnis

EU-Verordnung verbietet ab Januar viele Tattoo-Farben – kommt das Verbot auch in der Schweiz?

Matteo Fruci, 1. Januar 2022, 09:43 Uhr
In der EU ist es mit farbenfrohen Tattoos im kommenden Jahr weitestgehend vorbei. Grund ist eine neue EU-Verordnung. Sie verbietet ab Januar Chemikalien, die in fast allen Tattoo-Farben enthalten sind. Laut Experten vom Bund könnte das Verbot auch bald in die Schweiz kommen.
Tattoo Farben
© PilatusToday

Am 4. Januar ist Schluss. Dann dürfen die meisten Tattoo-Farben in der EU nicht mehr eingesetzt werden. Die EU-Chemikalienverordnung REACH wurde abgeändert und führt per 4. Januar 2022 neue Höchstkonzentrationsgrenzwerte für einzelne Stoffe und Stoffgruppen ein. Mehr als 4000 davon sind auch in Tattoos zu finden. Die Verordnung der EU schreibt vor, dass die Farben wegen gesundheitlicher Bedenken nur noch geringe Mengen an bestimmten Konservierungs- oder Bindemitteln enthalten dürfen. Die Grenzwerte sind dabei so niedrig, dass fast alle gängigen Farben nicht mehr verkauft oder benutzt werden dürfen.

Verbot bald auch in der Schweiz?

Dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ist es wichtig festzuhalten, dass generell wenig darüber bekannt ist, was Farbpigmente und andere Zusätze in Tätowierfarben im Körper auslösen können. Daten über eine Langzeitwirkung nach intradermaler Anwendung fehlen laut dem BLV. ArgoviaToday berichtete bereits.

Ob das EU-Verbot für gewisse Tätowierfarben nun auch in die Schweiz kommt? Das BLV schreibt auf Nachfrage von ArgoviaToday: «Die Schweiz prüft zur Zeit diese neue Regelung der EU und passt im laufenden Revisionsverfahren gegebenenfalls die Schweizer Verordnung entsprechend an. Die laufende Revision tritt voraussichtlich Mitte 2023 in Kraft. Entsprechende Übergangfristen sind vorgesehen.»

Kommen jetzt die Tattoo-Touristen?

Vor allem in den Grenzregionen liegt es nun auf der Hand, dass viele europäische Freunde der farbigen Körperkunst den Weg in ein Schweizer Tattoo-Studio finden werden, um das Verbot zu umgehen. Tattoo-Künstler Rinaldo, Inhaber der «Tattoo-Fabrik 4310» in Rheinfelden an der Grenze zu Deutschland, spürt davon noch nichts: «Wir hatten bei uns im Studio schon immer Kunden aus Deutschland. Bis jetzt spüren wir nicht, dass mehr kommen.» Angst vor dem Farben-Verbot hat er nicht. «Was das für uns bedeutet, wenn es in der Schweiz kommen würde, ist schwer zu sagen. Eines ist aber klar: Es wird sich alles ändern.» Andere angefragte Tattoo-Studios konnten oder wollten sich gegenüber ArgoviaToday noch nicht über einen möglichen Ansturm nach dem EU-Verbot äussern.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 1. Januar 2022 09:43
aktualisiert: 1. Januar 2022 09:43
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