Emissionen

Swiss crasht Klimaziele mit neuen Langstrecken-Destinationen

29.06.2023, 13:39 Uhr
· Online seit 29.06.2023, 07:27 Uhr
Zusätzliche Langstreckenflüge sollen ab 2024 in das Angebot der Fluggesellschaft Swiss kommen. Dies, obwohl die Schweiz soeben das Klimaschutzgesetz angenommen hat. Das sorgt sowohl in linken Kreisen als auch bei Grünen im Parlament für Kritik.
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Bis 2050 will die Schweiz klimaneutral werden. Mit dem Ja zum Klimaschutzgesetz kann sie diesem Ziel einen Schritt näher kommen. Dies bedeutet etwa, dass Benzin- und Dieselautos durch elektrische ersetzt werden und Öl-, Gas- und Elektroheizungen etwa Wärmepumpen weichen. Anders sieht es beim Flugverkehr aus. Anstatt auf aktuelle Klimaziele setzt dieser auf ferne Ziele.

Grundsätzlich überprüfe die Swiss ihr Netzwerk fortlaufend auf mögliche Anpassungen und Ergänzungen, sagt Meike Fuhlrott, Mediensprecherin der Swiss zur Today-Redaktion. «Wir hoffen, dass wir 2024 etwas Neues anbieten können.» Über die Anzahl der neu angebotenen Langstreckenflüge sei noch kein Entscheid gefallen.

Konkreter äusserte sich Benedikt Escher, Head of Network Management bei der Swiss. Nächstes Jahr werde die Swiss voraussichtlich zwischen zwei und vier neue Destinationen bringen, zitierte CH Media ihn aus dem Mitgliedermagazin des Swiss-Pilotenverbands Aeropers. Im Westen seien es vor allem Washington und Toronto und im Osten insbesondere Osaka und Seoul. Neu wieder dazukommen werde Peking, das seit der Pandemie nicht mehr angeflogen wird.

Wachstum der Flugindustrie müsse gestoppt werden

Der geplante Ausbau kommt bei linken Politikerinnen und Politikern schlecht an. Nicola Siegrist, Juso-Präsident und Klimaaktivist, ist der Meinung, dass die Swiss damit eine noch nicht vorhandene Nachfrage schafft. «Neue Angebote sorgen dafür, dass diese auch genutzt werden.» Würden mehr und längere Flüge angeboten, werde auch mehr CO2 ausgestossen. «Genau dann, wenn die Emissionen dringend sinken müssten, baut die Swiss aus», empört er sich.

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Siegrist sieht die Swiss in der Verantwortung. «Konzernen geht es bei solchen Angeboten ja nicht darum, den Menschen ein schönes Leben mit viel Ferien zu bieten, sondern um Renditen», sagt er. Das Wachstum der Flugindustrie müsse von der Politik gestoppt werden.

Kontingente und Steuer für Vielflieger

Der Flughafen Zürich will die Piste 28 um 400 Meter in Richtung Westen verlängern, die Piste 32 um 280 Meter in Richtung Norden. Der Flughafen begründet das Vorhaben mit einer erhöhten Sicherheit. Links-Grüne Parteien glauben jedoch, dass ein Kapazitätsausbau dahinter steckt.

Solche Pläne müssen laut dem Juso-Präsidenten gestoppt werden. «Solange die Fluginfrastruktur ausgebaut wird, wird die Schweiz ihre Flugemissionen nicht reduzieren.»

Siegrist schlägt als weitere Massnahme gegen den zunehmenden Flugverkehr vor, eine Lenkungsabgabe einzuführen, die an die Bevölkerung zurückverteilt wird. «Reicht das nicht, müssen wir über eine Kontingentierung diskutieren.» Demnach wäre die Anzahl Flüge pro Person limitiert.

Der Klimastreik Schweiz denkt derweil an eine Abgabe für Vielflieger. Auch Cyrill Hermann, engagiert beim Klimastreik Schweiz, blickt skeptisch auf den Ausbau der Langstreckenflüge. «Damit sich etwas ändert, soll der Staat endlich ein klares Zeichen für die Klimapolitik des Flugverkehrs setzen.»

Fliegen solle teurer werden

Beim Fliegen sind die Schweizerinnen und Schweizer Champions. In einer Easyjet-Umfrage gaben knapp 25 Prozent der Befragten an, in den letzten fünf Jahren fünf oder mehr Europaflüge absolviert zu haben. Unter den befragten Ländern belegt die Schweiz damit den Spitzenplatz. Grünen-Nationalrätin Natalie Imboden befürchtet, dass das Fliegen durch zusätzliche Langstreckenflüge noch attraktiver wird. Das grösste Problem sieht sie in den günstigen Preisen. «Es braucht eine wirksame Flugticketabgabe», fordert sie.

Mit dem CO2-Gesetz, welches die Schweizer Stimmbevölkerung 2021 ablehnte, war auch eine Flugticketabgabe vom Tisch. Das Gesetz sah für Kurzstreckenflüge eine Abgabe pro Passagier von 30 Franken und für mittlere oder lange Strecken eine Abgabe von maximal 120 Franken vor. «Für eine solche Flugticketabgabe stehe ich nach wie vor ein», sagt Natalie Imboden. Nur so werde das Fliegen trotz Ausbau unattraktiver.

Swiss nehme Thema der Umweltverschmutzung ernst

Die Swiss bedient zurzeit ab Zürich und Genf 22 Interkontinentalziele. Der längste Non-Stop-Flug geht nach Singapur, der kürzeste nach Dubai. Ein Flug von Zürich nach Singapur stösst 1,7 Tonnen CO2 in die Luft, derjenige nach Dubai rund 700 Kilo.

Die Swiss macht auf Anfrage darauf aufmerksam, dass sich das Flugangebot grundsätzlich an den Bedürfnissen der Schweizer Bevölkerung und der Schweizer Wirtschaft ausrichte. «Das Thema Umweltverantwortung nehmen wir sehr ernst», sagt Mediensprecherin Meike Fuhlrott. Die Lufthansa Group inklusive Swiss habe sich ambitionierte CO2-Ziele gesetzt und plane, bis 2030 ihre Netto-CO2-Emissionen gegenüber 2019 um 50 Prozent zu reduzieren und bis 2050 eine CO2-neutrale Bilanz zu erreichen.

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Um die flugbezogenen Emissionen zu reduzieren, setzt die Swiss laut Fuhlrott auf eine kontinuierliche Erneuerung der Flotte. Auch strebe sie mit ihren Systempartnern nach einer effizienteren Gestaltung des Luftverkehrs, engagiere sich bei der Entwicklung und Markteinführung von neuen Technologien sowie nachhaltigen Treibstoffen. Weiter erwähnt die Sprecherin, dass die Swiss die Umsetzung von Klimaschutzprojekten ergänzend die Umsetzung von Klimaschutzprojekten fördert.

veröffentlicht: 29. Juni 2023 07:27
aktualisiert: 29. Juni 2023 13:39
Quelle: Today-Zentralredaktion

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