Gletscherschmelze

Pass taucht nach über 2000 Jahren wieder auf

11. August 2022, 14:50 Uhr
Im Gebiet von Glacier 3000 tauts. So sehr, dass nun der seit über 2000 Jahren begrabene Zanfleuronpass wieder ans Licht kommt. Noch 2012 war dort eine Eisdicke von 15 Metern gemessen worden.
Der Zanfleuronpass trennt im Wintersportgebiet Glacier 3000 die Gletscher Scex Rouge und Zanfleuron. Durch die Gletscherschmelze wird er nach über 2000 Jahren wieder freigelegt.
© Glacier 3000

Die Gletscher Scex Rouge und Zanfleuron, die der Pass voneinander trennt, haben in diesem Jahr drei Mal so viel an Dicke verloren wie im Durchschnitt der letzten zehn Sommer, wie Glacier 3000 am Donnerstag mitteilte. Bis Ende September werde der Pass vollständig eisfrei sein.

Jahrelanger Schlaf unter dem Eis

Gemäss Schätzungen ist der Zanfleuronpass mindestens seit 2000 Jahren mit Eis bedeckt – wahrscheinlich sogar noch länger. Er ist ein dünner Landstrich zwischen den Kantonen Waadt und Wallis und befindet sich auf 2800 Metern Höhe.

Nach Aussagen des Glaziologen Mauro Fischer von der Universität Bern könne ohne weitere Untersuchungen nicht gesagt werden, ob der Pass während der letzten Zwischeneiszeit vor rund 6000 Jahren wirklich unter dem Eis gelegen sei.

Baden anstatt Skifahren

In naher Zukunft würden die Veränderungen auch die Nutzung des Gletschers für den Schneesport erheblich beeinflussen, schreibt Glacier 3000. Ursprünglich hätten Skifahrer den Zanfleuron-Gletscher bis zum Sessellift am unteren Ende des Scex-Rouge-Gletschers befahren können, der sie zur gleichnamigen Seilbahnstation hinaufgeführt habe.

Jetzt, wo der Pass die beiden Gletscher trenne, müsse man überlegen, wie die vorhandene Infrastruktur angepasst werden könnte, wird der Direktor der Seilbahnen von Glacier 3000, Bernhard Tschannen, in der Mitteilung sagt.

Anstelle des Scex-Rouge-Gletschers werde wahrscheinlich in den nächsten zehn bis 15 Jahren ein natürlicher See entstehen. Er dürfte eine Tiefe von etwa zehn Metern und ein Volumen von 250'000 Kubikmetern aufweisen.

(sda/joe)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 11. August 2022 14:53
aktualisiert: 11. August 2022 14:53
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