Schweiz

Jeder vierte KV-Lernende leistet unfreiwillig Überstunden

Arbeitsbelastung

Jeder vierte KV-Lernende leistet unfreiwillig Überstunden

· Online seit 04.04.2023, 09:03 Uhr
Rund 20 Prozent der Jugendlichen, die eine Kaufmännsiche Lehre machen, schieben laut einer Umfrage Überstunden. Manche Lernende könne diese auch nicht kompensieren. Bei einer Zürcher Berufsschule sind Hilfsangebote derzeit stark gefragt.
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Feierabend ist für zahlreiche KV-Lernende ein Grosses Wort. Überstunden sind in dieser Branche Gang und Gäbe. Rund 20 Prozent der KV-Lernenden leistet unfreiwillig Überstunden, weil sie ihre Arbeitsaufträge in der regulären Arbeitszeit nicht erledigen konnten. Dies zeigt die aktuelle Lehrerabgänger:innen-Umfrage (LAU) des Kaufmännischen Verbands Schweiz.

Die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmenden konnte die Überstunden mit Freizeit kompensieren. Knapp zwei Prozent erhielten die Stunden ausbezahlt, die sie über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus im Büro verbrachten.

Knapp acht Prozent gaben an, Überstunden während der Lehre in den meisten Fällen gar nicht kompensiert haben können. Diesen Anteil erachtet der Kaufmännische Verband als «besorgniserregend».

«Negative Auswirkungen auf psychische Gesundheit»

Rund sieben Prozent mussten wöchentlich unfreiwillig Überstunden leisten. «Besorgniserregend ist der Anteil von Personen, die wöchentlich unfreiwillig Überstunden leisten musste», betont Kathrin Ziltener, Fachverantwortliche Berufsbildung beim Kaufmännischen Verband Schweiz. Bei weiteren zwölf Prozent waren Überstunden mehrmals im Monat der Fall. Ziltener: «Gerade während der Lehre, wo Arbeit und Schule bereits eine Doppelbelastung darstellen, können sich häufige und lange Überstunden negativ auf die psychische Gesundheit der Lernenden auswirken.»

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Ob sich die Überstunden negativ auf die Konzentration in der Berufsschule auswirken, ist unklar. Etwa der Wirtschaftsschule KV Zürich liegen dazu keine Daten vor. «Was wir aber feststellen ist, dass die Nachfrage nach unseren internen Beratungsangeboten für Lernende in Not über die Jahre stetig zugenommen hat», sagt Christian Wölfle, Rektor der Wirtschaftsschule KV Zürich. Nutzten Schülerinnen und Schüler dieses Angebot, sei neben Problemen an der Schule wie zum Beispiel dem Notendruck und privaten Umständen auch – zwar seltener – die Situation im Lehrbetrieb ein Auslöser.

Manche Lernende hätten «den Ablöscher»

Christian Wölfle stellt die Resultate zu den Überstunden aber auch teilweise infrage. «Ich bin der Ansicht, dass unsere Lehrbetriebe sehr zuverlässig sind und die Lernenden rechtmässig behandeln, was deren Arbeitszeit anbetrifft.» Im Falle von im Lehrbetrieb geleisteten Überstunden würden diese sicher ausbezahlt oder kompensiert, sei er überzeugt.

Laut Wölfle bildet die Umfrage möglicherweise nicht die realen Tatsache ab. Als Grund dafür vermutet er kommunikative Missverständnisse. «Einzelnen Lernenden ist es vermutlich nicht bewusst, dass sie die Überstunden nicht mehr kompensieren können, wenn diese ausbezahlt wurden.» Auch sei möglich, dass manche Lernende «den Ablöscher» hätten und deshalb der Meinung seien, sie arbeiteten zu viel und zu lange. «Dann machen sie in einem Fragebogen schnell einmal an einem heiklen Ort ein Kreuzchen.»

Befragung hin oder her – die KV-Lehre soll für Lernende laut Wölfle attraktiv bleiben. «Dies gelingt, wenn die Betriebe und Schulen den Lernenden Sorge tragen und sie in gutem Masse fordert und fördert.»

veröffentlicht: 4. April 2023 09:03
aktualisiert: 4. April 2023 09:03
Quelle: ZüriToday

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