Schweiz

Gefälschte Covid-Test-Rechnungen ärgern Betroffene und CSS

2,5 Mio. Franken

Gefälschte Covid-Test-Rechnungen ärgern Betroffene und CSS

31.03.2023, 09:29 Uhr
· Online seit 30.03.2023, 16:59 Uhr
Die meisten haben schon einmal einen Covid-Test gemacht. Nun erreichen die Krankenkassen aber viele Rechnungen von mutmasslich gefälschten Covid-Tests. Darin stehen die persönlichen Daten der Kunden – ohne aber, dass diese jemals den Test gemacht hätten. Wie kam es dazu und woher sind die Daten?

Quelle: Tele 1

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«Gemäss einer Krankenkassenrechnung habe ich einen Covid-Test gemacht in Zürich. Dort war ich aber nie!» Das sagt Chantal Waldispühl, sichtlich entnervt. Denn im betreffenden Zeitraum war sie weder im betreffenden Testzentrum in Zürich, noch habe sie überhaupt einen Covid-Test gemacht. Auf der Abrechnung des Arztes, die direkt an die Krankenkasse ging, standen zudem persönliche Daten. Genau das versteht Waldispühl aber überhaupt nicht: «Woher hat dieser Arzt alle meine Angaben?» Sie habe diesen Arzt vorher nicht gekannt und habe ihm ganz sicher keine Daten gegeben.

Bekannte Problematik

Solche mutmasslich falschen Rechnungen sind ein bekanntes Phänomen. Wie PilatusToday und ZüriToday recherchierten, sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) rund 40 Fälle bekannt. Also Leistungserbringer, die über die Krankenkassen Rechnungen für Corona-Tests verschickten, welche die Kundinnen gar nie durchführen liessen. Der Ablauf ist immer derselbe. Die Kunden entdeckten im Februar und März 2023 auf einer Abrechnung, dass sie im Frühjahr 2022 einen oder mehrere Covid-Tests durchgeführt hätten.

Die Kosten für die Tests wurden zu diesem Zeitpunkt zwar vom Bund übernommen, wurden aber von Ärzten an die Krankenkassen gemeldet. Diese wiederum verrechneten sie dem Bund. Die Ärzte selbst haben in diesen Fällen häufig auch keine eigenen Covid-Tests durchgeführt. Denn die Testzentren mussten, um Covid-Zertifikate verteilen zu können, eine Kooperation mit einem Arzt eingehen. Nachdem Chantal Waldispühl den Fake-Test entdeckt hatte, meldete sie dies unverzüglich ihrem Hausarzt. Der verwies sie weiter an Krankenkasse und BAG – er kannte diese falschen Tests.

Ärzte als Mittelsmänner

Den Kontakt zum Arzt, der bei den Covid-Tests angegeben war, suchte Waldispühl ebenfalls. Dieser wies aber jegliche Verantwortung von sich. Er liess in einer schriftlichen Stellungnahme vermelden, dass er ausschliesslich die Abrechnungen der Tests durchgeführt habe. Er habe aber «keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass die Tests durchgeführt wurden.»

Dieter Siegrist, Leiter Wirtschaftlichkeitsprüfung der CSS, sieht genau darin ein Problem. Die Abrechnungsnummer, auf deren Basis dann Rechnungen an die Krankenkasse gestellt werden, wird einem Arzt zugeteilt. Normalerweise erbringe der dann auch die Leistung dazu. In diesem Falle aber hätten Firmen die Rechnungen von verschiedenen Testcentern zusammengetragen. Der Arzt habe, so Siegrist, gar nichts mit diesen Tests zu tun. Das müsse aber noch genauer abgeklärt werden.

65'000 gesperrte Rechnungen

«Wir haben etwa 65'000 Rechnungen gesperrt, über einen Betrag von 2,5 Millionen Franken», erklärt Siegrist – nur bei der CSS. An einigen Tagen seien fast 10'000 Rechnungen über mutmassliche Covid-Tests bei ihnen eingegangen. «Das liess unsere Alarmglocken ertönen», führt Siegrist weiter aus.

Rund 40 Abrechnungsnummern von Ärzten mussten sie ebenfalls sperren. Auch der Arzt, der auf der Rechnung von Waldispühl angegeben ist, ist darunter. Zwar seien weder der Krankenkasse noch den Kunden ein finanzieller Schaden entstanden, aber dennoch sei eine Aufklärung angebracht.

Woher sind jetzt die Daten?

Ist also alles in Ordnung, wenn kein finanzieller Schaden entstand? Für Waldispühl ist klar: «Nein!» Es sei ihr weiterhin unklar, woher die Daten seien. Persönliche Informationen, die sie diesem Arzt nie zur Verfügung gestellt hätte. Siegrist kann einzig bestätigen, dass die Daten sicherlich nicht von der CSS gekommen seien. Aber alles andere ist unklar. Es könne bei einer Firma passiert sein, die verschiedene Testcenter betreute oder bei dem Testcenter selbst, meint der Fachmann. Wo genau, könne aber nicht nachverfolgt werden. Waldispühl bleibt also in der Ungewissheit sitzen. Irgendwoher hat dieser Arzt alle ihre Daten, und niemand weiss, woher.

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veröffentlicht: 30. März 2023 16:59
aktualisiert: 31. März 2023 09:29
Quelle: PilatusToday

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